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Geld und Zahlungsverkehr Kryptowährungen: Zwischen Zockerei und Zukunft

Digitale Zahlungsmittel sind auf dem Vormarsch. Ihr Gegenwert in Euro liegt im dreistelligen Milliardenbereich. Doch weder als Zahlungsmittel noch für ein sicheres Investment eignen sich die über 2.8000 verschiedenen Kryptowährungen am Markt. Ein Überblick über gute und nicht so gute Entwicklungen.

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Digitale Zahlungsmittel sind auf dem Vormarsch: Ob Bitcoin, Ethereum, Bitcoin Cash, Litecoin, Ripple, Monero oder Cardano — die Existenz von Kryptowährungen ist in der Breite der Bevölkerung angekommen. Internationale Organisationen, wie die Vereinten Nationen und auch Banken nutzen das Kryptogeld. Doch akzeptiert sind sie in der breiten Bevölkerung noch lange nicht. Laut einer Studie der CreditPlus Bank AG schließen 72 Prozent der Deutschen digitale Währungen für sich als Zahlungsmittel aus.Das liegt vor allem an der fehlenden Regulierbarkeit durch vor Betrug schützende Instanzen, wie eine staatliche Aufsicht. Und auch ihr Schmuddelimage sind die Währungen noch lange nicht los, sie gelten vielen unverändert als Zockerei. Die Kursschwankungen bestätigen den schlechten Ruf: So war ein Bitcoin im Dezember 2017 fast 20.000 $ wert, bis Ende 2018 sank der Kurs über 500 Prozent. Der Bitcoin notierte dann bei weniger als 3.000 $.

Kryptowährung - das zeichnet sie aus

Kryptowährungen sind virtuell und werden über die Blockchain-Technologie abgewickelt. Das heißt: Das Verbuchen von Geld erfolgt nicht mehr über eine Bank, sondern direkt auf den Konten der Beteiligten. Erfasst werden die Zahlungsvorgänge im dezentralen Netzwerk der Blockchain.

Nach mehreren Versuchen gelang es 2009 erstmals, mit Bitcoin ein Bezahlsystem zu schaffen, dass Unabhängigkeit von Finanzinstituten ermöglichte. Anonymität und Selbstbestimmung waren das Ziel und lockten damals vor allem Nutzer an, die illegale Geschäfte abwickeln wollten. Nach Weiterentwicklung der Technik wird die Blockchain heute nicht nur für Zahlungen verwendet, sondern auch für die Übertragung sensibler Daten. Ihr Vorteil gegenüber einer Bankzahlung: sie ist sicher, direkt, schnell und kostengünstig. Das nutzen beispielsweise die Vereinten Nationen in einem Pilotprojekt, um Lebensmittelcoupons an Geflüchtete zu verteilen. Diese können in Flüchtlingscamps per Iris-Scan mit Ethereum bezahlen. Der große Vorteil: Das Geld kommt direkt bei den Bedürftigen an, Korruption wird unmöglich.

2.800 Kryptowährungen am Markt

Insgesamt gibt es inzwischen weltweit über 2.800 unterschiedliche Kryptowährungen, Tendenz steigend. Das liegt vor allem an verbesserter Technologie, die manche Währungsalternativen, wie etwa Litecoin schneller als Bitcoin macht. Oder sogenannte „Smart Contracts“ ermöglicht (wie Ethereum mit dem Iris-Scan). Die Währung Ripple wird beispielsweise von Banken genutzt, um reguläre Überweisungen zu beschleunigen.

Neben der seriösen Nutzung von digitalen Währungen gibt es auch Missbrauch. So haben die hohen Kursschwankungen in diesen Währungen dazu geführt, dass immer wieder neue Anbieter auf den Markt drängten und mit Neuemissionen schnelle Gewinne erzielen wollten. Da hinter diesen Währungen nur Vertrauen und Akzeptanz, aber keine echten Werte stehen, haben viele Investoren massiv Geld verloren, wenn die Währung wieder vom Markt verschwand.

Mit Digitalwährungen bezahlen

Etabliert ist das Zahlen mit Digitalwährung noch nicht. Zwar ist es grundsätzlich möglich, doch da es keine festen Wechselkurse gibt und die Kurse sehr stark schwanken, beteiligt sich der Einzelhandel meist nicht am digitalen Geld. Es sind eher die Online-Shops, die die Bezahlung mit Bitcoin und Co. anbieten. Die Seite Coinmap.org listet alle Geschäfte weltweit, die Kryptowährungen akzeptieren.

