Neues von der Werkbank – Kolumne von Ruth Baumann -

Die Baumann-Kolumne "Neues von der Werkbank" Kommentar: Handwerk und Mittelstand brauchen eine Greta

Der Umweltschutz steht derzeit hoch im Kurs - nicht zuletzt dank des Einsatzes der jungen Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg. Unsere Kolumnistin Ruth Baumann, Präsidentin der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH) Baden-Württemberg, findet: Themen des Handwerks und Mittelstands haben genauso viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit verdient.

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Gleich zu Beginn eine klare Aussage: Die Sorge um die Zukunft und die Umwelt verdienen nicht nur Gehör, sondern aktives Handeln. Aber: Wir alle leben in einer globalen Welt und nicht nur die Nachwelt hat Herausforderungen zu lösen. Vielleicht sorgen diese nicht für viel Betroffenheit oder treiben weniger Menschen auf die Straßen. Dennoch: Gestatten Sie mir die Anmerkung als Betroffene, unwichtig sind diese Themen trotzdem nicht.

Ist eine Symbolfigur fürs Handwerk nötig?

Ich rede von den Bedenken einer Gruppe, die einen nicht unerheblichen Anteil am gesellschaftlichen Zusammenleben (nämlich dem Steueraufkommen) hat und somit erst die Basis für manch finanzintensive Gedankenspiele liefert. Gemeint sind Handwerk und der Mittelstand. Um mehr Gehör für ihre Anliegen zu bekommen, bräuchten diese wahrscheinlich eine Symbolfigur, wie sie Greta Thunberg für den Klimaschutz ist.

Der soziale Frieden gründet in meinen Augen auf eine solidarische Gesellschaft und es reicht nicht, sich nur am Verteilen und Stigmatisieren zu beteiligen. Man sollte auch Verantwortung tragen. Jeder in seinem eigen Umfeld, nicht nur durch Worte, sondern Taten. Unabhängig ob Arbeitgeber oder -nehmer, Steuern, Abgaben usw. – alles sollte seitens der Politik als anvertrautes und nicht selbstverständliches Gut angesehen, geschätzt und ausgegeben werden. Es ist nicht Spielgeld, sondern in der Regel hart erarbeitet.

Viele haben daher kein Verständnis, wenn ein Betriebsrentenstärkungsgesetz auf den Weg gebracht wird und die eingegangen Verpflichtungen der Beamtenpensionen aus dem Auge verloren werden. Alte Versicherungsverträge rückwirkend in der Besteuerung zu ändern, ist Vertragsbruch. Grundrente ohne Rücklagen zu versprechen, raubt dem Kaufmann den Schlaf. Ein Soli wird befristet eingeführt, um dann ewig zu leben. Das schafft kein Vertrauen in das Handeln der Akteure.

Komplizierte Gesetze, hohe Kosten: Das Handwerk hat mit Problemen zu kämpfen

Wer Mietwohnungen fordert, sollte sämtliche gesetzliche Vorgaben auf Sinnhaftigkeit prüfen. Warum stehen Mitarbeiterwohnungen gleich im Verdacht, geldwerten Vorteil darzustellen und nicht Beweis für soziales Engagement zu sein? Die Erfahrungen und Kostenexplosionen aus Elbharmonie, Flughafen Berlin Brandenburg, Stuttgart 21 und dem Humboldt-Forum haben anscheinend nur eine Schockstarre und kein Gegensteuern ausgelöst. Die Einigung bei der Grundsteuer, die keine länderübergreifende Verbindlichkeit hat, passt in dieses Bild des partiellen „Weiterwurschtelns“.

Geht es uns nach der Datenschutzgrundverordnung, der Diesel-Stigmatisierung, der Gendermanie, der Arbeitszeitregelungen im alltäglichen Leben besser? Kann man besser arbeiten, wenn die Kommune weiß, wie lange ein Handhubwagen außerhalb des Betriebsgebäudes genutzt wird (Erhebung zu möglichen Schallquellen für ein Gutachten)? Wird durch diese Erhebung unser Leben einfacher? Geht es uns besser?

Wer mit offenen Augen unterwegs ist, stellt Folgendes fest: Früher kam die Post täglich und verlässlich, das graue Telefon funktionierte, der Strom kam ohne Schwankungen aus der Steckdose, die Gastronomie konnte flexibel auf Beerdigungen und Hochzeiten mit dem Personal reagieren. Im Krankenhaus stand der Patient im Vordergrund, die Bürokratie war dem medizinischen Auftrag untergeordnet, Wartezeiten waren überschaubar und die Arbeits- und Ruhezeiten der Mitarbeiter spiegelten unternehmerische Verantwortung.

Die Lösungen der Politik stellen nicht immer zufrieden

Jetzt diskutieren wir über Roboter, die den Patienten das Essen bringen sollen. Oder Gastronomie, die nicht regional und frisch zubereitet wird, sondern auf Automatenbetrieb umstellen wird, und Klinikpersonal, das hetzen und global gesucht werden muss. Je mehr seitens der Politik eingegriffen wurde, desto desaströser erscheint das Ergebnis. Die Straßenverkehrsordnung wurde gegendert, aber eigentlich brauchen wir sie nicht mehr, da wir nicht wissen, ob Mobilität nicht zum Luxusgut weniger werden soll.

Dies hätte garantiert Auswirkungen auf den sozialen Frieden, dafür muss man aber reflektieren können und den Mut haben, Dinge und deren Folgen fertig zu denken. So werden sich bald viele Menschen wundern, wenn der Nachschub ins Stocken kommt, die An- und Abreise zu angesagten Demos erschwert ist und bei Volksfesten Aussteller nicht kommen, da sie mit ihren Fahrzeugen nicht mehr anreisen dürfen.

Es braucht Mut zum Handeln

Es gibt schon Anzeichen, dass es so nicht mehr weiter gehen kann: Arbeitnehmer fürchten um ihre Arbeitsplätze, erste Kommunen verhängen eine Haushaltssperre, verschiedene Betriebe stoppen bereits Investitionen. Bürokratie, Digitalisierung, Globalisierung, Erhebungen und Gutachten werden nicht helfen können, sondern nur Handeln und der Mut, Dinge wieder in sinnvoll oder sinnlos einzustufen. Unsinn bremst Macher aus, scheint aber Parlamentarier und Bedenkenträger zu beflügeln. Welche Vorgehensweise wird der Zukunft gerecht? Das fragt Ruth und nicht Greta. Und deshalb wird es noch eine Weile dauern, bis Verbales in Handeln mündet.

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