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Zweitwohnung Kurze Fahrtzeit reicht nicht für doppelte Haushaltsführung

Ein zweiter Haushalt geht ins Geld. Da kommt es gut zupass, wenn der Fiskus sich an den Kosten beteiligt. Doch allzu großzügig zeigt sich das Finanzamt allerdings nicht, wie ein Urteil wieder einmal zeigt.

Die Aufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung können steuerlich als Werbungskosten geltend gemacht werden. Den Obulos allein für die Unterkunft akzeptiert der Fiskus in Höhe von bis zu 12.000 Euro im Jahr. Da kommt einiges zusammen – und entsprechend lukrativ ist der Steuervorteil.

Das Finanzamt hat aber strenge Regeln aufgestellt, wann sich der Fiskus an der doppelten Haushaltsführung beteiligt. Die Wohnung muss aus beruflichen Gründen angemietet oder gekauft worden sein. Sie sollte sich in der Nähe der so genannten ersten Tätigkeitsstätte befinden. In der Regel wird das der Betrieb sein. Der Steuerzahler muss aber noch eine andere Wohnung oder ein Haus an seinem Hauptwohnsitz halten, wo sich sein Lebensmittelpunkt befindet.

Fahrtzeit reduziert

Das scheint klar und eindeutig. Doch ein Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg zeigt wieder einmal, wie streitanfällig die Regel ist (AZ: 1 K 3229/14): Ein verheirateter Arbeitnehmer fuhr täglich länger als zwei Stunden zum Büro. Davon hatte er schnell genug und mietete sich am Beschäftigungsort eine zweite Bleibe. Fortan lag seine Fahrtzeit nur noch bei einer Stunde insgesamt. Den Hauptwohnsitz mit seiner Gattin behielt er bei.

Das Finanzamt lehnte die doppelte Haushaltsführung ab. Eine Stunde Fahrtzeit pro Strecke sahen die Richter als üblich und akzeptabel an. Deshalb sei der zweite Wohnsitz nicht notwendig. In dem Fall sparte der Arbeitnehmer nach Meinung der Richter tatsächlich nur rund 50 Minuten – zu wenig, um von der doppelten Haushaltsführung zu profitieren.

Hinweis: Vor dem Bundesfinanzhof ist ein Verfahren anhängig, von dem Betroffene profitieren können. Sie müssen dann Einspruch gegen ihren ablehnenden Steuerbescheid einlegen und auf den BFH verweisen. Es geht in dem Verfahren darum, ob es in derselben Gemeinde auch eine Erst- und eine Zweitwohnung geben kann (AZ: VI R 2/16).

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