Titelthema -

Interview „Kunde geschickt unter Druck setzen“

hm: Sollte als Erstes einmal die Meisterfrau beim Kunden anrufen, wenn er die Rechnung nicht bezahlt?

David: Ja, spätestens wenn er auf die Mahnung nicht reagiert. Einfach anrufen und fragen: „Sind Sie mit der Leistung nicht zufrieden gewesen?“ oder „Warum höre ich nichts von Ihnen, warum zahlen Sie nicht?“. Dann muss der Kunde konkret sagen, was los ist.

hm: Und jetzt kann der Betrieb versuchen, einen Kompromiss zu schließen ...

David: Richtig. Die Schwierigkeiten können offen besprochen werden, ein weiteres Zahlungsziel oder Ratenzahlungen in angemessener Höhe nach einer Abschlagszahlung helfen oft. Viele Handwerker sind froh, wenn sie ihr Geld wenigstens portionsweise bekommen.

hm: Das sollte sich der Betrieb am besten auch schriftlich geben lassen, oder?

David: Ja, entweder das, am besten per Faxbestätigung. Es reicht aber auch, dass ein Mitarbeiter im Handwerksbetrieb das Gespräch per Lautsprecher mithört und die Äußerungen des Kunden zur Gedächtnisstütze mit Datum und Uhrzeit protokolliert. Das Protokoll kann im Streitfall bei Gericht vorgelegt werden.

hm: Wenn das Gespräch zu nichts führt, stellt der Handwerker dann zuerst den gerichtlichen Mahnantrag oder klagt er sofort?

David: Bei Einwendungen des Schuldners klagt der Betrieb am besten gleich. Denn dann muss ein Sachverständiger eingeschaltet werden. Durch das Mahnverfahren mit fünf bis sechs Wochen bis zum Vollstreckungsbescheid würde zu viel Zeit verstreichen. Mit dem Urteil kann der Handwerker bis zu 30 Jahre lang versuchen, zu seinem Geld zu kommen, wobei jeder Vollstreckungsauftrag, etwa an den Gerichtsvollzieher, diese Frist neu beginnen lässt. Auf diese Weise kann ein Vollstreckungstitel nie verjähren.

*Autor der Bücher „Über den Umgang mit Schuldnern“, „Mahnverfahren und Forderungseinzug“: www.haufe.de

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