Fahrzeug -

Kaufkriterien und Fördermittel Lastenfahrrad: So kommen Sie günstig an Lastenräder und E-Lastenräder

Ein Lastenfahrrad hilft Handwerkern, Staus und Dieselverbote in der Innenstadt zu umfahren. Doch die Räder sind teuer. In welchen Bundesländern und Städten bekommen Handwerker Fördermittel für den Lastenrad-Kauf? Und was sind die entscheidenden Kaufkriterien? Wir verraten es Ihnen!

Themenseiten: TS Energieeffizienz, TS Elektromobilität, TS Energiesparen, TS Entscheidungsfindung, TS Fuhrpark, TS Kurierdienste und TS Fördermittel

Olaf Zimmermann hat Streit mit seinen Nachbarn. Vor zwei Jahren zog ein Zahnarzt in das oberste Stockwerk über seinen SHK-Handwerksbetrieb Heizung Obermeier GmbH in der Münchener Innenstadt. Seitdem hagelt es Beschwerden aus dem Obergeschoss in der Thierschstraße: Zu dreckig, zu laut, zu viele Lieferfahrzeuge – die Liste der Beschwerden liegt inzwischen beim Landgericht München. Als Handwerker in der Stadt hat man es nicht immer leicht – steigende Mieten, genervte Nachbarn, Diesel-Verbote und verstopfte Innenstädte machen Handwerkern das Leben schwer.

Um auch in Zukunft sein Handwerksunternehmen in der Münchener Innenstadt betreiben zu können, will sich der 58-Jährige Zimmermann nun ein Lastenfahrrad mit E-Motor zulegen. Mit dem elektronisch angetriebenen Fahrrad kann er Staus umfahren, muss nicht lange nach Parkplätzen suchen und ist schneller beim Kunden. „Mit einem Lastenrad produziere ich auch deutlich weniger Lärm und Abgase beim Be- und Endladen im Hof“, sagt Zimmermann.

Lastenräder können durchschnittlich 200 Kilogramm transportieren

Mit seiner Idee ist Zimmermann nicht alleine. „Immer mehr Handwerker überlegen sich, jetzt ein Lastenrad anzuschaffen“, sagt Peter Scharfenberg, Fachreferent für Klimaschutz und Energiemanagement bei der Handwerkskammer Düsseldorf. Bei dem Lastenrad ist meist vor dem Lenker eine Kiste angebaut, in der etwa Werkzeug oder Baumaterial transportiert werden kann. Bei elektronischen Lastenrädern unterstützt ein Elektromotor die Muskelkraft des Fahrers.

Durchschnittlich 200 Kilogramm kann ein Lastenrad transportieren. So kommt der Fahrer ohne Anstrengung jeden Berg hoch und mit einer Reichweite von 180 Kilometern braucht er unterwegs keine Ladestation anzusteuern, sondern kann den Akku in der Regel bequem in einer herkömmlichen Steckdose zuhause oder im Betrieb laden.

Lastenfahrräder sind praktisch – aber teuer

Die Vorteile liegen auf der Hand. Doch die nützlichen Räder sind nicht ganz billig. Bis zu 8.000 Euro zahlen Handwerker für ein elektronisch angetriebenes Fahrrad mit einem festen Lastenkorb vor dem Fahrradlenker. Besonders kleinere Handwerksbetriebe können sich solche Investitionen zusätzlich zum „normalen“ Fuhrpark oft gar nicht leisten.

Fördermittel: Bund, Länder und Kommunen schießen bis zu 50 Prozent zu

Doch keine Panik: Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Fördermitteln, die Handwerker bei der Anschaffung eines Lastenrades unterstützen:

  • Bund: Der Bund übernimmt 30 Prozent des Kaufpreises für ein elektronisches Lastenrad oder einen Fahrradanhänger, der gewerblich genutzt wird.
  • Länder und Kommunen: Auch Länder und Kommunen haben eigene Förderprogramme für gewerblich genutzte Lastenräder. Die Stadt München etwa übernimmt ein Viertel des Kaufpreises eines neuen Lastenrades. Außerdem bekommt ein Handwerker einen Abwrackbonus von bis zu 1.000 Euro, wenn er seinen alten Transporter verschrotten lässt. Die Stadt Wolfratshausen erstattet sogar die Hälfte des Kaufpreises für ein Lastenrad.

