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Künstlersozialabgabe: Die Zeche zahlen die Handwerker

Handwerker, die selbständige Künstler wie Fotografen oder Grafiker für ihre Werbegestaltung engagieren, müssen zusätzlich zum Honorar 5,2 Prozent an die Künstlersozialkasse abführen.

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Susanne Holl, geschäftsführende Gesellschafterin von Elektro Holl in Neusäß bei Augsburg, bringt das Ärgernis auf den Punkt: „Ich bekam eine Rechnung von einem freischaffenden Kreativen. Dort stand nicht drauf, dass neben dem eigentlichen Honorar noch ein weiterer Betrag abzuführen ist. Davon habe ich erst später erfahren.“

So wie der 1. Vorsitzenden der Unternehmerfrauen im Handwerk Augsburg geht es vielen Handwerksbetrieben in Deutschland. Sie schließen guten Glaubens einen Vertrag und tappen nichts ahnend schnurstracks in eine Falle. Die Handwerksunternehmer können nicht verstehen, dass sie einen Auftrag an einen selbständigen Grafiker, Fotografen oder eine kleine Werbeagentur vergeben und trotz gezahlter Rechnung noch einen zusätzlichen Betrag schulden sollen, dessen Höhe zudem betragsmäßig nicht feststeht. Genau das ist aber Gesetz – und zwar seit 1983. Damals gründete der Gesetzgeber die Künstlersozialkasse. Damit verfolgte er ursprünglich das Ziel, selbständig tätigen Künstlern und Publizisten eine gesetzliche Sozialversicherung zu ermöglichen, bei der sie wie Angestellte nur die eine Hälfte für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung selbst bezahlen und die andere Hälfte der Staat und die Verwerter der geistigen Leistung übernehmen.

Handwerker muss Initiative ergreifen

Mit anderen Worten: Handwerker, die selbständige Künstler und Publizisten für ihren Internetauftritt oder für die Erstellung von Werbemitteln beauftragen, müssen aus dem Rechnungsbetrag 5,2 Prozent errechnen und von sich aus an die Künstlersozialkasse melden und überweisen. Ob allerdings für den jeweiligen freischaffenden Künstler eine Abgabepflicht besteht, ist längst nicht immer ausgemacht.

Die Künstlersozialkasse hält deshalb auf ihrer Internetseite unter www.kuenstlersozialkasse.de entsprechende Meldebögen zum Download bereit. Auch formlos können Handwerker per Mail oder Fax bei der Künstlersozialkasse kostenfrei anfragen, ob eine konkret in Auftrag gegebene Dienstleistung abgabepflichtig ist oder nicht. Die Künstlersozialkasse gehört zur Unfallversicherung Bund und Bahn und hat ihren Sitz in Wilhelmshaven.

Was die Künstlersozialkasse erst einmal als Kunst identifiziert hat, fordert sie bei den Beiträgen hartnäckig ein: Selbst wenn Handwerker Künstler beauftragen, die nicht Mitglied in der Künstlersozialkasse sind, wird die Abgabe fällig. Von dem Grundsatz der Abgabe- und Meldepflicht an die Künstlersozialkasse gibt es aber einige Ausnahmen. So müssen Handwerker keine Abgabe leisten, wenn sie pro Jahr nicht mehr als 450 Euro an Honoraren an freischaffende Künstler zahlen. Dabei zählt der Nettobetrag, Reise- und Bewirtungskosten des Künstlers bleiben ebenfalls außen vor.

Gesellschaftsform entscheidend

Keine Künstlersozialabgabe wird zudem fällig, wenn Handwerker Aufträge an freischaffende Kreative vergeben, die sich als GmbH, AG, e.V. oder öffentliche Körperschaften und Anstalten organisiert haben. Dasselbe gilt für Zahlungen an eine Kommanditgesellschaft (KG), GmbH & Co. KG und OHG. Wer dagegen zum Beispiel einen Auftrag an eine Werbeagentur in der Rechtsform der Gesellschaft Bürgerlichen Rechts (GbR) oder an eine Einzelperson vergibt, muss Künstlersozialbeiträge abführen. „Für Auftraggeber ist es daher günstiger, Kapitalgesellschaften zu beauftragen. Dies führte dazu, dass mancher Einzelunternehmer bzw. manche Personengesellschaft von ihren Auftraggebern dazu gedrängt wurde, ihre Rechtsform zu ändern. Die betroffenen Unternehmen sehen dadurch ihre Existenz bedroht“, heißt es in einem Gutachten von Prof. Dr. Hans-Wolfgang Arndt im Auftrag des Bundes der Steuerzahler. Der ehemalige Jura-Professor kommt darin zu dem Ergebnis, dass die Künstlersozialabgabe in ihrer heutigen Form verfassungswidrig ist. Während im Hintergrund am Legitimationsast gesägt wird, auf dem die Künstlersozialversicherung derzeit noch sitzt, müssen sich Handwerker und ihre Kunden weiter mit den praktischen Folgen rumschlagen. So wie die selbständige Fotografenmeisterin Uli Präcklein. Als sie noch Angestellte einer Werbeagentur war, musste kein Kunde die Künstlersozialabgabe zahlen, da die Agentur eine GmbH war. „Einige Kunden, die ich nach meiner Zeit bei der Agentur betreue, müssen im kommenden Jahr 5,2 Prozent der für mich aufgewendeten Kosten noch einmal zusätzlich an die KSK abführen“, ärgert sich die stellvertretende Landesvorsitzende der Junioren des Handwerks Bayern e.V.

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