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Gesundheitsschutz Mobbing im Betrieb: Wann Chefs eingreifen müssen

Zwischen 15 und 30 Prozent der Mitarbeiter haben laut Umfragen Mobbing bereits am eigenen Leib erlebt. Dabei finden sich die meisten Fälle im beruflichen Umfeld - und zwar unabhängig von der Betriebsgröße. Wo dies für den Mitarbeiter zur seelischen Belastung wird, dürfen Chefs nicht wegschauen.

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Sich mit Kollegen mal einen Spaß zu erlauben, ist bei gutem Betriebsklima etwas völlig Normales. Gerade im Handwerk wird sich mancher erinnern, dass er am Anfang der Lehrzeit die Kolbenrückzugsfeder in der Verteilerpumpe suchen sollte oder ins Lager geschickt wurde, um die Gewichte für die Wasserwaage zu holen. Solche Scherze haben mit Mobbing nichts zu tun.

Alle auf einen: Wann es kritisch wird

Anders ist es, wenn immer über den gleichen Kollegen gelacht wird oder ein Mitarbeiter gezielt und wiederholt gehänselt oder schikaniert wird. Natürlich gibt es Auszubildende, die sich ungeschickter anstellen als andere, und auch mancher erwachsene Kollege mag sich als Ziel für Späße anbieten. Doch dies darf nicht dazu führen, dass über diese eine Person jeden Tag gespottet und gelästert wird. Denn dann ist die Grenze zum Mobbing schnell überschritten.

Ähnliches gilt für andere Situationen, ob Tratscherei oder ein Streit. So etwas kommt an jedem Arbeitsplatz und in jedem Team vor. Wenn es aber immer die gleiche Person betrifft oder wenn alle über einen herziehen, aber keiner mehr mit demjenigen spricht, dann wird dies zum Mobbing.

Wichtig: Auch Vorgesetzte können Mobbing auslösen

Mobbing geht nicht nur von den Kollegen aus, auch Vorgesetzte können mobben, manchmal sogar unabsichtlich. Selbstverständlich muss bei Fehlverhalten oder Arbeitsmängeln immer eine sachliche Kritik möglich sein, aber dies darf nicht dazu führen, dass ein Mitarbeiter systematisch ausgegrenzt, schikaniert oder unfair behandelt wird. Denn: Mobbing hat Folgen. Seelische Misshandlungen sind eine enorme psychische Belastung, die den Betroffenen krank machen kann. Das kann bis zur Arbeitsunfähigkeit gehen oder im Extremfall jemanden in den Selbstmord treiben.

Praxistipp: Vorgesetzte dürfen ein Mobbinggeschehen innerhalb ihrer Belegschaft oder ihres Arbeitsteams daher niemals ignorieren. Ein Wegschauen im Sinne von „ Das sollen die untereinander regeln“ ist ein Eingeständnis eigener Hilflosigkeit und Führungsschwäche.

Folgen für den Betrieb: weniger Produktivität, mehr Fehlzeiten

Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist Mobbing kein Spaß. Denn es geht zulasten der Gesundheit des Betroffenen, des Betriebsfriedens und nicht zuletzt der Produktivität. Wer ständig damit beschäftigt ist, sich gegen Kollegen zu wehren, kann nicht so aufmerksam und leistungsfähig sein, wie es von ihm erwartet wird. Mobbing-Opfer fallen häufiger und länger aus und sie wechseln häufiger ihren Arbeitgeber. So können wichtige Mitarbeiter verloren gehen, die eine gute Arbeit machen, aber zu gemobbten Außenseitern wurden. Davon abgesehen gilt die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers in Bezug auf seelische Verletzungen nicht weniger als bei der Unfallverhütung. Jeder Vorgesetze steht in der Pflicht, Mobbing-Opfer zu schützen und die Ursachen abzustellen.

Indikatoren: So kann sich Mobbing im Betrieb zeigen

Im Gegensatz zu Lärm, Staub oder schweren Traglasten ist die Belastung Mobbing auf den ersten Blick nicht immer so einfach zu erkennen. Denn ein Mobbing kann auch ohne lautstark ausgetragene Konflikte stattfinden und spielt sich oft auf subtileren Ebene ab. Eine schlechter werdende Stimmung im Team oder ein Nachlassen der Arbeitsleistung oder Arbeitsqualität können Symptome für Mobbing sein. Achten Sie auf Fälle, in denen

  • Lügen über einen Kollegen erzählt und weiterverbreitet werden.
  • jemand vor seinen Kollegen oder vor Kunden schlecht gemacht und gedemütigt wird.
  • ein Kollege schikaniert oder diskriminiert wird oder ihm Gewalt angedroht wird.
  • ein Kollege nicht beachtet wird und seine Bedürfnisse ignoriert werden.
  • einem Mitarbeiter bewusst die Arbeit erschwert wird, weil ihm etwa Informationen vorenthalten werden.
  • ein Mitarbeiter mit sinnlosen Aufgaben beschäftigt wird.
 

Wichtig zum Verständnis: Es ist nicht die eine unschöne Situation oder ein spezieller Konflikt, die ein Mobbing ausmachen. Mobbing beginnt dann, wenn stets die gleiche Person wiederholt oder regelmäßig gehänselt, gedemütigt, ausgegrenzt oder wie auch immer schikaniert wird.

 

Checkliste: Wie Chefs Mobbing vorbeugen können

Es gibt kein Patentrezept gegen Mobbing. Aber Betriebsleitung und Vorgesetzte können einiges dafür tun, dass es erst gar nicht so weit kommt. Berücksichtigen Sie dabei die folgenden Punkte: 

Aufklärung: Erläutern Sie das Thema Mobbing in einer Unterweisung, ggf. mit externer Unterstützung. z. B. von einer Krankenkasse oder BG. Deutlich werden sollte z. B., dass Empfindsamkeiten individuell unterschiedlich sind und von außen oft kaum zu erkennen ist, ab wann jemand seelisch leidet.

Klare Positionierung: Machen Sie klar, dass Sie in Ihrem Betrieb Mobbing und ein Ausgrenzen einzelner Kollegen genauso wenig tolerieren wie sexuelle Belästigung oder das Androhen von Gewalt. Mobbing-Täter in der Belegschaft müssen wissen, dass ihr Verhalten zur Abmahnung führen kann.

Offene Aussprache: Jeder Mitarbeiter sollte wissen, dass er sich jederzeit an Sie wenden kann (und sollte), wenn er sich ungerecht behandelt oder gar gemobbt fühlt. Achten Sie jedoch darauf, nicht vorschnell Stellung zu beziehen, sondern hören Sie stets beide Seiten und auch Zeugen. Scheuen Sie sich nicht, in einer festgefahrenen Situation professionelle Unterstützung hinzuzuholen, etwa zum Moderieren klärender Gespräche.

Wertschätzender Umgang: Fördern Sie ein Miteinander, das jeden Einzelnen achtet und seine Person und seine Arbeit wertschätzt. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran, äußern Sie Kritik auf angemessene Weise und ohne verbale Entgleisungen. Seien Sie nicht zu geizig mit Lob und anerkennenden Worten. Versuchen Sie, Konflikte unter den Mitarbeitern frühzeitig zu erkennen und beizulegen.

Fazit: Wenn die Betriebsleitung nach innen wie nach außen glaubwürdig vertritt, dass Fairness, Wertschätzung, Ehrlichkeit und Verantwortung keine Schlagworte sind, sondern gelebte Unternehmenswerte, wird eine Meinungsverschiedenheit wenig Chancen haben, zum Mobbing zu eskalieren.

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