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Temperatur am Arbeitsplatz Minusgrade: Was beim Arbeiten bei Kälte zu beachten ist

Niemand friert gern bei der Arbeit, weder auf dem Bau noch am Schreibtisch. Im Büro und mit Zentralheizung ist es kein Problem, die Vorgaben an die Raumtemperatur von Arbeitsplätzen einzuhalten, doch was gilt für Baustellen, Werkstätten, Lager? Ein Überblick für die Praxis im handwerklichen Alltag.

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Ältere Kollegen aus baunahen Gewerken erinnern sich noch daran. Früher gab es im Winter bei Schnee und Eis sogenanntes „Schlechtwetter“, weil Bauarbeiten tage- oder wochenlang unterbrochen wurden. Heute sieht man Winterpausen auf dem Bau nur noch selten. Doch wer Mitarbeiter im Freien einsetzt, muss sie vor Kälte schützen. Und auch in Innenräumen dürfen Mitarbeiter nicht frieren.

Generell: Bei Arbeiten im Freien gibt es keine Temperaturuntergrenze

Einen Temperaturgrenzwert, bei dessen Unterschreiten man nicht mehr im Freien arbeiten dürfte, gibt es nicht. Jeder Betrieb muss dies über seine Gefährdungsbeurteilungen selbst beurteilen und entscheiden. Es ist empfehlenswert, vorab Kriterien festzulegen, ab wann Arbeiten im Freien eingestellt werden und Mitarbeiter in den „Innendienst“ wechseln. Dabei geht es nicht allein um den Celsius-Wert. Auch Regen, Wind, Schneefall, Frost, Eisglätte usw. sind Faktoren, die zu beachten sind. Spätestens, wenn die Witterung die Unfall- und Verletzungsrisiken deutlich erhöht oder Gesundheitsfolgen drohen, muss das Arbeiten bei Kälte bzw. im Freien einge stellt werden.

Für Kälte, Wind und Wetter geeignete Arbeitskleidung und Schutzausrüstung sollten selbstverständlich sein. Als wärmekritische Punkte gelten der Kopf und die Hände. Auch der Hautschutz darf beim Arbeiten in Kälte nicht vergessen werden. Jugendlich sowie werdende oder stillende Mütter sollten bei Kältearbeit i. d. R. nicht eingesetzt werden.

Bei Minusgraden Aufwärmzeiten verlängern

Ob Baustelle oder Kühlraum, es gibt neben Kälteschutz-PSA (Persönliche Schutzausrüstung) auch organisatorische Maßnahmen, durch die ein Betrieb die Kältebelastungen seiner Mitarbeiter abmildern kann:

  • Stets Möglichkeiten zum Aufwärmen bieten und dort heiße Getränke bereitstellen.
  • Bei starker Kälte oder zusätzlichen Belastungen durch Wind, Regen und ähnliches längere Pausenzeiten zum Erholen und Umziehen zulassen (siehe Tabelle unten).
  • Möglichkeiten zum Trocknen von nasser Arbeitskleidung schaffen.

Entscheidend ist: Der Arbeitgeber muss zuerst technische und organisatorische Schritte umsetzen. Er darf nicht auf einen Ofen oder eine Heizmatte verzichten mit der Begründung, dass er dem frierenden Mitarbeiter gefütterte Arbeitsstiefel zur Verfügung stellt. Personenbezogene Maßnahmen kommen gemäß der TOP-Rangfolge stets zuletzt.

Tipp: Wenn Wintereinsätze auf Bau- und Montagestelle absehbar sind, lassen Sie rechtzeitig die Heizung von Unterkünften, Sanitär- und Pausenräumen prüfen.

Die von Arbeitsmedizinern im Zusammenhang mit Kälte oft genannte DIN 33403 fordert, bei Arbeiten in besonders kalten Bereichen die Mindestzeiten zum Aufwärmen zu verlängern

Lufttemperatur Max. Auifenthalts-dauer ohne Unterbrechung(Min) Mindestdauer der Aufwärmzeit (Min)
I kühler Bereich unter +15° bis +10° 150 10
II leicht kalter Bereich +10° bis -5° 150 10
III kalter Bereich -5° bis -18° 90 15
IV sehr kalter Bereich -18° bis -30° 90 30
V tiefkalter Bereich unter -30° 60 60

Einteilung von Arbeitsplätzen in 5 Kältebereiche nach DIN 33 403-5 (Quelle: Suva)

So warm sollte es beim Arbeiten in Innenräumen sein

Unter Kältearbeitsplatz wird meist eine Tätigkeit im Kühlhaus verstanden. Doch Kältearbeit beginnt im Arbeitsschutzrecht bereits bei einer Lufttemperatur von 15 Grad. Das mag übertrieben scheinen. Doch Fakt ist, wer am Arbeitsplatz fröstelt, kann sich schnell unterkühlen. Es drohen nicht nur Erkältungen, sondern auch Gelenkerkrankungen. Dazu kommt: Wer friert, ist weniger aufmerksam und weniger reaktionsschnell. Am Steuer oder beim Bedienen einer Maschine steigt die Unfallgefahr.

Ab welche Temperatur wir uns unbehaglich fühlen und zu frieren beginnen, ist nicht nur individuell unterschiedlich, sondern hängt auch davon ab, wie intensiv wir uns bewegen. Dies berücksichtigt die Arbeitsstättenregel (ASR) A3.5 bei den vorgeschriebenen Mindesttemperaturen für Arbeitsräume wie folgt:

Überwiegende Körperhaltung Arbeitsschwere
leicht mittel schwer
sitzen + 20° + 19° C -
stehen, gehen + 19° C + 17° C + 12°C

Mindestwerte der Lufttemperatur in Arbeitsräumen (Quelle: ASR A3.5)

Somit sollte es bei einer sitzenden Tätigkeit (Büro, Feinmechanik, Lötarbeiten o. ä.) wärmer sein als dort, wo Mitarbeiter die meiste Zeit auf den Beinen sind (Lager, Transportvorgänge usw.). Wann eine Arbeit als leicht, mittel oder schwer einzuschätzen ist, lässt der Gesetzgeber offen, hier muss jeder Betrieb selbst entscheiden. Dies ist auch sinnvoll, denn hier spielen viele weitere Faktoren eine Rolle wie Luftfeuchte, Zugluft, Wärmestrahlung, fußkalte Böden und andere Einflussfaktoren.

Kuschelige 24 Grad für Waschräume und Duschen sind vorgeschrieben

Für Pausen-, Sanitär-, und Erste Hilfe-Räume gilt eine Mindesttemperatur von 21 °C. Waschräumen mit Duschen sollten mindestens 24 °C warm sein. Diese Angaben gelten für die aktive Nutzung dieser Räume und dürfen zu anderen Zeiten oder beim Lüften selbstverständlich unterschritten werden.

Auch noch zu beachten: Kälte wirkt sich nicht nur auf den Menschen aus, sondern auch auf Werkzeuge, Ausrüstung und verwendete Materialien. Einige Kunststoffe verspröden bei tiefen Temperaturen und brechen leicht, Chemikalien flocken aus, Schmiermittel verhärten. Sobald diese Kältefolgen sicherheitsrelevante Aspekte oder Ausrüstungsteile betreffen, müssen Sie dies in Ihren Gefährdungsbeurteilungen berücksichtigen und bei Bedarf nach kältefesten Alternativen suchen.

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