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Studie Mitarbeiterleistung – wie Chefs mit Pausen die Produktivität erhöhen

Eine Studie der University of Virginia zeigt: Oft genügen einfache organisatorische Änderungen, um die Ermüdung der Mitarbeiter zu reduzieren und ihre Produktivität zu erhöhen. Die Forscher raten dabei vor allem zu mehr Pausen.

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Die Mitarbeiterleistung wird jeden Tag von vielen Faktoren negativ beeinflusst: Multitasking, Unterbrechungen von elektronischen Geräten und allgemeiner Arbeitsdruck – diese Faktoren verhindern oft, dass die Menschen die notwendigen Pausen auch einlegen. Die Forschung von Manel Baucells von der University of Virginia Darden School of Business zeigt aber, dass Chefs gut daran täten, ihre Mitarbeiter aktiv zu mehr Pausenzeiten aufzufordern.

Mitarbeiterleistung – niemand kann ständig 100 Prozent geben

Baucells Studie "It is time to get a rest“ zeigt auf, wie die Leistung der Mitarbeiter sich über den Tag verteilt und wie Arbeitgeber diese Erkenntnis nutzen können. Denn eines ist klar: Genauso wenig, wie Sportler in einem über mehrere Stunden andauerenden Rennen kontinuierlich Maximalleistungen vollbringen können, gelingt das den Mitarbeitern. Trotzdem verlangen viele Chefs von ihrem Team noch immer kontinuierlich 100 Prozent plus X.

Produktivität: Lange Tage im Marathon-Stil bewältigen

Um zu beurteilen, wie die Leistung der Arbeiter am besten über einen einzigen Arbeitstag verteilt werden kann, entwickelte Baucells ein "Ermüdungs-Nutzlosigkeits“-Modell, das sich aus zwei Arten von Aufwandsmustern zusammensetzte, die durch die Art der Arbeit bestimmt wurden.

  1. Arbeit kann angepasst werden
    Bei Arbeitsplätzen, bei denen die Arbeit angepasst werden kann, fand man heraus, dass ein analoges ‚hoch-niedrig-hoch‘-Leistungsmuster der beste Weg ist, um Müdigkeit zu bewältigen. "Die Idee ist, den Tag mit maximaler Intensität zu beginnen und zu beenden, es in der Mitte aber etwas ruhiger angehen zu lassen", sagt Baucells. Für lange Arbeitstage empfiehlt er den ‚Marathon-Stil‘ mit einer kurzen Maximalleistungsphase und einem moderaten Tempo für den Rest des Tages.
  2. Keine Anpassung der Arbeit möglich
    In einigen Jobs kann man keine Anpassung vornehmen. Angestellte, die eine Maschine führen oder im Restaurant oder Einzelhandelsgeschäft von der Kundenfrequenz abhängig sind oder geistige Aufgaben durchführen, die eine konstante Konzentration erfordern, wie bei Prüfungen, müssen entweder 100 Prozent geben oder eine Pause machen, aber sie können nicht mit 25 Prozent arbeiten. In diesem binären ‚alles-oder-nichts' Fall zeigt Baucells, dass es die beste Verteilung der Arbeiterleistung ist, den T ag mit aktiven Perioden zu beginnen und zu beenden, aber während des Tages Pausen zu nehmen. „Weit davon entfernt, unproduktiv zu sein, sollten solche Pausen als Investitionen in die zukünftige Produktivität angesehen werden, weil sie tatsächlich der Ermüdung entgegenwirken ", weiß Baucells.
 

Produktivität: Weniger Arbeitszeit, mehr Leistung

Am Beispiel einer Prüfungssituation zeigt Baucells, dass zehnstündiges Arbeiten ohne Pausen in 15 bestandenen ‚Prüfungen‘ endet. Für drei gestattete Pausen, fand Baucells folgende optimale Leistungsverteilung heraus: zwei Stunden arbeiten, dann eine 45-minütige Pause, danach für 105 Minuten arbeiten, dann wieder eine 45-minütige Pause, dann weitere 105 Minuten arbeiten und dann eine weitere 45-minütige Pause machen und den Tag mit zwei weiteren Arbeitsstunden beenden. Nach diesem Plan sinkt die Gesamtarbeitszeit auf sieben Stunden und 30 Minuten, während sich die Gesamtleistung auf 19 bestandenen ‚Prüfungen‘ erhöht. Die Lektion ist klar: optimale Pausen reduzieren die Arbeitszeit und erhöhen die Mitarbeiterleistung.

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