Politik -

IHM: Resolution für eine moderne Handwerkspolitik

Einen Zukunftsdialog für das Handwerk haben das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und der Zentralverband des Deutschen Handwerks vereinbart. Auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM) 2015 in München unterschrieben Bundesminister Sigmar Gabriel und ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer eine entsprechende Resolution.

Themenseite: Internationale Handwerksmesse

Das Handwerk leistet mit rund einer Million meist inhabergeführten Betrieben, über 5 Millionen Beschäftigten und rund 380.000 Auszubildenden einen zentralen Beitrag zu Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland. Mit Innovationen, hohem Qualitätsanspruch und großem Engagement im Bereich Ausbildung und Qualifizierung trägt das Handwerk
entscheidend zur Zukunftsgestaltung Deutschlands bei.

Diese Leistungen erfordern Rahmenbedingungen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe stärken. Der demografische Wandel, die Fachkräftesicherung, die Umsetzung von Innovationen und Investitionen, die Energiewende und die Digitalisierung stehen beispielhaft für viele Herausforderungen, aber vor allem auch Chancen für das
Handwerk.

Branchendialog zur Zukunft des Handwerks

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) haben daher einen Zukunftsdialog für das Handwerk vereinbart, der am 19. Mai und am 9. Juni 2015 stattfinden wird.

Diesem so genannten „Branchendialog“ wird eine Online-Befragung des Handwerks vorgeschaltet. Ziel ist die Erarbeitung eines „Masterplans Handwerk“, der die Handwerkspolitik der nächsten Jahre prägen soll.

Wirtschaftministerium und ZDH laden die Handwerkerinnen und Handwerker Deutschlands ein, sich an dem Dialog zu beteiligen und einzubringen.

handwerk magazin gibt einen Überblick über die wichtigsten Punkte des Branchendialogs.

Investitionen und Innovationen

Innovationen erfordern Investitionen. Handwerksbetriebe müssen dazu über eine ausreichende Eigenkapitaldecke verfügen. BMWi und ZDH sind sich einig, dass die Eigenkapitalbasis und die Liquidität der Betriebe gestärkt werden müssen.

Geeignete Maßnahmen könnten dazu beispielsweise verbesserte Abschreibungsbedingungen und eine praxisgerechte Thesaurierungsrücklage sein. Aber auch die Betriebe des Handwerks sind hier gefordert.

Innovationen erfordern, dass Know-how und Kompetenz des Handwerks weiter gestärkt werden, damit sich die Betriebe auf neue Märkte passgenau ausrichten – aktuell etwa in den Bereichen Energie, Elektromobilität und digitaler Wirtschaft.

BMWi und ZDH sind sich darin einig, dass die Stärkung der bestehenden Bildungs- und Beratungsstruktur der
Handwerksorganisation eine zentrale Voraussetzung für diesen Transfer von Know-how ist.

Fachkräftesicherung

Der Fachkräftebedarf im Handwerk wird langfristig nur gedeckt werden können, wenn Initiativen des Handwerks und flankierende Maßnahmen der Politik ineinandergreifen. Ziel muss es dabei sein, die Attraktivität der dualen Ausbildung weiter zu erhöhen, Betriebe und Jugendliche für eine ganzheitliche duale Ausbildung zu gewinnen und dabei auch Zielgruppen wie Frauen, Wiedereinsteiger, Ausbildungs- oder Studienabbrecher sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund stärker für das Handwerk zu begeistern.

BMWi und ZDH stimmen darin überein, dass die Attraktivität der Aus- und Weiterbildung im Handwerk gesteigert werden muss. Das bedeutet insbesondere eine Weiterentwicklung der Fort- und Weiterbildungsangebote und eine zielgerichtete Modernisierung der Berufsbilder, etwa im Hinblick auf die Herausforderungen der Energiewende
und die Digitalisierung der Wertschöpfungsketten.

Die Handwerksorganisation wird alle ihre Möglichkeiten nutzen, für die duale Berufsbildung im Handwerk zu werben und ihre Vorzüge darzustellen. Eine entscheidende Voraussetzung für die Attraktivität beruflicher Bildung ist deren Gleichwertigkeit mit akademischer
Bildung.

Gründung und Nachfolge

Zum Prinzip Handwerk gehört das Gründen, Wachsen und Übergeben von Betrieben.

Wirtschaftsministerium und ZDH sind sich darin einig, dass nachhaltige Existenzgründungen und Unternehmensnachfolgen gestärkt werden müssen. Sie setzen sich daher bei der Unternehmensnachfolge dafür ein, dass die Betriebe übergabefähig bleiben. Mit Blick auf das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Erbschaftssteuer soll diese bei ihrer
Neuregelung mittelstandsgerecht ausgestaltet werden, weiterhin das Betriebsvermögen schonen und für Kleinbetriebe handhabbar sein.

Energieeffizienz – Umsetzung und Beratung

Mit seinen Leistungspotenzialen im Bereich Energieeffizienz kann das Handwerk maßgeblich zum Gelingen der Energiewende beitragen – in der Umsetzung als Dienstleister wie als kompetenter Berater.

BMWi und ZDH sind sich darin einig, dass dieses Potenzial in den Programmen der Bundesregierung noch mehr genutzt und gehoben werden kann. Das schließt Anbietervielfalt, KMU-Tauglichkeit, Technologieoffenheit und den Zugang zu Energiedienstleistungsmärkten ein. Zudem soll eine Qualifizierungsoffensive für die Energie- und Effizienzwende starten.

Digitalisierung und Infrastrukturpolitik

Die tiefgreifenden Veränderungen der Wertschöpfungsketten durch die Digitalisierung erfassen alle Wirtschaftsbereiche – auch das Handwerk. BMWi und ZDH sind sich deshalb darin einig, dass das Handwerk umfassend in die Digitale Agenda der Bundesregierung einbezogen wird. Ein Schwerpunkt der gemeinsamen Bemühungen gilt dem Ausbau entsprechender Kompetenzzentren.

Mit seinen Produkten und Leistungen schafft das Handwerk nachhaltige Werte und trägt zur Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur bei.

BMWi und ZDH setzen sich deshalb bei der Umsetzung der europäischen Vorgaben für ein mittelstandsgerechtes Vergaberecht ein. Ergänzende Finanzierungskonzepte zur Einwerbung privaten Kapitals (ÖPP- oder Fondsmodelle) sollen mittelstandsgerecht ausgestaltet werden.

Sozialpartnerschaft und Tarifautonomie

Das Handwerk zeichnet sich in besonderer Weise durch ein hohes Maß an Verantwortung gegenüber den Beschäftigten aus. Die Sozialpartnerschaft ist die Basis für den Erfolg im Wettbewerb und die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte.

BMWi und ZDH sind sich daher einig, dass Tarifautonomie und Tarifbindung weiter gestärkt werden müssen.

Selbstverwaltung im Handwerk

Für ein leistungsstarkes Handwerk sind lebendige Organisationen und aktive Mitglieder unverzichtbar. Das stärkt unternehmerische Initiative, bürgerschaftliches Engagement und die Teilhabe von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

BMWi und ZDH sind sich einig, dass die Selbstverwaltung auch künftig zentrales Element moderner Handwerkspolitik bleiben muss. Die Selbstverwaltung wird vom Ehrenamt getragen. BMWi und ZDH werden daher eine Initiative ins Leben rufen, die ehrenamtliches Engagement in der Selbstverwaltung fördert und unterstützt.

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