Finanzen + Versicherungen -

Mit grünem Gewissen Geld verdienen

Öko-Investments | Umwelt- und Klimaschutz zählen zu den Megatrends an den internationalen Finanzmärkten. Welche Möglichkeiten Privatanleger haben, von diesem Boom zu profitieren.

Themenseite: Nachhaltigkeit

„Der neueste Bericht des Weltklima-beirates IPCC geht bis 2100 von einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 6,4 Grad aus“, sagt Bernd Riedel, Investmentstratege bei der UBS in Frankfurt und dort spezialisiert auf Fonds und Anlagezertifikate. Dass weltweit nicht nur Wissenschaftler und Politiker über die Klimakatastrophe diskutieren, wundert nur auf den ersten Blick. Reagiert doch die Finanzindustrie rund um den Globus besonders sensibel auf aktuelle Trends. Jürgen Bulling vom US-amerikanischen Investmenthaus Merrill Lynch in London meint: „Umwelt- und Klimaschutz ist zweifellos eines der bedeutendsten Zukunftsthemen.“ Denn die Folgen des Klimawandels sind endgültig und bringen zahlreiche „Risiken für die Weltkonjunktur und eine Vielzahl von Branchen wie Fluglinien oder Autohersteller mit sich“, meint UBS-Stratege Bernd Riedel.

Das Vermeiden von warmen Wintern und staubtrockenen Sommern ist damit nicht nur ein mühevoller Kampf ums ökologische Gleichgewicht, sondern auch eine Chance, Geld zu verdienen. Warum nicht mit Umwelt-Investments seine private Altersvorsorge aufbauen?

Die Finanzindustrie rund um den Globus bietet zu diesem Zweck zahlreiche unterschiedliche Anlageformen – für jeden Geschmack und entsprechend der jeweiligen Risikoneigung. Die wohl einfachste, allerdings auch riskanteste Wette auf eine Zukunft mit moderaten Temperaturen sieht so aus: Der Anleger kauft sich Aktien eines umweltorientierten Unternehmens oder stellt sich ein Depot mit einer Handvoll unterschiedlicher Werte zusammen. Dazu gehören Solarfirmen und Windradbauer genauso wie Biosprit-Produzenten.

Der Nachteil dabei: Die Aktien weniger Unternehmen erhöhen mangels breiter Streuung das Anlagerisiko enorm. Enttäuscht die eine oder andere Firma, wie vor wenigen Monaten der Biodiesel-Hersteller Verbio, die Erwartungen der Anleger, sackt der Aktienkurs gleich um 30 oder mehr Prozent in wenigen Tagen ab.

Alternativen sind spezielle Investmentfonds, die auf Nachhaltigkeit oder aber die Themen Umweltschutz und Ökologie ausgerichtet sind. Durch die Diversifikation auf zahlreiche unterschiedliche Titel ist das Anlagerisiko deutlich geringer als bei Einzelaktien. Dafür wirkt ein solcher Fonds gleichsam wie ein Breitband-Antibiotikum: Starke Kurszuwächse des Fonds wie etwa bei deutschen Solarwerten in den vergangenen Jahren sind so gut wie ausgeschlossen.

Zudem müssen sich Fondsmanager auf Unternehmen mit zumindest mittelgroßer Marktkapitalisierung konzentrieren, weil diese an der Börse die höchste Liquidität haben. Der Nachteil: Die Anteilsscheine größerer Firmen reagieren weitaus sensibler auf allgemeine Marktbewegungen. „Sobald etwa der Dax oder der M-Dax abrutschen, macht das praktisch jede Aktie mit, unabhängig von der Qualität und den Wachstumschancen des jeweiligen Unternehmens“, erläutert Matthias Helfesrieder, unabhängiger Finanzberater in Singen.

Anlagezertifikate sind hip

Investoren setzen deshalb verstärkt auf Anlagezertifikate, was deren Emittenten – Privatbanken und die Niederlassungen ausländischer Investmenthäuser – gern sehen. Auch weil derzeit ein harter Konkurrenzkampf mit den Fondsgesellschaften um die Gunst von Privatanlegern tobt, dessen Ausgang noch nicht entschieden ist. Zweifellos bieten Anlagezertifikate einige Vorteile, auch wenn sie als Inhaber-Schuldverschreibungen weniger sicher sind als die Sondervermögen der Fondsgesellschaften.

