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AU-Bescheinigung Krankschreibung per Video: Der Arzt hat immer das letzte Wort

Den „gelben Zettel“ dürfen Ärzte künftig auch auf Basis eines Videogesprächs ausstellen, wenn der Patient der Praxis vorher bekannt war. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen. Ob es aber wirklich dazu kommt, muss das Gesundheitsministerium nun entscheiden.

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Mit der Corona-Pandemie, so der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in seinem Statement zum Beschluss, hat die Anpassung der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie (AU-Richtlinie) nichts zu tun. Ziel der Änderungen ist es vielmehr, das bisher bestehende berufsrechtliche Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung zu lockern. Insofern soll die persönliche Untersuchung durch den Arzt weiterhin als Standard für die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit gelten.

Was bei der Krankschreibung per Video gilt

Patient muss bekannt sein: Laut AU‐Richtlinie muss der Patient der Praxis aufgrund früherer Behandlung unmittelbar persönlich bekannt sein, so dass die Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit hinreichend sicher beurteilt werden kann. Eine Krankschreibung ausschließlich auf Basis eines Telefonates, einer Chat‐Befragung oder eines Online‐Fragebogens ist explizit ausgenommen.

Erstbescheinigung für maximal sieben Tage: Eine Krankschreibung per Video kann bei erstmaliger Feststellung für maximal sieben Kalendertage ausgestellt werden. Danach muss der Patient die Praxis aufsuchen, falls er weiterhin krank sein sollte.

Folgebescheinigung nur bei bekannter Krankheit: Dauert die Krankheit länger als sieben Kalendertage, ist die Ausstellung einer Folgebescheinigung auf Basis eines Videogesprächs nur dann möglich, wenn bei dem Versicherten bereits zuvor aufgrund einer persönlichen eine Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krankheit festgestellt worden ist.

Der Arzt entscheidet: Der Patient hat keinen Anspruch auf eine Krankschreibung per Videogespräch. Es ist die alleinige Entscheidung des Arztes, ob er eine AU-Bescheinigung auch nach einer Online‐Visite ausstellt. Generell gilt: Ist keine hinreichend sichere Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit per Videosprechstunde möglich, muss eine persönliche Untersuchung in der Praxis erfolgen.

Pflicht zur Aufklärung: Der Patient muss im Vorfeld der Videosprechstunde darüber aufgeklärt werden, dass die Möglichkeiten der Befunderhebung für die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit per Video eingeschränkt sind.

Kassenärzte gegen Video-Diagnose bei Erstbescheinigung

Von den vier großen Selbstverwaltungsorganisationen, aus denen sich der G-BA sich zusammensetzt, hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gegen den Beschluss gestimmt. Sie hat sich dafür ausgesprochen, dass für eine AU-Bescheinigung der erste Kontakt zum Patienten weiterhin in der Praxis erfolgt und nur bei Folgeverordnungen eine AU-Bescheinigung per Videosprechstunde ausgestellt werden kann.

So geht’s weiter – Gesundheitsministerium entscheidet

Nachdem das Bundesgesundheitsministerium (BMG) die Rechtsaufsicht über den G-BA hat, muss dieser dem Ministerium alle Beschlüsse zur Prüfung vorlegen. Das BMG hat dann zwei Monate Zeit, den Beschluss zu prüfen und zusätzliche Informationen vom G-BA anzufordern. Auch kann die Nichtbeanstandung einer Richtlinie nach Auskunft der G-BA mit Auflagen verbunden sein. Erst wenn das BMG die Nichtbeanstandung eines Richtlinienbeschlusses ausgesprochen hat oder die jeweils geltende Frist abgelaufen ist, wird der Beschluss im Bundesanzeiger veröffentlicht und tritt in der Regel einen Tag nach der Veröffentlichung in Kraft. Es kann also noch ein wenig dauern, bis die smarte Krankschreibung per Video tatsächlich funktioniert.

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