Lohnuntergrenzen: Tarifliche Mindestlöhne im Handwerk

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Wenn Sie wissen wollen, wie die Lohnuntergrenzen in Ihrer Branche sind, können Sie das mit dem Mindestlohnrechner von handwerk magazin herausfinden.

Tarifliche Mindestlöhne gibt es im Handwerk in sieben Branchen. – © ddp

Tarifverträge legen Untergrenzen fest, die bei gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben nicht unterschritten werden dürfen. Mit dem Mindestlohnrechner können Sie sich über die untersten Tarifvergütungen informieren. Wählen Sie zunächst eine Branche aus. Im nächsten Schritt können Sie dann ein Tarifgebiet festlegen. Berücksichtigt werden Tarifvergütungen für Beschäftigte ab dem 18. Lebensjahr. Es handelt sich jeweils um Bruttobeträge. Die übersichten informieren über die tariflichen Grundvergütungen, wie sie für tarifgebundene Arbeitgeber gelten. Die Zahlen sind vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI), einer Forschungsabteilung der Hans-Böckler-Stiftung.

Rechner: Mindestlohn in Deutschland

Stand: 07/2013

Forschungsergebnisse zum Mindestlohn

Im Koalitionsvertrag war vereinbart worden, die bestehenden gesetzlichen Regelungen zu Mindestlöhnen zu evaluieren und zu überprüfen, ob sie Arbeitsplätze gefährden oder neuen Beschäftigungsverhältnissen entgegenstehen und ob sie sowohl den erforderlichen Schutz der Arbeitnehmer als auch die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Branchen gewährleisten. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat die Evaluation von acht Branchen durchführen lassen. Aus dem Handwerk sind dabei: Maler und lackierer, Dachdecker, Elektrohandwerk, Bauhauptgewerbe und Gebäudereinigerhandwerk. Es wurden die bestehenden Mindestlöhne hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Beschäftigung, den Arbeitnehmerschutz und den Wettbewerb untersucht. Die Abschlussberichte finden Sie zum Herunterladen als PDF unter:

http://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsrecht/Meldungen/evaluation-mindestloehne.html

Mindestlohngesetze

Das Arbeitnehmer-Entsendegesetz und das Mindestarbeitsbedingungengesetz stellen die rechtlichen Weichen für die Entwicklung von Mindestlöhnen. Das Arbeitnehmer-Entsendegesetz bietet einen Rechtsrahmen, um branchenbezogene Mindestlöhne für alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen einer Branche verbindlich zu machen, unabhängig davon, ob der Arbeitgeber seinen Sitz im In- oder Ausland hat. Neun Branchen sind in den Schutz des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes aufgenommen:

  • Bauhaupt- und Baunebengewerbe
  • Gebäudereinigung
  • Briefdienstleistungen
  • Sicherheitsdienstleistungen
  • Bergbauspezialarbeiten auf Steinkohlebergwerken
  • Wäschereidienstleistungen im Objektkundengeschäft
  • Abfallwirtschaft einschließlich Straßenreinigung und Winterdienst
  • Aus- und Weiterbildungsdienstleistungen nach dem Zweiten oder Dritten Buch Sozialgesetzbuch
  • Pflegebranche (Altenpflege und ambulante Krankenpflege).

Das Mindestarbeitsbedingungengesetz ermöglicht die Festsetzung von Mindestarbeitsentgelten für die Wirtschaftszweige, in denen die tarifgebundenen Arbeitgeber bundesweit weniger als 50 Prozent der unter den Geltungsbereich aller Tarifverträge fallenden Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen beschäftigen. Ein dauerhaft einzurichtender Hauptausschuss prüft, ob in einem Wirtschaftszweig soziale Verwerfungen vorliegen und entscheidet, ob in diesem Wirtschaftszweig Mindestarbeitsentgelte festgesetzt, geändert oder aufgehoben werden.

Ein Fachausschuss, der sich aus Vertretern des Wirtschaftszweigs zusammensetzt, kann dann die konkrete Höhe des jeweiligen Mindestlohns anhand vorgegebener Kriterien durch Beschluss festlegen. Auf Vorschlag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales kann die Bundesregierung die vom Fachausschuss beschlossenen Mindestarbeitsentgelte als Rechtsverordnung erlassen.

Die Mindestarbeitsentgelte sind für alle in- und ausländischen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zwingend und unabdingbar. Aus Gründen des Vertrauensschutzes geht ein zu einem Stichtag bestehender Tarifvertrag für die Zeit seines Bestehens den festgesetzten Mindestarbeitsentgelten vor. Ein Folgetarifvertrag, mit dem die Tarifvertragsparteien ihren am Stichtag bestehenden Tarifvertrag ablösen bzw. ersetzen, genießt ebenfalls Vorrang.