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Betriebshygiene Infektionsschutz im Betrieb: Was Chefs ab sofort beachten müssen

In der akuten Coronapandemie ist der Schutz vor einer Übertragung des SARS-CoV-2-Virus das zentrale Thema. Die meisten empfohlenen Hygiene-Regeln entsprechen im Kern den üblichen Verhaltensregeln in der Grippesaison, doch der neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard geht deutlich darüber hinaus. Was Sie jetzt wissen müssen.

Topic channels: TS Arbeitsschutz und Gesundheit und TS Coronavirus
Der neue Coronavirus wird durch Tröpfchen übertragen. Daher konzentriert sich der am 16. April vorgestellte neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard auf die gebotenen Maßnahmen zum Infektionsschutz bei der persönlichen Hygiene, der Kontaktvermeidung und dem Abstandhalten. Die folgenden Grundregeln sollten deshalb in allen Betrieben beachtet werden:
  • Einen Abstand von mindestens 1,50 m halten und auf das Händeschütteln verzichten.
  • Bei einem Husten- oder Niesreiz die Armbeuge nutzen, um das Schleudern von Tröpfchen in die Umgebung möglichst zu minimieren.
  • Die Hände regelmäßig und gründlich reinigen.
  • Sich möglichst wenig ins Gesicht fassen.
 Durch den neuen Arbeitsschutzstandard kommen zwei verbindliche Grundregeln dazu:  
  1. Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn der Mindestabstand beim Arbeiten nicht eingehalten werden kann.
  2. Bei Atemwegsbeschwerden oder gar Fieber nicht erst zur Arbeit gehen, sondern zu Hause bleiben.
Beschäftigte mit Symptomen sollten das Betriebsgelände umgehend verlassen. Bis zur Klärung durch einen Arzt gelten diese Mitarbeiter als arbeitsunfähig. Vom Arbeitgeber wird gefordert, in einem betrieblichen Pandemieplan festzulegen, wie er bei eine bestätigten Infektion die Kontaktpersonen ermittelt und informiert.  

So schützen Sie Mitarbeiter und Kunden

Je nach Arbeitsplatz, Branche und Tätigkeit haben Betriebe weitere Pflichten, der Ausbreitung von SARS-CoV-2 entgegenzuwirken und die eigenen Mitarbeiter, aber auch Besucher und Kunden zu schützen. Die Hygienemaßnahmen lassen sich grob dem im Arbeitsschutz bewährten TOP-Prinzip zuordnen:
  1. Technik: Wie können wir die Übertragung des Virus durch Hygienebarrieren und Reinigungsverfahren stoppen?
  2. Organisation: Wo können wir Arbeiten zeitlich oder räumlich so trennen, dass möglichst wenig Mitarbeiter zur gleichen Zeit am gleichen Ort sind?
  3. Persönlicher Schutz: Wann und wo wird welche Atemschutzausrüstung notwendig?
 

Auch der neue Arbeitsschutzstandard baut das betriebliche Maßnahmenkonzept gemäß der TOP-Rangfolge auf. Es ist damit zu rechnen, dass die hier grob skizzierten Vorgaben in den nächsten Tagen und Wochen durch Bestimmungen der einzelnen Berufsgenossenschaften konkretisiert werden. 

Durch Hygiene-Barrieren die Virenverbreitung stoppen

Es sind bisher keine Fälle von Corona-Infektionen durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen, Transportverpackungen, Waren, Postsendungen oder über Lebensmittel bekannt. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) sind jedoch Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, denkbar. Bislang wird eine solche Schmierinfektionen als eine gegenüber der Tröpfcheninfektion deutlich geringere Gefahr gesehen. Dennoch sollten Hygienemaßnahmen auch überall dort ansetzen, wo Kontaktflächen im Betrieb häufig und von unterschiedlichen Personen berührt werden. Folgende Maßnahmen werden vorgeschlagen bzw. vorgegeben:
  • Wo Mitarbeiter auf Kunden treffen (Kundentheke, Auftragsannahme, Kassenarbeitsplätze), Abdeckungen, Schutzhauben, Plexiglaswände oder ähnliches als Tröpfchenschutz anbringen.
  • Nicht zwingend erforderliche Formalitäten wie das persönliche Gegenzeichnen von Dokumenten oder das handschriftliche Bestätigen von Lieferungen usw. großzügig handhaben, das Verwenden von Stiften durch unterschiedliche Personen vermeiden.
  • Bei Bezahlvorgängen auf Bargeld verzichten und auf bargeldlose Verfahren umstellen.
  • Reinigungsprozedere festlegen für übertragungsrelevante Oberflächen und Gegenstände wie Touchscreens, Lichtschalter, Türklinken, Stellteile von Maschinen, gemeinsam benutzte Tastaturen, Werkzeuge usw.
  • Durch das regelmäßiges Lüften von geschlossenen Räumen, die Luftqualität verbessern.
  • Firmenfahrzeuge mit „Utensilien zur Handhygiene und Desinfektion“, Papiertüchern und Müllbeuteln ausstatten.
Hat ein Mitarbeiter Bedenken, trotz Hygienemaßnahmen seine Tätigkeit weiterzuführen, etwa weil er einer Risikogruppe angehört, sollte er sich an den Betriebsarzt wenden sowie die Fachkraft für Arbeitsschutz. Ausgehend von den konkret vorliegenden möglichen Übertragungswegen im Betrieb, an bestimmen Arbeitsplätzen oder bei bestimmten Tätigkeiten muss dann gemeinsam nach geeigneten Schutzmaßnahmen gesucht werden. 

