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Jugendarbeitslosigkeit: Deutschland mit niedrigster Quote in der gesamten EU

2014 waren nur 330.000 Deutsche im Alter von 15 bis 24 Jahren erwerbslos, die Quote lag bei 7,7 Prozent. Grund für den Topwert ist unter anderem das gute Aus- und Weiterbildungssystem – auch im Handwerk. Schlusslicht ist Spanien mit einer Jugendarbeitslosenquote von 53,2 Prozent.

Topic channels: TS Ausbildung und TS Fachkräftemangel

Deutschland ist Europameister – zumindest was die niedrigste Quote an Jugenderwerbslosigkeit angeht: Laut Statistischem Bundesamt lag die Erwerbslosenquote junger Leute zwischen 15 und 24 Jahren 2014 bei nur 7,7 Prozent: Die absolute Spitzenposition in der Europäischen Union. Werden von den 330.000 Jugendarbeitslosen noch die 100.000 jungen Erwachsenen in Bildung und Weiterbildung abgezogen, so sinkt die Quote sogar auf 6,4 Prozent. Der Anteil der jungen Arbeitslosen an der Gesamtbevölkerung liegt bei 3,9 Prozent – ebenfalls der niedrigste Wert in der EU. Einen großen Beitrag leistet dabei auch das Handwerk: Die deutschen Handwerksbetriebe bildeten vergangenes Jahr 370.995 junge Erwachsene aus, also 27,3 Prozent aller 1.358.539 Auszubildenden in Deutschland.

Jugenderwerbslosigkeit vor allem ein Problem in Südeuropa

Deutschland ist mit 7,7 Prozent das einzige Land der EU mit einer einstelligen Arbeitslosenquote in der Altersgruppe zwischen 15 und 24 Jahren. Auf Platz zwei folgt Österreich mit 10,3 Prozent. Auf den letzten sechs Positionen dieser Statistik rangieren dagegen die südeuropäischen Länder Portugal (34,8 Prozent), Zypern (36 Prozent), Italien (42,7 Prozent), Kroatien (45,5 Prozent), Griechenland (52,4 Prozent) und Spanien (53,2 Prozent). Damit ist bei den beiden letztgenannten Staaten mehr als jeder zweite Jugendliche arbeitslos. Der Durchschnitt der Europäischen Union liegt bei 22,2 Prozent.

50 Prozent Rückgang der Arbeitslosenquote in den letzten zehn Jahren

Im Zehnjahresvergleich sehen die deutschen 7,7 Prozent Jugenderwerbslosigkeit sogar noch besser aus: Der Wert lag 2005 noch bei 15,5 Prozent – in den letzten zehn Jahren sank die Jugendarbeitslosigkeit also um 50 Prozent. Ähnlich sieht es bei den 15- bis 24-Jährigen aus, die weder erwerbstätig sind, noch an einer Bildung oder Weiterbildung teilnehmen: Dieser Wert konnte um 41 Prozent von 10,9 Prozent auf 6,4 Prozent gedrückt werden.

Handwerk mit 27.000 freien Lehrstellen, aber 2,2 Prozent mehr neuen Azubis

Die Kehrseite der Medaille ist der Fachkräftemangel: Durch die stetig niedriger werdenden Jugend-Arbeitslosenzahlen haben immer mehr Berufsgruppen Probleme, qualifizierte Auszubildende zu finden. Auch das Handwerk hat aktuell noch 27.000 unbesetzte Lehrstellen zu beklagen. Der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, betonte hierzu aber vergangenen Samstag in einem Interview gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung, dass die Zahl der Neuverträge von Ausbildungen zum Stichtag des 31. Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,2 Prozent angestiegen seien. Darüber hinaus überlege man sich neue Konzepte, um mehr Jugendliche für eine handwerkliche Ausbildung zu begeistern: „Wir verhandeln mit der Politik über das Projekt ‚Ausbildung mit Abitur‘, erfolgreiche Vorbilder dazu haben wir in Österreich und der Schweiz angeschaut“, so Schwannecke, „wir wollen damit jene erreichen, die bei allem Interesse an einer handwerklichen Ausbildung nicht auf das Abitur verzichten wollen.“ Die Fakten sprechen laut Schwannecke jedenfalls eine deutliche Sprache: „Wer den Meisterbrief hat, verdient mindestens soviel wie ein Bachelor-Absolvent – und ist nur mit zwei Prozent von Arbeitslosigkeit betroffen.“

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