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Neue Fonds-Besteuerung betrifft das Handwerk Körperschaftsteuer fällt für Investmentfonds an

Die Neuregelungen des Investmentsteuerreformgesetzes haben für Unternehmer im Handwerk erhebliche Auswirkungen. Sie müssen für die private und betriebliche Geldanlage unter steuerlichen Gesichtspunkten genauer auf die Zusammensetzung von Investmentfonds schauen als in der Vergangenheit.

Mit dem seit Januar gültigen Investmentsteuerreformgesetz (InvStRefG) hat der Gesetzgeber in Deutschland die Besteuerung von Publikums- und Spezialfonds neu geordnet. Dazu zählen beispielsweise Aktienfonds, Mischfonds, Immobilienfonds und spezielle Konstrukte für professionelle Anleger wie Unternehmen und Verbände. Im Kern besagt das Gesetz: Seit Jahresanfang werden bestimmte Erträge deutscher Fonds mit 15 Prozent (normaler Körperschaftsteuertarif) besteuert. Das ist neu, denn bislang werden nur die Anleger besteuert, nicht aber die Fonds selbst.

Eine doppelte Besteuerung

„Durch das Investmentsteuerreformgesetz werden Publikum-Investmentfonds getrennt von den Anlegern besteuert und damit fiskalisch selbstständig behandelt. Auf Fondsebene unterliegen Erträge aus inländischen Beteiligungen wie Dividenden und inländische Immobilienerträge wie Mieterträge und Veräußerungsgewinne der Körperschaftsteuer. Daraus folgt insoweit eine doppelte Besteuerung, denn der Investor versteuert die Gewinne aus seinen Kapitalanlagen - unter Berücksichtigung aller Freistellungen - noch einmal“, sagt Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Helmut König, Partner der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt in Düsseldorf und Leiter der Praxisgruppe Steuerrecht. Er betont: „Alle Publikums-Investmentfonds sind von dem neuen Besteuerungsregime betroffen. Im Gegenzug gewährt der Gesetzgeber bei der Besteuerung des Anlegers steuerliche Teilfreistellungen.

Steuerbefreiungen der verschiedenen Fonds

Diese Teilfreistellungen betragen bei der Beteiligung eines Privatanlegers an einem Aktienfonds 30 Prozent der Erträge, Investmentanteile im Betriebsvermögen erhalten eine 60 prozentige Freistellung, körperschaftsteuerpflichtige Anleger 80 Prozent. Bei Immobilienfonds bleiben 60 Prozent der Erträge steuerfrei, bei ausländischen Investments sind es 80 Prozent. Für Mischfonds gilt eine pauschale 15-prozentige Steuerbefreiung für Privatanleger.

„Die Neuregelung bedeutet auch erhebliche Veränderungen für Altanleger. Beim Fondserwerb vor dem 1. Januar 2009 bleiben die bis dahin angefallen Gewinne zumindest auf Sicht steuerfrei, wenn der Anleger die Anteile seitdem im Privatvermögen gehalten hat. Aber die Steuerfreiheit der Veräußerungsgewinne fällt mit der neuen Gesetzgebung weg, soweit der Veräußerungsgewinn für diese Alt-Anteile einen Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro übersteigt“, erläutert Helmut König.

Transparenzoption ausüben

Spezialfonds (also Fonds, die nur von einem beziehungsweise für einen professionellen Anleger oder eine kleine Gruppe aufgelegt werden und nicht allgemein zugänglich sind) müssen, um die bis Ende 2017 geltenden Regeln zu erhalten, im Hinblick auf inländische Dividenden die sogenannte Transparenzoption ausüben, sodass diese Erträge steuerlich unmittelbar den Anlegern zugerechnet werden. Zudem wird von ihnen verlangt, dass sie hinsichtlich inländischer Mieten und Immobilienveräußerungsgewinnen eine Kapitalertragsteuer erheben. Tun sie dies nicht, werden nicht alle Erträge beim Anleger besteuert, aber es fällt eben Körperschaftsteuer im Fonds an.

Privat wie auch unternehmerisch von der Neuregelung betroffen

Diese Neuregelungen haben für Unternehmer im Handwerk doppelte Auswirkungen, erläutert der Wirtschaftsprüfer. Denn zum einen sind sie als Privatinvestoren in der eigenen Vermögensverwaltung davon betroffen. Zum anderen aber auch als unternehmerisch verantwortliche Organe: „Denn die strategische Unternehmensliquidität muss auch verwaltet werden. Diese wird, das ist aus der Praxis bekannt, oftmals in Publikums- oder auch Spezialfonds, je nach Größenordnung des Vermögens, angelegt. Investoren sollten daher einen Fonds auch aus der fiskalischen Perspektive betrachten und genau prüfen, wie sich die Anlageklassen zusammensetzen und ob dieser die Transparenzoption ausübt.“

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