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Leasing-Bürgschaft Zugang auch für Existenzgründer

Damit auch Existenzgründer Zugang zu Leasing-Finanzierungen bekommen, gibt es seit 2014 die Leasing-Bürgschaft. Ein Programm, das jetzt Fahrt aufnimmt.

Die Idee, sich selbstständig zu machen, hatte Philipp Knothe schon lange. Doch sein seit 2007 betriebenes Nebengewerbe in Augsburg wollte nicht so recht in Gang kommen. Da kam ihm zweimal der Zufall zu Hilfe. Zuerst wurden die Räume seines damaligen Chefs frei. Die Idee entstand, Aufträge und Maschinen in eine eigene Dreherei auszugliedern. Dann legten die Bürgschaftsbanken 2014 ein Programm auf, das gerade Jungunternehmern wie ihm Finanzierungsmöglichkeiten eröffnete, die bislang für die junge Zielgruppe verschlossen waren: die Leasing-Bürgschaft.

So können Sie Ihre Liquidität schonen

Mithilfe der 60-prozentigen Bürgschaft der Bürgschaftsbank konnte der Jungunternehmer eine zyklengesteuerte Drehmaschine finanzieren, die gebraucht noch einen Wert von 220.000 Euro hat. 160.000 Euro davon musste er finanzieren. Jetzt zahlt er rund 2.000 Euro Leasing- Gebühren im Monat. Knothe ist es jetzt möglich, Metallteile mit bis zu 1.800 Millimeter Durchmesser zu bearbeiten – und damit sein Angebot zu erweitern. Die Bürgschaftsbanken in Deutschland übernehmen mit der Leasing-Bürgschaft 30- oder 60-prozentige Bürgschaften für Leasing-Finanzierungen bis zu 250.000 Euro pro Leasinggut.

Leasing-Gesellschaften geben die Bürgschaften neue Spielräume, damit sie Investitionen begleiten können. Das eröffnet mehr kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Gründern den Zugang zu Leasing-Investitionen. Denn Leasing ist ein wichtiger Baustein im Finanzierungsmix von Unternehmen, nicht nur weil es die Liquidität schont. Sondern auch, weil geleaste Maschinen oder Fahrzeuge nicht in der Bilanz des Leasingnehmers auftauchen. Dadurch verbessert sich zusätzlich die Eigenkapitalquote, was oft weitere Kredite mit besseren Konditionen möglich macht. Bislang aber, berichtet Wolfgang Grenke, Vorstandsvorsitzender der Grenke- Leasing AG, führender Anbieter im Bereich IT-Leasing, hatten es gerade junge Unternehmen aufgrund der oft schwachen Bonität mit Leasing-Finanzierungen schwer. Ging es dann noch um schlecht verwertbare Objekte oder hohe Anschaffungskosten, tendierten die Chancen bislang gegen null.

Wie kleine Betriebe von Leasing-Bürgschaften profitieren

Grenke-Leasing gehörte zu den Vorreitern, die schon mit dem Start der Leasing- Bürgschaften dabei waren. Das Ziel: „Mehr Unternehmen den Zugang zu Leasing- Bürgschaften zu ermöglichen.“ Horst Fittler, Hautgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL), ergänzt: „Die Leasing- Bürgschaft ist gerade für kleine Firmen mit niedrigen Bonitäten ein gutes Instrument.“ Inzwischen beteiligen sich 55 Leasing-Gesellschaften an dem Programm und bieten die Leasing-Bürgschaft für kleinere und mittlere Unternehmen an. Von bisher bundesweit 160 eingegangenen Anträgen konnten über 100 Leasing- Bürgschaften umgesetzt werden, so der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken. Die aktivsten Bundesländer sind NRW, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und Baden-Württemberg.

Dennoch war das Interesse noch nicht so groß, wie sich die Bürgschaftsbanken das vorgestellt hatten. Auch BDLGeschäftsführer Fittler bedauert, dass die Leasing-Gesellschaften das Programm unterschiedlich stark nutzten. „Hier gibt es Luft nach oben“, stellt Fittler klar. Durch den Einstieg der Deutschen Leasing, eine der größten deutschen Leasing- Gesellschaften, die zur Finanzgruppe der Sparkassen gehört, verspricht sich Guy Selbherr, Vorstand der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg, einen Anstieg der Nachfrage. Denn jetzt kann jede einzelne Sparkasse die Leasing-Bürgschaften in ihre Leasing-Finanzierungen einbinden. Die Sparkassen-Filialen agieren dann praktisch als Mittler zwischen Kunde, Bürgschaftsbank und Deutscher Leasing.

Bis Februar 2016, erläutert Selbherr, konnten die beteiligten Leasing-Gesellschaften mit dem Bürgschafts-Programm knapp zehn Millionen Leasing-Investitionen umsetzen. Bis zum Jahresende erwartet die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg, federführend für das bundesweite Leasing-Bürgschafts-Programm, noch einmal „eine deutliche Belebung des Geschäfts“. Zudem gehen alle Beteiligten davon aus, dass das zunächst bis Ende des Jahres 2016 aufgelegte Programm danach noch weiterlaufen wird.

Positive Nachfrage nach Leasing-Bürgschaften

Dafür sprechen auch die über die Leasing- Bürgschaft finanzierten Wirtschaftsgüter: Denn während beim klassischen Leasing Straßenfahrzeuge dominieren, verteilen sich die über die Leasing-Bürgschaft realisierten Investitionen auf vier Objektgruppen (siehe Grafik). Philipp Knothe ermöglichte die Leasing-Bürgschaft den reibungslosen Start in die Selbständigkeit. Denn ohne die Bürgschaft hätte der junge Unternehmer die für sein Geschäftsmodell notwendige Drehmaschine nicht kaufen können.

Wie Leasing-Bürgschaften vergeben werden

Leasing-Bürgschaften sind vor allem für kleinere Unternehmen attraktiv. Wie die Antragstellung funktioniert und welche Vorgaben Handwerksbetriebe kennen sollten.

Zielgruppe:

Kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von unter 50 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme von unter 43 Millionen Euro, Existenzgründer und Nachfolger.

Antrag:

Unternehmer können nicht selbst tätig werden, sondern müssen sich an eine Sparkasse oder eine angeschlossene Leasing-Gesellschaft wenden, die den Antrag an die regionale Bürgschaftsbank weiterreicht. Welche Leasing-Gesellschaften das sind, ist direkt auf dem Portal www.leasing-buergschaft.de einsehbar. Der Antrag wird dann an die zuständige Bürgschaftsbank weitergeleitet und dort wird über den Antrag entschieden. Die Bearbeitungszeit beträgt zwei bis fünf Tage.

Entscheidungsgrundlage für die Bürgschaftsbank ist im Programmteil A (bestehende Unternehmen) die Bonitätsauskunft von Creditreform.

Im Programmteil B (Existenzgründer, junge Unternehmen und Unternehmen mit schlechterem Bonitätsindex) sollten zusätzlich Jahresabschluss, betriebswirtschaftliche Auswertung, Rentabilitätsvorschau und Kapitaldienstaufstellung vorgelegt werden. Bei Existenzgründern wird außerdem eine Schufa-Auskunft angefordert.

Konditionen:

Für das standardisierte Verfahren gilt bundesweit einheitlich: Die Bürgschaftshöhe beträgt maximal 300.000 Euro pro KMU mit 30 oder 60 Prozent Bürgschaft. Die einzelne Leasing-Finanzierung darf 250.000 Euro nicht überschreiten. Insgesamt lassen sich Leasing- Finanzierungen bis zu einer Million begleiten. Die Laufzeit ist variabel.

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