Trendporträts -

Frisörhandwerk Mein veganer Salon

Inga Niermeyer ist Hamburgs erste Friseurmeisterin, die ausschließlich mit tier- und tierversuchsfreien Produkten arbeitet.

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Nur ein kleines grünes „V“ mit einem stilisierten Blatt weist im Schaufenster auf die Gesinnung von Friseurin Inga Niermeyer hin. Für Veganer ein Erkennungszeichen, für andere höchstens von Dekorationswert. „Ich scheue mich noch, das Wort vegan mit meinem Salonnamen ‚haircraft‘ zu verbinden. Viele Menschen haben Berührungsängste und könnten befürchten, missioniert zu werden.“

Nur tierversuchsfreie Produkte

Die 33-Jährige lebt im Beruf weiter, was sie vor vier Jahren privat für sich entdeckte. 2010 stellte sie ihre Ernährung und ihre Kleidung komplett auf tierfrei um. 2013 folgte die Umsetzung im Geschäft: keine Seidenproteine mehr im Shampoo, kein Bienenwachs in der Stylingcreme, nur noch tierversuchsfreie Produkte. Jeden Kunden vom veganen Lebensstil überzeugen möchte sie trotzdem nicht – inspirieren schon.

„Wenn wir auf Veganismus zu sprechen kommen, unterhalte ich mich gern darüber.“ So kommt es, dass sich schon einige Hanseaten auf ihrem Friseurstuhl nicht nur von ihren Haarspitzen trennten, sondern auch von ihrer Lust auf Fleisch und Milch. Wer Tierschutzthemen dagegen unspannend findet, der weiß bis heute nicht, dass Niermeyer Veganerin ist. Darauf weist sie höchstens hin, wenn eine Kundin im Pelzmantel erscheint. Unter Veganern weiß man ihren Service sehr zu schätzen.

Immer mehr vegane Kunden

Selbst aus Bremen oder Lübeck reisen Gleichgesinnte an. Etwa 800.000 Menschen leben derzeit in Deutschland vegan, schätzt der Vegetarierbund Deutschland. Jeden Tag kommen ungefähr 200 neue Veganer dazu. Ein wachsender Markt. Auch für Inga Niermeyer, die mit ihrem Angebot deutschlandweit kaum Konkurrenz hat.

Aktuell setzt sich ihre Kundschaft je zur Hälfte aus Veganern und Nicht-Veganern zusammen. Doch das wandelt sich. „Ich spüre deutlich, dass immer mehr vegane Kunden kommen. Fast wöchentlich.“ Sie macht keine Werbung. „Ich lasse meine Kunden werben“, grinst sie. „Die Szene ist gut vernetzt, Empfehlungen sprechen sich schnell herum.“

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