Arbeitsrecht -

Urlaubssperre In diesen Fällen dürfen Sie Mitarbeitern den Urlaub verweigern

Es gibt Fälle, da muss der Arbeitgeber zum Urlaubswunsch seiner Mitarbeiter leider Nein sagen. Der Spielraum dafür ist aber recht klein. Was Chefs dürfen, erläutert handwerk magazin in Zusammenarbeit mit Ecovis-Arbeitsrechtsexperte Thomas G.-E. Müller.

Themenseiten: TS Arbeitsrecht und TS Urlaub

Der Gesetzgeber erlaubt Arbeitgebern nur zwei Gründe, wann sie ihren Mitarbeitern den Urlaub verwehren dürfen: Entweder stehen dem Urlaub dringende betriebliche Erfordernisse entgegen oder die Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer gehen unter sozialen Gesichtspunkten vor.

Dringende betriebliche Gründe für eine Urlaubssperre

  • Personelle Engpässe. Der Urlaub kann Mitarbeitern in Zeiten von personellen Engpässen in Saison- und Kampagnenzeiten verweigert werden.
  • Plötzlich auftretende Produktionsnachfragen. Kommt ein großer Auftrag rein, kann das ein Grund sein, den Urlaub eines Mitarbeiters zu verschieben.
  • Abschluss- und Inventurarbeiten. Steht eine Inventur an, wird jede helfende Hand gebraucht. Auch hier kann eine Urlaubssperre verhängt werden.
  • Waren können verderben. Muss die Ware schnell verarbeitet werden, weil sie sonst verdirbt, kann der Urlaubswunsch eines Mitarbeiters ebenfalls abgelehnt werden.
Doch Vorsicht ist geboten: Liegen dringende betriebliche Gründe vor, reichen diese alleine nicht für ein Nein zum Urlaub. Vielmehr müssen die Interessen des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers gegeneinander abgewogen werden. Nur wenn die Abwägung ergibt, dass die Interessen des Arbeitgebers schützenswerter sind, darf der Chef den Urlaub ablehnen.

Soziale Gründe für eine Urlaubssperre

Soziale Gesichtspunkte, die den Urlaubswünschen anderer Arbeitnehmer den Vorrang geben, sind:

  • Lebensalter
  • Dauer der Betriebszugehörigkeit
  • Alter und Zahl der Kinder unter Berücksichtigung ihrer Schulpflicht
  • Gesundheitszustandt
  • Urlaub anderer Familienangehöriger
  • Bestehendes Erholungsbedürfnis in einer bestimmten Jahreszeit
  • Urlaubsregelung in den vergangenen Jahren
Das heißt: Will der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer den Urlaub unter Hinweis auf den Vorzug anderer Arbeitnehmer versagen, so muss er zuvor die genannten sozialen Gesichtspunkte abwägen.

Generelle Urlaubssperre ist verboten

"Nach wie vor hält sich der Irrglaube, dass Arbeitgeber eine generelle Urlaubssperre verhängen dürfen", sagt Thomas G.-E. Müller, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Ecovis in München. "Das stimmt aber nicht – auch nicht in der Probezeit." Arbeitgeber können lediglich einzelnen oder mehreren Arbeitnehmern aus den genannten Gründen den Urlaub verweigern. In der Praxis sind es laut Arbeitsrechtsexperte Müller meist dringende betriebliche Gründe.

© handwerk-magazin.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen