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Technologietransfer-Preis Innovationsschutz im Handwerk

Der Seifriz-Preis von handwerk magazin zeichnet die Zusammenarbeit zwischen Handwerk und Wissenschaft aus. Am Anfang vieler Innovationen stehen oft die Ideen der Mitarbeiter.

Eduard Brammertz hat seine Erfindung inzwischen erfolgreich zum Patent angemeldet. Das beschusssichere Holzfenster „Secure V-Tec“, für das er 2012 von handwerk magazin mit dem „Transferpreis Handwerk-Wissenschaft“ (siehe Technologietransfer-Preis Seite 25) ausgezeichnet wurde, ist jetzt deutschlandweit geschützt. Den Aufwand dafür nennt der Schreinermeister aus Aachen „eine Herausforderung für jeden Handwerker“. Neben viel Bürokratie hat ihn das Patent rund 20000 Euro gekostet.

Besonders wichtig war Handwerksunternehmer Brammertz, dass auch sein Mitarbeiter Patrick Förster in der Patentschrift als Miterfinder steht, denn ohne die kreativen Leistungen seines Teams sei eine solche Entwicklung gar nicht möglich, weiß der Firmenchef. Da sei es nur fair, das auch entsprechend zu würdigen.

Im Handwerk entstehen viele Erfindungen in den Köpfen der Mitarbeiter. Deshalb müssen innerhalb eines Betriebes Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine Ideenentwicklung und -umsetzung fördern.

Erfolgreiches Ideenmanagement

Alexander Schröder hat für das Beratungs- und Informationssystem für Technologietransfer im Handwerk (Bistech) zusammengefasst, wie Firmenchefs im Handwerk Mitarbeiter unterstützen können, mit neuen Ideen Innovationen zu entwickeln. Er rät zum Beispiel Handwerksunternehmern, bei bestimmten Mitarbeitern einen Teil der Arbeitszeit für die Umsetzung erfolgversprechender Ideen zur Verfügung zu stellen. Neben der Zeit ist es auch wichtig, Platz für ein erfolgreiches Brainstorming zu schaffen, wie Pausenräume, Plauderecken oder sonstige Freiräume zur informellen Kommunikation. Förderlich seien auch „Kreativ-Teams“, die aus unterschiedlichen Betriebsabteilungen zusammenkommen und gemeinsam Ideen entwickeln.

Voraussetzung für Ideenmanagement ist die Einbeziehung der Mitarbeiter in den Innovationsprozess von Anfang an, am besten durch hierarchieübergreifende Projektteams. Natürlich muss auch ein Innovationsbudget bereitgestellt werden, beispielsweise über ein Förderprogramm.

Fördermittel nutzen

Das sieht auch Schreiner Brammertz so. Er hat für sein Fensterprojekt sogar eigens einen Innovationsassistenten eingestellt, der die Entwicklung im Betrieb koordiniert hat, finanziert über eine Förderung. In der Schreinerei Brammertz in Aachen werden Mitarbeiter von Anfang an in neue Entwicklungen eingebunden, das ist Teil der Firmenphilosophie. „Ohne Vertrauen, Respekt und Achtung der Leistung meiner Leute ist kein Fortschritt möglich“, weiß der Unternehmer.

Wer sein Team von Anfang an bei Neuentwicklungen mit einbezieht, braucht neben Vertrauen natürlich auch Schutz vor Ideenklau. Deshalb schließt Brammertz mit seinen Mitarbeitern Geheimhaltungsverträge ab.

Wissenschaft hilft weiter

Stoßen Chef und Mitarbeiter aber bei der Entwicklung eines neuen Produktes oder Verfahrens an Grenzen, hilft der Technologietransfer mit einer Forschungseinrichtung. Bei Eduard Brammertz war das Professor Johannes Gartzen von der FH Aachen, der zum Beispiel die Beschusstests der Fenster-Prototypen auswertete.

Für Schreiner Brammertz ist der Gewinn des Technologietransfer-Preises von handwerk magazin ein „Türöffner für Geschäfte“. Die Anfragen aus dem In- und Ausland häufen sich.

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