Bund fördert nur elektronische Lastenfahrräder

Handwerker müssen ein paar Besonderheiten beachten, um einen Zuschuss von Bund, Ländern oder Kommunen zu bekommen: Zunächst fördert der Staat oft nur elektronisch angetriebene Lastenräder, also keine Räder, die nur mit Muskelkraft betrieben werden. Hier gibt es dann einige Unterschiede: Der Bund fördert nur elektronische Schwerlastenräder. Das sind Lastenräder mit E-Motor, deren Transportboxen mindestens 150 Kilogramm transportieren können und ein Transportvolumen von 1.000 Litern haben. Die Box muss außerdem unlösbar mit dem Fahrrad verbunden sein und der Elektromotor darf eine Leistung von 250 Watt nicht überschreiten. Bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h muss der Motor automatisch stoppen.

Das Land Nordrhein-Westfalen hingegen fördert schon Lastenräder mit einer Nutzlast von 70 Kilogramm. Handwerker sollten also vor der Anschaffung eines Lastenrades genau nachlesen, an welche Bedingungen die Fördermittel geknüpft sind. Die meisten Förderanträge sind jedoch relativ übersichtlich. „In Nordrhein-Westfalen können Handwerker den Förderantrag des Landes innerhalb weniger Minuten ausfüllen“, sagt Scharfenberg.

Die Nachfrage nach Fördermitteln für Lastenräder steigt

Bundesweit steigt die Nachfrage nach Fördermitteln für Lastenräder: „Die öffentliche Wahrnehmung und die Nachfrage nach solchen Fördermitteln ist insbesondere in diesem Jahr gewachsen“, sagt Martin Steidele, Experte für Fördermittel und Subventionen bei der Deutschen Fördermittelberatung Steidele GmbH. Dies liege zum einen daran, dass das Thema wegen der Verkehrswende an Dynamik gewonnen habe: In vielen Städten stehen Diesel-Verbote mindestens zur Debatte, der Autoverkehr soll aus den Innenstädten Stück für Stück verdrängt werden.

Viele Fördermittel-Programme sind bereits ausgeschöpft

Deutsche Städte sind über die Ländergrenzen hinweg bekannt für ihre schlechte Luft. 57 Städte überschritten vergangenes Jahr den Luftqualitätsgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2). Mit Subventionen für saubere Mobilität wollen die Kommunen nun ihre Klimabilanz aufpolieren und überfüllte Innenstädte von Abgas und Lärm befreien. Das Lastenrad ist ein Lösungsansatz. Im Jahr 2019 wurden daher zahlreiche Förderprogramme ins Leben gerufen, so Steidele. Doch wegen der hohen Nachfrage sind in vielen Städten die Förder-Programme bereits ausgeschöpft:

  • Münster: Die Verwaltung der Fahrradstadt Münster etwa vergab innerhalb eines Monats das gesamte Fördergeld an Käufer von Lastenräder.
  • Hannover und Nürnberg: Auch die Städte Hannover und Nürnberg mussten die Förderprogramme bereits beenden, weil die Mittel erschöpft sind.
Im ländlich geprägten Raum sei die Nachfrage hingegen nicht so stark, sagt Steidele. Hier haben Handwerker also gute Chancen, Fördermittel zu bekommen. Allerdings sind Lastenräder dort oft nicht besonders gut geeignet fürs Tagesgeschäft: Die Strecken sind zu weit für das Fahrrad. In der Stadt hingegen spart das Lastenrad oft wertvolle Zeit. Gerade in der Rushhour ist auf den Straßen kein Durchkommen für große Transporter und Parklücken sind hart umkämpft. Das Lastenrad rollt entspannt an langen Staus vorbei und kann einfach auf dem Gehweg abgestellt werden.