In Digitalwährungen investieren

Wie normale Währungen auch, können Kursschwankungen bei Kryptowährungen genutzt werden, um Gewinne zu erzielen. Über die Börse können Aktien (beispielsweise von der Bitcoin Group) und Bitcoin-Futures gekauft werden. Letztere zielen auf Gewinne durch Kursschwankungen. Es wird auch eine Exchange Traded Note (ETN) angeboten. Sie wirkt wie ein Fonds, der in Aktien von Unternehmen investiert, die Kryptowährungen herausgeben. Doch Achtung: Das Kapital in der ETN ist kein geschütztes Sondervermögen, wie bei normalen Fonds. Geht der Herausgeber des ETN insolvent, haftet das Geld der Anleger für dessen Verbindlichkeiten. Ihnen droht der Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals.

Neu ist der Trend, eine Digitalwährung an einen realen Wert zu koppeln. Si hat der Krypto-Konzern Tether Ende Januar 2020 den digitalen Coin ‚Tether Gold‘ auf den Markt gebracht. Angeblich ist dieser Coin an physisches Gold gebunden – hinter jedem Token steht nach Angaben des Unternehmens eine Feinunze Gold eines Goldbarrens. Dieser sei in einem Schweizer Tresorraum gelagert, Verwaltungsgebühren fielen nicht an. Ziel des Unternehmens ist es, den Handel mit dem Rohstoff Gold auf die Blockchain zu holen.

Warnung der BaFin und der Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentral warnt vor dubiosen Mails im Zusammenhang mit Krypotwährungen: „… die Angebote (sind) oft völlig intransparent, die Geschäftsmodelle unverständlich. Nähere Informationen gibt es häufig nur nach Kontaktaufnahme oder Registrierung auf den werbenden Webseiten. Oftmals fehlt auf den Webseiten aber das Anbieter-Impressum gänzlich oder die Anbieter haben ihren Sitz im Ausland – gerne auch auf karibischen Inselstaaten. Wenn Sie über diese Distanz versuchen müssen, Ihr Recht durchzusetzen, haben Sie im Zweifelsfall hohe Kosten und schlechte Karten.“ Und wer auf der Seite der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin.de) unter Krytowährungen sucht, erhält fast 100 Einträge – überwiegend zu betrügerischen Unternehmen in diesem Zusammenhang. Die Marktwächterexperten der Verbraucherzentrale Hessen untersuchen aktuell Beschwerden zu knapp 20 verschiedenen Anbietern und sechs unterschiedlichen Währungen.

Erhebliche Risiken im Kryptomarkt

Ein junger, noch nicht regulierter Markt hat Kinderkrankheiten – und die können gefährlich werden.

  • Wer in Bitcoins und Co. investiert, muss mit dem Totalverlust seiner Einlage rechnen. Finden sich keine Käufer mehr, kann der Wert einer Kryptowährung auf Null sinken.
  • Der Vorteil der Kryptowährungen ist auch ihr Nachteil: Da es aufgrund der Blockchain-Technologie keine staatliche Aufsicht gibt, kann es auch keinen staatlichen Schutz vor Betrug geben.
  • Die Kursschwankungen können erheblich sein, da hinter der Kryptowährung keine Staaten stehen, die ein Interesse an einer stabilen Wertentwicklung haben und ihre Währung mit dem Staatsvermögen absichern.
  • Wer große Anteile an einer Kryptowährung besitzt, kann durch gezielte Käufe und Verkäufe ihren Kurs manipulieren. Weder Gesetze noch Kontrollinstanzen schützen Investoren vor solchen Einflussnahmen.
  • Nur die großen Digitalwährungen wie Bitcoin und Ethereum können direkt in Euro umgetauscht werden. Andere Kryptowährungen müssen zuerst in Bitcoin getauscht werden, damit sie gegen reguläres Geld verkauft werden können.
  • Ist die Blockchain überlastet, warten Investoren auf den Verkauf ihrer Währung während sie Kursverluste erleiden kann.
  • Es gibt keine transparente Wechselkursfeststellung. Der (staatlich nicht beaufsichtigte) Händler gibt an, zu welchem Kurs er kauft und verkauft – wie korrekt die Bewertung ist, lässt sich nicht feststellen.
  • Cyberangriffe auf Kryptowährungen sind Realität. In Japan erbeuteten Hacker umgerechnet rund 500 Millionen Euro der Krypotwährung NEM. Aufgrund der Anonymität in der Blockchain wurden sie nie gefasst.

Fazit

Das Hasso-Plattner-Institut hat 2018 eine Studie vorgestellt, die den Kryptowährungen ein hohes Potenzial als reguläres Finanzinstrument bescheinigt. Mag sein, dass das in der Zukunft so sein wird. Heute ist es das noch nicht. Wer sein Geld sichern möchte, lässt sein Portemonnaie besser fest verschlossen, wenn ihm ein Krypto-Investment nahegelegt und mit exorbitanten Gewinnen gelockt wird.

  

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