Durch Arbeitsorganisation die Ansteckungsgefahren vermindern

Arbeitssituationen, in denen mehrere Mitarbeiter im gleichen Raum oder nahe beieinander tätig sind, sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Hier sollten alle Möglichkeiten einer zeitlichen oder räumlichen Trennung genutzt werden wie etwa:
 
  • Anfahrten zu Einsatzorten, Baustellen, Montagestellen unter Wahrung der Abstandsgebote, notfalls Mitarbeiter mit PKW anreisen lassen statt alle in einen Kleinbus zu quetschen.
  • Büros nur noch einzeln besetzen und die übrigen Mitarbeiter wechselweise ins Homeoffice schicken.
  • Bei Vorgängen mit persönlichem Kontakt wie Terminabsprachen, Beratungen, Auftragsannahmen usw. auf kontaktlose Abläufe wie Telefon, Chat, Skype usw. umschwenken.
  • Präsenzveranstaltungen wie Schulungen und Unterweisungen vorübergehend virtuell durchführen, über Schulungssoftware, kostenlose Lernmittel der BG, Online-Meetings, Webinare usw.
  • Das Bilden von Menschenansammlungen oder Warteschlangen verhindern. d. h. an Ausgabestellen für Waren, an Kundentheken, an Kassen usw. alle Möglichkeiten einer Personenlenkung nutzen: Beschilderungen, Kennzeichnungen, Bodenmarkierungen, Absperrbänder, Einlassregeln usw., bei Bedarf auch mit Kontrolle / Security
  • Das Zuteilen von Arbeitszeiten und Arbeitsorten flexibel gestalten, um das Zusammentreffen von Personengruppen zu entzerren, dazu dienen z. B. auch versetzte Pausen.
Für Beschäftigte aus Risikogruppen (Diabetes, Asthma u. a.) muss der Betriebsinhaber eine arbeitsmedizinische Beratung sicherstellen.

Tipp: Bilden Sie in größeren Belegschaften kleine Teams mit fester Zusammensetzung statt ständig wechselnde Gruppen. Gleiches gilt beim Einteilen der Mitarbeiter in Schichtpläne. Bei einer Ansteckung und folgender Quarantänepflicht fällt dann nur ein Team oder eine Schicht aus und nicht die komplette Mannschaft. 

Atemschutz in der Diskussion

Die Verwendung von Atemschutz-PSA wird kontrovers diskutiert. Für Berufe im Gesundheitswesen ist medizinischer Atemschutz gemäß der Medizinprodukte-Verordnung unverzichtbar. An anderen Arbeitsplätzen ist das Tragen von Atemschutz gemäß der PSA-Verordnung geboten, etwa zum Schutz vor Feinstäuben oder giftigen Gasen. Maßgeblich ist jeweils die Gefährdungsbeurteilung im Betrieb und die jeweils zutreffenden Arbeitsschutzvorschriften. Aufgrund der Versorgungsengpässe in den Anfangstagen der Corona-Pandemie wurden einige der strengen Vorgaben an Herstellung und Vertrieb von Atemschutz-PSA vorübergehend gelockert. Wie sich die Liefersituation für Atemschutz in für Handwerker relevanten Bereichen (Baustelle, Lackierarbeiten usw.) entwickeln wird, ist kaum absehbar. Nutzen Sie alle Optionen, um mit vorhandenen Beständen zu haushalten, etwa indem Sie Stäube absaugen statt allein auf Atemschutzmasken zu setzen.

Tragen eines Behelfs-Atemschutzes in der Öffentlichkeit: der Trend der Experten geht nun dahin, nach anfänglichem Abraten einen solchen selbst genähten oder gebastelten Mund-Nasen-Schutz zu empfehlen. Fast alle Bundesländer haben inzwischen Tragepflichten für den öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen im Einzelhandel beschlossen. Dabei sind jedoch folgende Hinweise unbedingt zu beachten: Selbst hergestellte Behelfsmasken
 
  • sind weder geprüft noch zertifiziert. Sie können zwar dazu beitragen, dass der Träger weniger Tröpfchen verteilt, sie stellen jedoch keinen sicheren Eigenschutz für den Träger dar, z. B. beim Umgang mit bereits infizierten Personen.
  • dürfen nicht dazu verleiten, andere Hygienemaßnahmen wie Händewaschen, Abstandhalten und Kontaktvermeidung zu vernachlässigen.
  • sind kein gleichwertiger Ersatz für die am Arbeitsplatz vorgeschriebene Atemschutz-PSA.
Noch ist nicht abzusehen, wie sich die Situation mittelfristig verändert und welche Pflichten für wie lange aufrechterhalten werden. Die Empfehlungen und Vorgaben zum Infektionsschutz können je nach den aktuellen Entwicklungen verschärft oder gelockert werden. Sie beschäftigen Mitarbeiter, die mit der deutschen Sprache weniger gut vertraut sind? Nutzen Sie die offiziellen Hygiene-Tipps für Zielgruppen in anderen Sprachen.

Wichtiger Hinweis: Die oben genannten Empfehlungen zum Infektionsschutz gelten für die aktuelle Corona-Pandemie. Bei einer Erkrankungswelle mit anderen Krankheitserregern kann es andere Übertragungswege geben, so dass die jetzigen Empfehlungen dann nicht 1 zu 1 übernommen werden dürfen, sondern angepasst werden müssen. Maßgeblich für Betriebe und Unternehmen sind im Zweifelsfall die Vorgaben des BMAS sowie die Informationen der BAuA und der DGUV.

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