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Schwester Teresa Zukic im Interview Interview: Nicht jeder Mensch ist sympathisch

Schwester Teresa Zukic ist Nonne, Buchautorin, Vortragsrednerin und ehemalige Leistungssportlerin. Viele kennen sie als Skateboardfahrende Klosterschwester aus dem Fernsehen. Im Interview verrät sie, wie man es schafft mit jedem klarzukommen.

Sie halten Vorträge zum Thema „Jeder ist normal, bist du ihn kennst“. Wie meinen Sie das genau?

Jeder hat so seine Macken und Marotten. Es gibt sehr sympathische Menschen, aber auch sehr schwierige Menschen, die manchmal ihre Stacheln ausfahren. Ich zeige, wie man mit solchen Menschen umgeht und wie man Kränkung überwinden kann. Verletzung bzw. Kränkung ist das Top-Thema für jeden Menschen. Das passiert uns überall. Das Problem liegt darin, dass wir immer wieder über die schlechten Sachen die uns passiert sind nachdenken. Dadurch kränken wir uns immer wieder neu. Ich zeige, wie wir diesen Teufelskreis durchbrechen können.

Kann man prinzipiell mit jedem klarkommen?

Wir können lernen mit jedem umzugehen. Das muss nicht heißen, dass wir miteinander klarkommen. Menschen können auch so pedant sein, dass es keine gemeinsame Basis gibt. Überschreitet jemand persönliche Grenzen, zum Beispiel ein Narzisst oder es wird für einen selbst bedrohlich, muss man sich klar abgrenzen und sagen „Jetzt ist Schluss“.

Müssen Chefs und Mitarbeiter immer auf einer Wellenlänge sein?

Wenn ich jemanden begegne gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder finde ich ihn sofort sympathisch oder sofort unsympathisch. Aber wenn ich das Denken darf, darf der andere das auch. Das gilt natürlich auch für die Arbeitswelt. Es wird immer Menschen geben, die mir nicht sympathisch sind, trotzdem kann man sachlich miteinander umgehen. Man kann lernen, nicht alles zu persönlich zu nehmen und den anderen akzeptieren, wie er ist. Am besten spricht man das direkt an, um Schwierigkeiten vorzubeugen.

Kann eine Zusammenarbeit auf Dauer so funktionieren?

Ich bin ein positiver Mensch und denke, dass es immer eine Möglichkeit gibt. Es kann immer vorkommen, dass einem dies oder jenes nicht gefällt und man emotional gekränkt ist. Da muss man drüber stehen und sachlich bleiben.

Meinen Sie man sollte sich dann von seinen Emotionen Distanzieren?

Das Problem ist, dass unsere Gedanken zu unseren Gefühlen werden. Egal, ob positiv oder negativ. Wenn du dich nicht wohlfühlst und du Probleme hast, dann liegt das nicht daran, dass der andere so penetrant ist, sondern an deinen Gedanken über den anderen. Durch positive Gedanken kann man da gegenlenken.

Einige Psychologen vertreten die Meinung, dass je enger die Beziehung zwischen zwei Menschen ist, desto schmerzhafter wird sie. Weil je näher man sich kommt, umso deutlicher wird, wie unterschiedlich man im Grunde ist. Das erhöht den Stress, weil wir die Bestätigung in unserem Gegenüber suchen und brauchen. Was sagen Sie dazu?

Eine gewagte These. Die Theorie kenne ich nicht. Aber selbstverständlich ist es so, dass je mehr man sich auf einen Menschen einlässt, desto mehr vertraut man ihm an. Das ist in erste Linie sehr schön. Andererseits kennt der Mensch der dich am meisten liebt, natürlich deinen wunden Punkt und weiß, wie er dich treffen kann. Das ist natürlich auch ein Einfallfeld, wenn etwas schiefgeht, kann der andere dich genau an diesem Punkt treffen. Das ist immer eine Vertrauenssache und leider gibt es dabei auch Enttäuschung. Dabei gibt es nichts schöneres, als wenn jemand dich richtig kennt und dennoch liebt.

Sie leben in einer Gemeinschaft, in der man sich nicht aussuchen kann, mit wem man zusammenlebt. Wie handhaben Sie Konfliktsituationen dort?

Ich hab das Glück, dass wir uns einander ausgesucht haben. Es gibt selten Konflikte, weil wir ein gemeinsames Ziel haben, das wir alle mit Leidenschaft verfolgen. Das bereitet uns sehr viel Freude. Aber natürlich gibt es in jeder Gemeinschaft mal Konflikte – auch bei uns knallt mal eine Tür. Dafür haben wir ein Ritual entwickelt. Dann sagen wir einfach nochmal „Guten Morgen“, egal ob nachmittags oder abends um Zehn. Wenn das jemand sagt, dann ist der Streit schnell beendet. Dann fangen wir den Tag nochmal von vorne an. Denn allen ist klar, dass es sich nichts bringt, wegen einer Lappalie so viele Stunden verärgert zu sein. Wenn das alle Menschen machen würde, dann würd es ein bisschen anders ausschauen auf der Welt.

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