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Persönliche Schutzausrüstung Kopfschutz: So finden Sie den richtigen Schutzhelm

Verletzungen im Kopfbereich bergen hohe Risiken. Sie führen häufig zu einer Gehirnerschütterung oder es kommt zu Frakturen des Gesichtsschädels. Auch Weichteile wie die Nase können schmerzhaft betroffen sein, ebenso und besonders folgenschwer der Augenbereich. Wie Chefs den richtigen Kopfschutz für ihre Anforderungen finden.

Topic channels: TS Arbeitsschutz und Gesundheit und TS Berufskleidung

Ein Helm-Tragegebot sollte auch im Beruf überall dort selbstverständlich sein, wo Risiken bestehen, dass Gegenstände v on oben herunterfallen oder dass man sich mit dem Kopf anstößt. Doch es ist leider kein Einzelfall, was nach einem Unfall auf einer Berliner Baustelle zu lesen war. Eine 4 Zentimeter dicke und 2 Meter lange Gerüststange war heruntergefallen und hatte einen Bauarbeiter so heftig am Kopf getroffen, dass dieser mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus musste. Kurz darauf zitierte die Berliner Zeitung einen Mitarbeiter der Arbeitsschutzbehörde, der den Unfall untersucht hatte, mit den Worten „ Der Vorarbeiter hatte 25 Jahre Berufserfahrung. Warum er keinen Helm trug, ist mir unklar“.

Diese Anforderungen sollte ein hochwertiger Schutzhelm erfüllen

Entscheidend ist, dass der gewählte Kopfschutz zu seinem Träger, zu dessen Aufgabe und zur konkreten Gefährdung passt. Die wichtigsten Auswahlkriterien sind:

  • Tragekomfort: Bei einem Helm, der drückt, sinkt die Trageakzeptanz.
  • Gewünschte Mindestausstattung, z. B. Schweißband, Kinnriemen, seitliche Belüftung, Regenrinne, im Dunkeln nachleuchtendes Helmmaterial.
  • Benötigtes Zubehör wie etwa aufsteckbare Lampen, Gesichtsschutzschilde, Unterziehhauben, Gehörschutz.
  • Vorgeschriebene Kennzeichnung mit Angaben zu Größe, Typ, Hersteller, Zeitpunkt der Herstellung und Kurzzeichen für das Helmmaterial (s. u.).
  • Die zutreffende Norm muss angegeben sein. Ein Schutzhelm bei der Arbeit sollte entweder die Anforderungen der DIN EN 397 „Industrieschutzhelme“ oder der DIN EN 14052 „Hochleistungsindustrieschutzhelm“ erfüllen.
  • Ggf. zusätzliche Schutzfunktionen, z. B. antistatische Eigenschaften zum Tragen in explosionsgefährdeten Bereichen oder Schutz vor Störlichtbögen, wenn unter Spannung gearbeitet werden muss.
 

Bei Einsatz in Lärmbereichen sollte eine Kombination mit Gehörschutz möglich sein. Dies ist ein typischer Fall, in dem § 2 der PSA-Benutzungsverordnung relevant wird. Dieser besagt, dass bei gleichzeitiger Verwendung mehrerer Schutzausrüstungen die einzelnen Komponenten so aufeinander abgestimmt sein, dass sich ihre Schutzwirkungen nicht gegenseitig beeinträchtigen. Das bedeutet, Helm und Gehörschutz müssen stets zusammenpassen. Ein Schutzhelm darf nur gemeinsam mit Kapselgehörschützern benutzt werden, wenn er für diese Kombination vorgesehen ist.

Helm oder Anstoßkappe?

Anstoßkappen werden gern bei der Instandhaltung getragen, auch in Werkstätten, Lagern oder von Staplerfahrern. Eine als Schutzausrüstung verwendete Anstoßkappe sollte laut Etikett die Norm DIN EN 812 erfüllen. Wie ihr Name sagt, schützt eine solche Kappe vor dem Anstoßen, z. B. an hervorstehende Teile von Maschinen oder Anlagen. Sie bietet jedoch keinen ausreichenden Schutz vor herunterfallenden Gegenständen oder vor hängenden Lasten. Auf Baustellen, bei Einsatz von Hallenkranen usw. gilt daher i. d. R. eine Helmpflicht. In solchen Arbeitsbereichen darf eine Anstoßkappe niemals als Ersatz für einen Industrieschutzhelm gelten.

Duroplast oder Thermoplast? Kürzel geben Auskunft

Die Helmeigenschaften werden vom verwendeten Kunststoff bestimmt, dabei sind zwei Helmtypen zu unterscheiden:

  • Helme aus thermoplastischen Materialien tragen die Kürzel ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol), PC (Polycarbonat), PE (Polyethylen), HDPE (Hochdruck-Polyethylen) oder PA (Polyamid), dies sind die klassischen Baustellenhelme.
  • Helme aus duroplastischen Materialien sind erkennbar an den Symbolen UP-GF (Glasfaser-Polyester-Harz) oder PF-SF (faserverstärktes Phenol-Formaldehyd-Harz). Diese Modelle verformen sich nicht durch Hitze und sind widerstandfähig gegen UV und Chemikalien, sie werden daher z. B. in Stahl- oder Chemiewerken getragen.
 

Praxistipp: Belastete Helme per Knacktest prüfen

Hat einen Helm einen kräftigen Schlag abgekommen hat oder ist er auf einen harten Untergrund heruntergefallen, sollte er auf Beschädigungen geprüft werden. Bewährt hat sich der sogenannte Knacktest. Dabei hält man den Helm dicht ans Ohr und drückt die Helmschale mit beiden Händen seitlich zusammen. Ist bei diesem leichten Verbiegen ein Kacken oder ein Knistern zu hören, deutet das auf ein beginnendes Verspröden des Materials hin. Ein solcher Helm gehört aussortiert.

Was für Aufbewahrung und Pflege der Helme gilt
  • Helme nicht unnötigerweise in der Sonne liegen lassen, denn UV- Licht greift das Material an.
  • Schweißbänder aus hygienischen Gründen öfter wechseln, sie lassen sich meist austauschen.
  • Helme nach starken Verschmutzungen säubern, das gilt besonders für Visiere.
  • Helme nicht „verschönern“, z. B. durch Aufkleber oder Farbe, denn deren Lösungsmittel könnten den Kunststoff angreifen. Sollen Namensschilder oder Firmenembleme angebracht werden, muss dies mit dem Helmhersteller abgesprochen werden.

Bei gut gepflegten Schutzhelmen liegen die Verwendungsdauern zwischen 4 Jahren für Thermoplasten und 8 Jahren für Duroplasten.

Wichtig: Auch für Besucher und Chefs müssen einen Helm tragen

Wo ein Arbeitsbereich mit dem Gebotszeichen aus der der Technischen Regel für Arbeitsstätten A1.3 gekennzeichnet ist, muss das Helm-Tragegebot strikt umgesetzt werden. Alles andere wäre unglaubwürdig. Das gilt – und daran hapert es bisweilen auf einem Betriebsgelände oder einer Baustelle – auch für jeden Besucher, ob Kunde oder Behördenmitarbeiter, Bauherr oder Architekt. Last, but not least gilt eine Tragepflicht selbstverständlich auch für Vorgesetzte und Betriebsleiter. Wer nicht selbst ein gutes Beispiel abgibt, muss sich nicht wundern, wenn seine Mitarbeiter PSA-Gebote ignorieren.

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