Factoring -

Lukrative Dreiecksbeziehung

Factoring - In der Krise ist der Forderungsverkauf eine beliebte Strategie, um liquide zu bleiben. Weil die Umsätze sinken, buhlen die Anbieter nun auch um kleinere Kunden aus dem Mittelstand.

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Warten kostet nicht nur Nerven, sondern im betrieblichen Alltag auch viel Geld. Gerade in der Wirtschaftskrise, wenn Aufträge zurückgehen, die Kunden nur schleppend oder gar nicht zahlen, wird das für kleinere und mittlere Betriebe schnell zur finanziellen Bedrohung.

Gerät durch die Flaute die Liquidität des Betriebs in Gefahr, stellt der Verkauf der eigenen Forderungen eine gute Alternative zum klassischen Bankkredit dar. Anstelle der Kreditinstitute zahlt die Factoring-Gesellschaft in der Regel innerhalb von 48 Stunden bis zu 80 Prozent des ausstehenden Rechnungsbetrags an seinen Kunden aus. Offene Forderungen werden so sofort beglichen.

„Alternative Finanzierungsinstrumente wie Factoring verbessern die Eigenkapitalquote und sorgen für eine höhere Bonität der Firma. Das hat direkt positive Konsequenzen für das Rating“, sagt Mittelstandsberater Jürgen Herzig, Geschäftsführer von Finance Relations Management. Als weiterer Pluspunkt beim Rating gilt, dass die Kunden das Ausfallrisiko, wenn Kunden Rechnungen nicht zahlen, an die Factoringgesellschaft abtreten können (siehe Kasten).

Factoren deutlich flexibler

Im Krisenjahr 2009 hat die Factoring-Branche nach Angaben des Deutschen Factoring-Verbands ihre Kundenzahl fast um ein Drittel erhöht. Trotz des boomenden Neugeschäfts kämpfen die Gesellschaften aber mit Umsatzeinbrüchen. Das Forderungsvolumen sank von 104 Milliarden Euro auf 85 Milliarden im 1. Halbjahr 2009.

Für interessierte Unternehmen bringt das Vorteile: Die Gesellschaften müssen ihre Umsatzrückgänge in angestammten Branchen wie Automotive oder Maschinenbau kompensieren und werden beweglicher. Sie gehen verstärkt auf Kunden aus dem Mittelstand zu. „Das Factoring-Geschäft ist in der Rezession deutlich kleinteiliger geworden. Die Anbieter haben die Umsatzgrenzen für Kunden aus dem Mittelstand gesenkt. Factoring ist heute bereits ab 100000 Euro Jahresumsatz möglich“, sagt Alexander Moseschus vom Deutschen Factoring-Verband. „Die Anbieter stellen sich breiter auf. Heute liegt das Mindestforderungsvolumen zwischen 25000 und 30000 Euro“, bestätigt auch Manfred Gerold, Geschäftsführer von Gerold Management Consulting in Zangberg.

Gerold und seine Partner suchen als „Factoringbroker“ für Interessenten über Ausschreibungen den Anbieter mit dem passenden Leistungsangebot (siehe Leseraktion) für interessierte Firmen. Gerade mittelständische Kunden tun sich schwer, den richtigen Factor zu finden, „weil der Markt undurchsichtig ist und große Gesellschaften für kleinere Unternehmen oft nicht das geeignete Konzept anbieten“, so Gerold.

Die Preisgestaltung der Anbieter sieht so aus: „Die Kosten für Factoring setzen sich aus der Gebühr und dem Factoring-Zins zusammen. Der Zins orientiert sich am Kapitalmarkt und ist auf einem historischen Tief zwischen 3,5 und 6 Prozent“, erklärt der Berater. Die Factoring-Gebühren werden dagegen steigen: Denn sie sichern für den Factor das Ausfallrisiko ab, und er berechnet hier seine Serviceleistungen wie Debitorenbuchhaltung oder Inkasso. Das Problem: Die Kosten für das Ausfallrisiko bei den Kreditversicherern steigen. „Wir erwarten dieses Jahr eine Erhöhung bis zu 15 Prozent. Angesichts der Marktlage ist das nicht viel“, betont aber Gerold.

cornelia.hefer@handwerk-magazin.de

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