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1. Platz 2014: In großen Maßstäben

Heinz Tretter (40) entwarf im Jahr 2007 ein Modulsystem für Klettergärten. Inzwischen verkauft der Zimmerer aus dem bayerischen Lenggries seine Anlagen in die ganze Welt. Er profitiert davon, dass Klettern im Trend liegt. Und er expandiert konsequent.

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Heinz Tretter kommt bodenständig daher. Da ist seine breite bayrische Mundart. Und die Tatsache, dass er in seinem Heimatort, dem oberbayerischen Lenggries, eine Zimmerei führt. Doch Tretter hat auch ein System zum Bau von Klettergärten und -Wänden erfunden, das er inzwischen unter dem Markennamen „KristallTurm“ in alle Welt verkauft. Gerade erst hat er einen Lizenzvertrag mit einem kanadischen Industriellen abgeschlossen, der den Bausatz künftig in den USA produzieren will.

Die KristallTürme bestehen aus Stahlmasten und Planken sowie genormten und patentierten sechseckigen Holz-Plattformen, lassen sich fast beliebig kombinieren und mit neuen Stationen erweitern. Tretter stellt mit seinem Team inzwischen sogar die Metallteile selbst her. Der 40-jährige ist also mehr Produzent als Handwerker.

Zimmerer, Skilehrer, Multitalent

Tretter hat sich inzwischen daran gewöhnt, in großen Maßstäben zu denken. Nach der Schule machte er eine Lehre als Zimmerer, arbeitete als Einzelkämpfer. Parallel wurde er Skilehrer, eröffnete im Jahr 2001 seine eigene Skischule. Die lief so gut, dass er kaum noch Zeit zum Zimmern hatte, erinnert sich Tretter. So kam er auf die Idee mit dem Klettergarten. „Klettern ist ein Trendsport – und das passte gut zur Skischule.“

Tretters Fachkenntnis als Zimmerermeister zahlte sich aus: Bei der Planung seines Klettergartens erfand er das KristallTurm-System. Dann ging es schnell. Im Internet sahen Freizeitparkbetreiber den Lenggrieser Klettergarten und wollten auch so einen haben, im Jahr 2010 bestellte der erste Kunde, Tretter gründete sein Unternehmen.

In Lenggries daheim, in der Welt Zuhause

Inzwischen hat er zwölf der Anlagen verkauft, die 100.000 bis 250.000 Euro pro Stück kosten können, unter anderem in die Schweiz und in den US-Bundesstaat Ohio, Großaufträge lagen auch schon mal bei über 700.000 Euro. In seinen Orderbüchern stehen KristallTürme für Russland, Indien, Dubai – und für zwei Kreuzfahrtschiffe. Er hat sich für den weltweiten Vertrieb mit einem Lieferanten von Wasserrutschen und einem Skilift-Hersteller zusammengetan. Inzwischen bringen 15 Verkäufer weltweit Klettergärten aus Lenggries an den Mann.

„Das explodiert gerade förmlich“, freut sich Unternehmer Tretter. Aber er hat ja auch noch viel vor. Die Marke „KristallTurm“ ist in 30 Ländern geschützt. Der Umsatz hat sich seit 2010 mehr als vervierfacht, wird 2014 voraussichtlich bei rund zwei Mio. Euro liegen. Schon 2013 hatte Tretter einen ähnlichen Gewinn gemacht. Dank der exzellenten Zahlen bekommt er jetzt auch von seiner Bank Geld für die weitere Expansion. Zusammen mit einer Leasing-Gesellschaft bietet er Kunden neuerdings die Möglichkeit, KristallTürme in Raten zu bezahlen. Inzwischen hat er 13 Angestellte, nur vier Jahre nach Gründung. 2015 will Tretter weiter einstellen – und in eine größere Halle umziehen.

Nur zum Zimmern kommt Tretter kaum noch: Für Freunde und Verwandte rückt er bisweilen zwar noch aus, um auch einmal einen Dachstuhl oder eine Blockhütte zu bauen. „Aber das machen wir eigentlich eher nebenbei.“

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