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Erbschaftsteuer | Ob Haus, Handwerksbetrieb oder anderes Vermögen – wer das Finanzamt nicht zu viel kassieren lassen will, muss in bestimmten Fällen sofort handeln.

Dass „Omas Häuschen“ steuerfrei übertragen werden soll, darüber sind die Politiker sich einig. Nur „wer ein außergewöhnlich hohes Vermögen erbt oder wer nur entfernt oder gar nicht verwandt ist, muss Steuern zahlen“, verspricht Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Die Großmütter dermaßen fest im Blick, profitieren Enkel künftig vom fast vervierfachten Freibetrag. Statt bisher 51000 Euro können sie künftig 200000 Euro vom Geschenk abziehen, bevor der erste Steuereuro fällig wird. Der deutlich höhere Wertansatz von Immobilien ist so mehr als ausgeglichen: Wird etwa Omas Häuschen zum Marktpreis (Verkehrswert) von 300000 Euro vom Finanzamt mit 60 Prozent, also 180000 Euro angesetzt, zahlt der Enkel heute nach Abzug des Freibetrags 14168 Euro Schenkungsteuer. Wenn künftig das Objekt eher mit dem vollen Verkehrswert angesetzt wird, zahlt der Enkel wegen des höheren Freibetrags nur noch 11000 Euro Steuern. Allein mit dieser kleinen Rechenaktion also hilft ihm die Oma, 3168 Euro Steuern zu sparen, ein zusätzliches Geschenk auf Kosten des Staates obendrauf.

Noch besteht Wahlrecht

Je höher der Verkehrswert, desto dringender ist der Handlungsbedarf. „Sobald das Reformgesetz verabschiedet ist, gilt nur noch das neue Recht“, erklärt Matthias Lefarth vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin. Nur in Erbfällen, hier nach dem Tod der Oma bis Mitte des Jahres, gilt ein Wahlrecht zwischen altem und neuem Recht.

Wie hoch die Steuerlast beim Privatvermögen jetzt und künftig konkret sein wird, das kann jeder selbst ausrechnen: Man nehme für die aktuelle Rechnung etwa bei Geld den Nennwert, bei Aktien den Kurswert und bei Immobilien rund 60 Prozent des Verkehrswertes. Fürs künftige Recht wird jeweils der volle Marktpreis angenommen. Davon wird der persönliche Freibetrag abgezogen:
- 307000 Euro beim Ehegatten (künftig 500000 Euro), beim eingetragenen (gleichgeschlechtlichen) Lebenspartner 5200 Euro (künftig 500000 Euro)

- 205000 Euro bei Kindern und Enkeln, deren Eltern verstorben sind (künftig 400000 Euro)

- 51200 bei anderen Enkeln (künftig 200000 Euro, siehe oben)

- 51200 Euro bei Erbschaften an Eltern und Großeltern (künftig 100000 Euro)

- 10300 Euro bei Geschwistern, Neffen, Nichten sowie bei Schenkungen an
Eltern und Großeltern (künftig 20000 Euro)

- und 5200 Euro für übrige Erben oder Beschenkte (künftig 20000 Euro).

Hinzu kommt im Erbfall noch ein besonderer Versorgungsfreibetrag für den Ehegatten und Lebenspartner von bis zu 256000 Euro, für Kinder je nach Alter zwischen 10300 und 52000 Euro. Diese Beträge bleiben auch nach neuem Recht gleich hoch.

Was nach Abzug des Freibetrags übrig bleibt, wird künftig entsprechend der Tabelle auf der nächsten Seite besteuert. hm-Tipp: Rechnen Sie auch genau, wenn Sie etwa Ihren Kindern Geld zum Kauf oder Bau einer Immobilie schenken wollen. Das Finanzamt behandelt diesen Betrag, wie wenn Sie die Immobilie direkt geschenkt hätten. Bei der derzeit niedrigen Bewertung, allerdings auch bei nur etwa halb so hohen Freibeträgen heißt es hier je nach Ergebnis „sofort handeln“ oder „abwarten“.