Anleger können treffsicherer auf einzelne Segmente des weiten Feldes Umwelt und Nachhaltigkeit setzen: spezielle Marktbarometer, die oft eigens von Investmenthäusern entwickelt werden, enger gefasste Aktienkörbe aus Umweltsegmenten wie Solar- oder Windkraft. Schließlich können Interessenten auch auf sogenannte Soft Commodities setzen, also weiche Rohstoffe wie „Zucker, Mais, Soja, Raps und Palmöl, die zur Herstellung von Biokraftstoffen verwendet werden“, erläutert Funda Tarhan von ABN Amro. „Saubere Technologien zur Energiegewinnung, Energieeffizienz und zum Umweltmanagement sind Segmente, die langfristig vom Megatrend Klimaschutz besonders profitieren sollten“, meint UBS-Stratege Riedel.

Die Verlustrisiken bei fallenden Märkten können Anleger mit der Wahl passender Zertifikate-Typen vermeiden oder zumindest abmildern. Sind herkömmliche Zertifikate, die sich auf spezielle Indizes oder Aktienkörbe beziehen, praktisch ungefiltert den Märkten ausgesetzt, so können Anleger mit Garantie-Zertifikaten und auch Bonus-Zertifikaten ein Sicherheitsnetz einziehen (siehe Kasten). Hier wird entweder der vollständige Kapitalerhalt zum Laufzeitende des Zertifikats zugesichert, oder der Käufer hat einen Puffer, der einen Teil möglicher Kursverluste beim Basiswert auffängt.

Ohne Kapitalgarantie

Das Zertifikate-Angebot im Umweltsektor dominieren momentan allerdings noch Index-Produkte und Papiere auf Aktienkörbe. Vorteil ist, dass „langfristig orientierte Investoren mit diesen Angeboten vom Megatrend Umwelt und Nachhaltigkeit profitieren können“, erläutert Riedel. Aber solche Zertifikate funktionieren, ähnlich wie Branchen- und Themenfonds, eben nur in eine Richtung. Der Anleger verdient Geld, sobald der entsprechende Basiswert des Zertifikats, also ein Index oder die Sammlung unterschiedlicher Einzelaktien, im Wert zulegt. Die bei Anlegern beliebten völligen oder teilweisen Kapitalgarantien gibt es hier nicht. Anleger können mit solchen Index- oder Basket-Zertifikaten nicht auf fallende Kurse beim jeweiligen Basiswert spekulieren.

Neue Produkte angekündigt

Möglicherweise ist das ein Makel. Denn gerade die Garantie- und Kapital-(teil)schutz-Produkte erfreuen sich unter deutschen Privatanlegern besonderer Beliebtheit. Nach Angaben der Branchenvereinigung „Derivate-Forum“, in der sich neun Emissionshäuser zusammengeschlossen haben, macht dieser Typ mit Netz und doppeltem Boden derzeit knapp die Hälfte des Zertifikate-Umsatzes an den Börsen aus.

Mit immer neuen Produkten versucht die Zertifikate-Industrie, jeden Anlagetrend zu nutzen und auch im Konkurrenzkampf gegen die Fondsgesellschaften nicht an Boden zu verlieren. Die dynamisch steigende Beliebtheit von Anlage-Zertifikaten macht nämlich den Fondsgesellschaften schon seit Längerem erheblich zu schaffen. Allein im vergangenen Jahr zogen Anleger netto knapp sechs Milliarden Euro aus Aktienfonds ab. Dieses Kapital wanderte in weniger schwankungsanfällige Investments wie Anleihen und Rentenfonds und zu einem ansehnlichen Teil in Anlage-Zertifikate.

„In den nächsten Wochen werden wir vermehrt kapitalgarantierte Produkte und Bonus-Zertifikate auf den Markt bringen“, sagte etwa Funda Tarhan von ABN Amro. Auch bei anderen Zertifikate-Emittenten wie Goldman Sachs, Merrill Lynch oder der Deutschen Bank wird fieberhaft an solchen Zertifikate-Typen gearbeitet. Im nächsten Schritt stehen sogenannte Hebel-Produkte auf der Agenda. Diese zielen auf eher kurzfristig und sehr risikobereite Privatanleger und funktionieren in die eine wie in die andere Richtung – nämlich bei steigenden und auch bei fallenden Kursen. Wenn es so weit ist, haben sich die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit endgültig fest im Finanzmarkt etabliert. Die Börsenerfahrung lehrt aber, dass der Reiz des Neuen und der Charme des moralisch Wertvollen dann schnell verpufft sein werden. Megatrend hin oder her.

Heinz-Josef Simons

cornelia.hefer@handwerk-magazin.de

Unterbeiträge zu diesem Artikel
© handwerk-magazin.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen