Außenstände -

Interview: „20 % aller Firmenpleiten durch zahlungsunfähige Kunden"

Die Rahmenbedingungen für das Handwerk sind eigentlich positiv. Dennoch sieht Thomas Kohlmeier, Präsidiumsmitglied des Bundesverbands Deutscher Inkassounternehmen, Gefahren.

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Dank der guten Konjunkturdaten hat sich die Zahlungsmoral in Deutschland zum vierten Mal in Folge verbessert, die Zahl der Insolvenzen sinkt und anhaltend niedrige Zinsen lassen die Kauflaune der Deutschen steigen. Allerdings sind auch über drei Millionen Haushalte in Deutschland verschuldet, die Zahl der Verbraucherinsolvenzen steigt. Was das für Handwerksunternehmer bedeutet, erklärt Thomas Kohlmeier, Vorstand der Legial AG und Präsidiumsmitglied des Bundesverbands Deutscher Inkassounternehmen e.V., im Interview mit handwerk magazin-Redakteur Marcus Creutz .

Herr Kohlmeier, alle reden von goldenen Zeiten für Handwerk und Wirtschaft - Sie nicht?

Thomas Kohlmeier: Die aktuellen Rahmenbedingungen für Handwerksbetriebe sind ohne Zweifel erfreulich. Dennoch sollte man diese Entwicklungen durchaus hinterfragen. So ist die steigende Kauflaune auch das Ergebnis der Sparmüdigkeit der Deutschen, die Kehrseite des anhaltend niedrigen Zinsniveaus. Diese Entwicklung begünstigt jedoch auch eine Überschuldung einzelner Haushalte.

Wie passt das zusammen?

Wenn Sparen keine Zinsen bringt, dann ist für viele Verbraucher die Versuchung groß, Güter und Dienstleistungen auf Kredit zu kaufen bzw. zu finanzieren, die knapp am Limit oder sogar jenseits des persönlichen finanziellen Spielraums liegen. Kommen dann noch unerwartete Ereignisse, wie beispielsweise unvorhergesehene Ausgaben für teure Reparaturen oder sogar der Verlust des Arbeitsplatzes hinzu, drohen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit bis hin zur Privatinsolvenz. Die steigende Konsumlaune der Verbraucher geht dann schnell zu Lasten von Handwerkern oder Handelsunternehmen.

Aber die aktuellen Insolvenzzahlen belegen das nicht.

Die günstige Entwicklung bei der rückläufigen Zahl der Verbraucherinsolvenzen ist auch darauf zurückzuführen, dass Schuldner versuchen, die Offenlegung ihrer Zahlungsunfähigkeit bis nach dem 1. Juli 2014 hinauszuzögern. Zu diesem Zeitpunkt trat die Reform des Verbraucherinsolvenzrechts in Kraft. Unter bestimmten Voraussetzungen halbiert sich dann die Restschuldbefreiungszeit. Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen rechnet daher mit einem Anstieg der Verbraucherinsolvenzen bis 2015 auf bis zu 100000 Fälle. Im Jahr 2014 waren es rund 90000.

Welche Konsequenzen hat die Reform des Verbraucherinsolvenzrechts für Handwerksbetriebe?

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