Betriebsnachfolge

Beim Privatvermögen sind sich die Großkoalitionäre in Berlin einig. Bei der Betriebsnachfolge jedoch wird immer noch an Details gefeilt. Immerhin in fast allen wichtigen Punkten unbestritten ist der Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht worden:

Abschlag, Freibetrag. So wird Betriebsvermögen um bis zu 85 Prozent von der Besteuerung ausgenommen. Voraussetzung ist in Betrieben mit mehr als zehn Mitarbeitern der Erhalt der Lohnsumme in Höhe von mindestens 70 Prozent über zehn Jahre sowie der Verbleib des Vermögens in der Firma für 15 Jahre. Wird das nicht erfüllt, kommt es zur Nachversteuerung. Ob dem Nachfolger der anteilige Vorteil erhalten bleibt, wenn er etwa nach fünf Jahren aufgibt, oder ob er dann alles gestrichen bekommt, darüber wird in Berlin noch heftig diskutiert.

Daneben wird dem Nachfolger für Betriebsvermögen von bis zu einer Million Euro ein Abzugsbetrag von bis zu 150000 Euro gewährt.

Steuerfrei übertragen. Wenn die Freibeträge voll ausgeschöpft werden können und das Unternehmen lang genug fortgeführt wird, bleibt maximal folgendes Betriebsvermögen steuerfrei:

- 3,3 Millionen Euro beim Ehegatten

- 2,8 Millionen Euro beim Sohn oder bei der Tochter

- 1,9 Millionen Euro beim Enkel

- 1,4 Millionen Euro bei Geschwistern, Neffen, Nichten, beim Dritten (etwa beim Mitarbeiter).

Bewertung. Wie hoch das Betriebsvermögen vom Finanzamt angesetzt wird, richtet sich nach dem Bewertungsgesetz. Dies gilt zukünftig unabhängig von der Rechtsform, also sowohl für Einzelunternehmen, GbRs, KGs und andere Personenfirmen als auch für GmbHs. Basis sind dabei nicht mehr die Werte der Bilanz, sondern grundsätzlich die zukünftig zu erwartenden Erträge. Der Substanzwert, also der Betrag der etwa beim Verkauf der Firma zu erzielen wäre, bildet den Mindestwert.

Daneben kann das Betriebsvermögen auch nach Verfahren bewertet werden, die zu außersteuerlichen Zwecken anerkannt sind. Hier sind im Handwerk besonders interessant:

- Der von der Arbeitsgemeinschaft der Wert ermittelnden Betriebsberater des Handwerks (AWH) entwickelte Standard für größere und mittlere Handwerksunternehmen.

- Die Multiplikatormethode für kleine Unternehmen.

- Andere branchentypische Verfahren.

„Der AWH-Standard hat ge-genüber anderen Ertragswertverfahren den Vorteil, dass handwerksspezifische Besonderheiten berücksichtigt werden und dass die Bewertung kostengünstiger ist“, erklärt Lefarth. „Er kommt zudem zu zutreffenderen Werten.“

Zusätzlich gilt: Sofern im vergangenen Jahr Firmenanteile an fremde Dritte verkauft worden sind, wird der Wert ausschließlich hieraus abgeleitet.

Begünstigtes Vermögen. Betriebsvermögen wird zukünftig deutlich begüns-tigt. Was dazu gehört, richtet sich mit der Reform allein nach der Gewinnermittlung für die Einkommen- oder Körperschaftsteuer. Auch Privatvermögen, das zu mindestens zehn Prozent betrieblich genutzt wird (gewillkürtes Betriebsvermögen), ist begünstigt. Vorausgesetzt wird jedoch, dass der vererbte oder verschenkte Gegenstand in den zwei Jahren vor der Übertragung bereits zum Betriebsvermögen gehört hat.

Nicht begünstigtes Vermögen. Für das Verwaltungsvermögen gibt es keine Vorteile. Hierzu zählen insbesondere vermietete und verpachtete Immobilien (außer bei einer Betriebsaufspaltung). Beteiligungen an Kapitalgesellschaften über 25 Prozent je Anteilseigner gehören nicht zum Verwaltungsvermögen.

Das Reformpaket soll bis Mitte des Jahres verabschiedet werden und für Erbschaften rückwirkend ab Anfang 2007 gelten. „In der Kombination aus Bewertungsabschlag, persönlichen Freibeträgen und vereinfachtem Bewertungsverfahren kann es gelingen, die Rahmenbedingungen für Betriebsübergaben deutlich zu verbessern“, lobt ZDH-Präsident Otto Kentzler. Er fordert für die Handwerksunternehmen in Deutschland, bei denen die Übergabe ansteht, aber auch „weitere fachliche Nachjustierungen“. Konkret solle die 15-Jahres-Frist für Nachfolger verkürzt werden und etwa auch vermietete Firmen-immobilien zum begünstigten Betriebsvermögen gerechnet werden.

harald.klein@handwerk-magazin.de

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