Lastenräder sind ideal, um kleine Geräte oder Bauteile zu transportieren

Das hat Vorteile fürs Geschäft: „Mit dem Lastenrad lohnt es sich für Handwerker, auch mal kleinere Reparaturaufträge anzunehmen“, sagt Scharfenberg von der Handwerkskammer Düsseldorf. Wenn der große, sperrige Transporter im Stau steht, dauert die Anfahrt auch bei kurzen Wegen nicht selten über eine Stunde. „Da muss der Handwerker schon länger beim Kunden bleiben, damit sich der Auftrag am Ende auch rentiert“, so Scharfenberg. Das Lastenrad hingegen ist fix beim Kunden, der Auftrag lässt sich insgesamt in kurzer Zeit erledigen.

Auch die Betriebskosten sind beim Lastenrad deutlich günstiger als beim klassischen Transporter. Denn nicht nur das Benzin, auch die Reparaturen eines Autos sind meist teurer als beim Fahrrad. Trotzdem kann das Lastenrad den Transporter nicht vollständig ersetzen. „Ein Tischler, der große Schränke transportieren will, braucht natürlich ein Auto mit genügend Ladefläche“, sagt Scharfenberg. Das Lastenrad sei eher eine Ergänzung zum Auto, so Scharfenberg. Ein Team fährt dann etwa mit dem Transporter und großen Teilen zum Großprojekt auf die Baustelle – der Rest des Teams fährt mit Lastenrädern und kleinteiligerem Werkzeug vorweg oder erledigt derweil flexibel kleinere Aufträge.

Kaufkriterium 1: Lastenfahrrad mit zwei Rädern oder mit drei Rädern?

Doch welches Fahrrad ist das richtige für Handwerker? Das Angebot an Lastenrädern ist riesig und wächst schnell. Hier die Übersicht zu behalten ist schwierig. Der ADAC empfiehlt daher, zunächst eine grundsätzliche Entscheidung zu treffen – zwischen Lastenrädern mit zwei Rädern und dreirädrigen Modellen. Welches davon am besten geeignet ist, entscheidet vor allem das Fahrgefühl und die Lenkung:

  • Zweirädrige Lastenräder: Zweirädrige Lastenräder sind leicht, schnell und optimal geeignet, um auf engen Fahrradwegen zu fahren. Der Nachteil laut ADAC-Bericht: Bei schwerer Ladung ist es nicht ganz einfach, das Gleichgewicht zu halten. Die Lenkung wird durch das Gewicht erschwert.
  • Dreirädrige Lastenräder: Dreirädrige Lastenräder hingegen sind zwar stabiler und einfacher zu fahren. Doch dafür müssen sie oft passen, wenn es in der Stadt auf schmalen Radwegen und im Gemenge der überfüllten Innenstädte einmal eng wird. 

Kaufkriterium 2: Lastenfahrrad mit oder ohne Elektroantrieb?

Auch die Frage, ob das Lastenrad einen E-Antrieb haben soll oder nicht, ist entscheidend, um das passende Rad zu finden. Die Tretunterstützung ist besonders dann sinnvoll, wenn Handwerker lange und hügelige Strecken fahren oder schweres Gerät transportieren müssen.

Mittlerweile verfügen, laut ADAC, rund 70 Prozent der verkauften Lastenräder über eine zusätzlichen E-Antrieb. „Das A und O bei jeder Kaufentscheidung ist die gute Beratung in einem Fachgeschäft. Auch sollte man ausgiebige Probefahrten unternehmen. Nur so kann man herausfinden, welches Modell wirklich zu einem passt“, rät der ADAC.

Weitere Downloads zu diesem Artikel
  • Förderung für Lastenräder (PDF, 94 kB)

    Deutsche Städte sind über die Ländergrenzen hinweg bekannt für ihre schlechte Luft. 57 Städte überschritten 2018 den Luftqualitätsgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2). Mit Subventionen mehr...

© handwerk-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen