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Steuerfreie Extras Mehr als Bonbons für das Team

Vom Brutto bleibt bei den meisten Mitarbeitern nur wenig mehr als die Hälfte übrig. Das frustriert. Steuer- und sozialversicherungsfreie Extras sind deshalb eine Alternative zur nächsten Gehaltserhöhung.

Themenseiten: TS Mitarbeitermotivation und TS Fachkräftemangel

Oliver Knedlich will, dass seine Fachkräfte sich bei ihrer Arbeit wohlfühlen. „Sie sind unser höchstes Gut. Deshalb unterstützen wir sie mit Maßnahmen zur Gesundheitsförderung“, so der Geschäftsführer des Gebäudereinigungsunternehmens Schulten GmbH mit 2.700 Mitarbeitern. In der Zentrale in Remscheid bei Köln können sich die Bürokräfte beispielsweise von einer Physiotherapeutin massieren lassen. „Das Angebot kommt gut an. Die Nachfrage ist groß“, so Knedlich. Außerdem gibt er einen Zuschuss, wenn die Reinigungskräfte oder Mitarbeiter im Büro ins Fitness-Studio gehen wollen.

Gut angelegtes Geld

Knedlich hat überdies sogar in Vollzeit einen Schulungsleiter angestellt, der den Mitarbeitern zeigt, wie man beispielsweise ergonomisch am besten mit einem Wischmopp umgeht oder wie bei der Arbeit mit schweren Wassereimern der Rücken geschont wird. „Unser Ziel ist es, den Krankenstand möglichst niedrig zu halten und gleichzeitig auch qualifizierte Mitarbeiter an die Firma zu binden“, so der Handwerkschef. Das Engagement kostet ihn mehrere zehntausend Euro im Jahr. „Das Geld sehe ich allerdings als gut angelegt“, meint Knedlich.

So sieht das auch der Fiskus. Deshalb unterstützt das Finanzamt Firmenchefs, wenn sie Maßnahmen zur Gesundheitsförderung bezahlen. Beispielsweise gibt es pro Arbeitnehmer dafür einen Freibetrag von 500 Euro im Jahr. Ebenso können Firmenchefs steuer- und sozialversicherungsfrei einen Zuschuss zu bestimmten Sportkursen geben. Unterm Strich summieren sich die Vorteile aus den steuerfreien Extras schnell von mehreren Hundert bis Zigtausenden Euro im Jahr – je nach Anzahl der Mitarbeiter.

Welche Leistungen bieten sich an?

Der Chef zahlt weniger als bei einer Gehaltserhöhung, der Mitarbeiter profitiert in gleichem Maße. Kein Wunder, dass jedes zweite Unternehmen deshalb neben dem Lohn noch andere Leistungen anbietet, wie eine Studie der Unternehmensberatung Towers Watson ergeben hat. Damit das Finanzamt die Extraleistungen von der Steuer verschont, kommt es vor allem darauf an, dass diese zusätzlich zum Arbeitslohn on top kommen. So hat es der Bundesfinanzhof (AZ: VI R 53/11, VI R 55/11) bestimmt. Der Unternehmer darf danach nicht einfach in einem neuen Arbeitsvertrag das Gehalt heruntersetzen, um den Verlust dann mit steuerfreien Extras zu kompensieren.

Handy & Co

Besonders beliebt sind zum Beispiel Diensthandys, die privat genutzt werden dürfen. 75 Prozent der befragten Firmen gaben an, ihre Mitarbeiter damit zu versorgen. „Arbeitnehmer können das betriebliche Telefon, Handy, Fax oder Internet grundsätzlich lohnsteuerfrei einsetzen“, erklärt Ines Wollweber, Steuerberaterin der Kanzlei Ecovis in Niesky. Es ist sogar erlaubt, dass Mitarbeiter auf einen Teil ihres Arbeitslohns verzichten, um von einem Diensthandy zu profitieren – die so genannte Barlohnumwandlung. Auf die Leistung fallen keine Steuern und Sozialabgaben an.

Sachbezüge

Für Benzingutscheine, Belohnungsessen oder zweckgebundene Gutscheine können Chefs jeden Monat pro Mitarbeiter bis zu 44 Euro ausgeben. Dann bleibt die Leistung steuer- und sozialversicherungsfrei. Wer in der Summe der Bezüge allerdings nur einen Cent über den 44 Euro pro Monat liegt, muss den gesamten Betrag nachversteuern, deshalb müssen Betriebe bei der Vergabe der Sachwerte ex­trem aufpassen. „Unternehmer können natürlich mehrere steuerfreie Extras nebeneinander anbieten. Es sind dann aber die einzelnen Bestandteile jeweils zu überprüfen, inwieweit sie steuerpflichtig sind“, erklärt Sabine Unkelbach-Tom­czak, Rechtsanwältin und Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Steuerrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Geschenke

Kleine Aufmerksamkeiten wie etwa ein Blumenstrauß oder eine Flasche Sekt aus einem persönlichen Anlass des jeweiligen Mitarbeiters dürfen bis zu 60 Euro im Jahr einschließlich Umsatzsteuer kosten.

Kindergartenzuschuss

Auch die Beiträge für die Kita oder eine Tagesmutter kann der Handwerkschef bezuschussen. Nach der Studie von Towers Watson profitieren davon bereits die Mitarbeiter in jedem fünften Unternehmen. „Wenn nicht schulpflichtige Kinder tagsüber betreut werden, kann der Chef die Beiträge steuer- und sozialabgabenfrei übernehmen“, weiß Wollweber.

Krankheit

Wird der Mitarbeiter krank oder will er kuren, darf er bis zu 600 Euro im Jahr vom Arbeitgeber dafür steuer- und sozialversicherungsfrei kassieren. Es handelt sich um eine Beihilfe für Notfälle.

Bildschirmbrille

Gerade ältere Mitarbeiter brauchen für die Arbeit am Computer oft eine spezielle Brille. Soweit ein Augenarzt bescheinigt, dass diese notwendig ist, kann der Chef die Kosten abgabenfrei übernehmen.

Massagen

Werden diese im Betrieb angeboten und dienen der Vorbeugung berufsbedingter Probleme, sind sie steuer- und sozialabgabenfrei. „Der Chef muss nur nachweisen, dass die Maßnahme betriebsfunktionalen Zielen wie der Senkung des Krankenstands dient“, erklärt Wollweber.

Gesundheitsförderung

Bis zu 500 Euro im Jahr darf der Unternehmer für Stressbewältigung und Entspannung der Mitarbeiter, Nichtraucher- oder Ernährungskurse sowie für Bewegungsprogramme dazugeben. Wichtig ist, dass die jeweiligen Kurse den Anforderungen der Krankenkassen-Prävention entsprechen. Die Mitgliedsbeiträge für Sportvereine oder das Fitness-Center fallen jedoch nicht darunter. „Hier gilt wieder die Freigrenze von 44 Euro im Monat“, so Wollweber.

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