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Branchencheck Kfz-Gewerbe: Die Corona-Krise sorgt für ein Autojahr zum Vergessen

Die Coronapandemie und deren Folgen setzen auch das heimische Kfz-Gewerbe massiv unter Druck. Aufgrund stationärer ­Verkaufsverbote blicken die Unternehmer nicht gerade ­zuversichtlich in die nahe Zukunft.

Topic channels: TS Branchencheck, TS Coronavirus und TS Elektromobilität

Eine simple Zahl verdeutlicht, wie bescheiden das Corona-Jahr 2020 fürs heimische Kfz-Gewerbe ausgefallen ist: 1,2 Prozent. Diesen mageren Umsatz­rendite-Wert fuhren die Unternehmer und Chefinnen zwischen Flensburg und Freiburg im Schnitt ein – unterm Strich waren das 0,1 Prozentpunkte weniger als beim ohnehin schon überschaubaren 2019er-Wert. „Von der aus unserer Sicht notwendigen Drei vor dem Komma sind wir also nach wie vor deutlich entfernt“, erklärte kürzlich Jürgen Karpinski, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), bei der ersten virtuellen Jahrespressekonferenz im Bonner Studio.

Doch blicken wir zurück: Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ließen die Pkw-Halter 2020 insgesamt 2.917.678 Einheiten neu zu, was ver­glichen mit dem Vorjahr ein sattes Minus von 19,1 Prozent bedeutet. 62,8 Prozent der Neuwagen gingen aufs Konto gewerblicher Halter, 37,1 Prozent der Neuzulassungen steuerten Privatkunden bei. Bei den Besitzumschreibungen fiel der Rüchgang ein wenig moderater aus: Die 7.021.204 Einheiten stehen für ein Minus von 2,4 Prozent.

Servicegeschäft lässt federn

Auch das sonst so lukrative Werkstatt­geschäft bekam 2020 die Auswirkungen der Pandemie zu spüren. Denn: Wird weniger gefahren, passieren auch weniger Un­fälle. Darüber hinaus merkten die 36.580 Autohäuser und Kfz-Werkstätten, dass sich insbesondere die Kontakt­beschränkungen im März und April des vergangenen Jahres negativ auf die Belegung der Hebebühnen auswirkten. Die Folge: Im Vergleich zu 2019 lag die 2020er-Werkstattauslastung um vier Prozentpunkte niedriger.

Traurige Gesichter trotz Systemrelevanz? Auch zum Jahresstart konnte ­Bundesinnungsmeister und ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk mit Blick in eine aktuelle ZDK-Blitzumfrage keine Entwarnung geben. „So gingen die Auftragseingänge im Werkstattgeschäft im Januar 2021 um 34 Prozent und im Februar um 35 Prozent zurück“, führte Hülsdonk beim virtuellen Pressetermin aus. „Das zeigt, wie sehr auch dieses Geschäftsfeld von der Lockdown-Situation beeinträchtigt wird.“

E-Autos als Heilsbringer?

Ein Segment, das dank der Innovationsprämie 2020 richtig durchstartete, waren die E-Fahrzeuge: 194.163 Stromer und 200.469 Plug-in-Hybride brachten die Deutschen 2020 neu auf die Straße. Der prozentuale Zuwachs lag bei 207 Prozent respektive 342 Prozent. Ob das Kfz-Gewerbe diesen Elektro-Boom heuer – zumindest im Verkauf – für sich nutzen kann? ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn dämpfte gleich ein wenig die Erwartungen. „So mancher Händler ist insbesondere bei den rein batterieelektrisch angetriebenen E-Fahrzeugen für 2021 bereits ausverkauft“, betonte der Sprecher des Fabrikatshandels Ende Februar. Fehlender Nachschub und hohe Nachfrage – klingt nach dem nächsten Problem.

Branchentrends im Kfz-Gewerbe

  • Pandemie und die Folgen
    Unsichere Zeiten: Laut der aktuellen Frühjahrs-Umfrage der Creditreform Wirtschaftsforschung erwartet rund jeder Zweite im Kfz-Gewerbe dieses Jahr sinkende Umsätze.

  • E-Mobilität und Serviceumsatz
    Einer Studie der Boston Consulting Group zufolge werden sich E-Mobilität und Digitalisierung massiv aufs Werkstattgeschäft auswirken. Die Gründe: geringere Wartungskosten bei den E-Autos und weniger Unfälle dank vernetzter Fahrerassistenzsysteme. Vor allem für freie Servicebetriebe wird der Wettbewerb härter.

  • Nutzen statt Besitzen
    Der Trend zu mehr Privatleasing ist unge­brochen. So konstatiert der aktuelle DAT-Report für 2020 eine Privatleasingquote von 22 Prozent, 2018 waren es acht Prozentpunkte weniger. Und ein Auto zu abonnieren kommt heute schon für zwölf Prozent der Neuwagenkäufer infrage.

  • Euro-7-Diskussion
    Die EU-Kommission bringt gerade die nächste Stufe der Abgasnorm auf den Weg. Laut ADAC will die Kommission ihre Folgenabschätzung im Juni 2021 präsentieren, der Legislativvorschlag könnte dann Ende dieses Jahres folgen. Frühester Starttermin für Euro 7: 2025. Ob diese Norm dann das Aus für Verbrenner bedeutet, wird in der Autoindustrie heftig diskutiert.

Gesamtumsatz in Milliarden Euro

Im Corona-Jahr 2020 fiel der Gesamtumsatz im Kfz-Gewerbe um 0,7 Prozent auf 184,8 Mrd. Euro – lag aber deutlich über dem Jahr 2018.

Jahr Gesamtumsatz in Milliarden Euro
2018 178,94
2019 186,10
2020 184,79

Umsatz PKW-Neuwagenhandel in Milliarden Euro

2020 und die Lockdown-Folgen: Am Minus von 14,4 Prozent – verglichen mit dem Vorjahr – waren vor allem die pandemiebedingten Autohaus-Schließungen schuld.

Jahr Umsatz PKW-Neuwagenhandel in Milliarden Euro
2018 66,45
2019 73,43
2020 62,86

Umsatz PKW-Gebrauchtwagenhandel in Milliarden Euro

Ein Run auf die Gebrauchten: Höhere Durchschnitts­preise, attraktive junge Gebrauchte sowie ein Marktanteils-Plus im Markenhandel ließen den Umsatz steigen.

Jahr Umsatz PKW-Gebrauchtwagenhandel in Milliarden Euro
2018 66,34
2019 69,29
2020 82,2

Anzahl der Betriebe

Ziemlich konstant: Insgesamt gab es vergangenes Jahr 36.580 Kfz-Unternehmen – 14.600 fabrikatsgebundene Betriebe (–430) und 21.980 freie (+410).

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Anzahl der Mitarbeiter

In Summe hat das Kfz-Gewerbe in den Jahren 2016 bis 2020 19.300 Beschäftigte verloren – wenngleich das Minus 2020 sehr moderat ausfiel.

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Anzahl der Auszubildenden

Auch in Sachen Ausbildungsverträge sorgte die Coronapandemie für eine deutliche Delle. Die 90.600 Azubis bedeuten ein Minus von 2,5 Prozent.

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