Betriebswirt des Handwerks: Ausbildung neu geregelt

Die Spitzenweiterbildung für Handwerker wurde reformiert. Ein neuer Name, neue Inhalte und höhere Anforderungen setzen den Abschluss in der Wertigkeit über den Meisterbrief.

Die erfolgreichste Weiterbildung im Handwerk wird modernisiert: Aus dem „Betriebswirt (HWK)“ wird der „ geprüfte Betriebswirt (HwO)“. Für die Aufstiegsfortbildung zur Führungskraft ist eine bundeseinheitliche Verordnung erlassen worden, die auf der Handwerksordnung basiert und mit dem IHK-Abschluss zum „geprüften Betriebswirt“ nach dem Berufsbildungsgesetz gleichgestellt ist.

Neben dem Namen haben sich aber auch die Studieninhalte sowie die Anforderungen verändert, gleich geblieben ist der Anspruch: Betriebswirte des Handwerks sind Führungskräfte, entweder als selbständige Unternehmer oder als leitende Angestellte im Handwerksbetrieb.

Die neue Prüfungsverordnung zum „geprüften Betriebswirt (HwO)“ gilt seit April 2011. Aber das heißt nicht, dass keine Seminare nach der alten Regelung mehr angeboten werden oder sogar Teilnehmer der Aufstiegsfortbildung diese nun abbrechen müssen. Noch bis Ende 2015 dürfen die Handwerkskammern Fortbildungen zum „Betriebswirt (HWK)“, also nach den alten Lehrplänen, anbieten. „Nach dieser Übergangszeit, also spätestens ab Anfang 2016, muss die neue Prüfungsverordnung umgesetzt sein. Sie ersetzt damit die laufenden Kammerregelungen“, betont Heike Eggers vom Institut für Technik der Betriebsführung (itb), das die Reform der Weiterbildung umgesetzt hat.

Betriebswirt über dem Meister angesiedelt

Der Betriebswirt ist auf der Meister-Plus-Ebene im Fortbildungsbereich angesiedelt und steht in der Wertigkeit somit über dem Meisterbrief. Dieser steht im deutschen Qualifikationsrahmen DQR auf der sechsten von acht Stufen und qualifiziert somit zum Bachelorstudium. „Die bildungspolitische Diskussion um die Einstufung des geprüften Betriebswirt (HwO) ist noch nicht abgeschlossen“, erklärt Eggers. Dabei wäre eine hochwertige Einstufung im DQR wünschenswert. Ziel sei es, dass die handwerklichen Betriebswirte den rein akademisch ausgebildeten in nichts nachstehen.

„Der Lehrplan umfasst nun 700 Unterrichtsstunden anstatt 500 und enthält alle Elemente einer strategischen Unternehmensführung“, so Eggers. Es gibt vier Prüfungsteile, in denen die Teilnehmer ausgebildet und geprüft werden. Dazu gehören Unternehmensstrategie, Unternehmensführung, Personalmanagement und Innovationsmanagement.

Die Fortbildung ist laut der itb-Expertin sehr handlungs- und kompetenzorientiert. Für die Teilnehmer werden Probleme als Aufgaben formuliert, die einen hohen praktischen Bezug haben. „Lernen, ein Unternehmen zu führen“, nennt das Bundesbildungsministerium das Konzept in der Broschüre „Mehr als meisterlich“ und betont die Nähe zu wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen. Die Aufstiegsfortbildung zum „geprüften Betriebswirt (HwO)“ befinde sich auf Akademikerniveau.

Neue Prüfungsmethoden

Kein neuer Lehrplan ohne neue Prüfungsinhalte und Prüfungsmethoden. Die Abschlussprüfung geht auf die vier Prüfungsteile Unternehmensstrategie, Unternehmensführung, Personalmanagement und Innovationsmanagement ein. Die Teile I und III werden in den jeweiligen Handlungsbereichen schriftlich anhand von betrieblichen Situationsaufgaben geprüft, der zweite Prüfungsteil befasst sich mit komplexen, die Handlungsbereiche übergreifenden Fragestellungen. In Teil IV ist eine schriftliche Projektarbeit anzufertigen, deren Ergebnisse anschließend in einer Präsentation dargestellt und begründet werden sollen. Im anknüpfenden Fachgespräch soll der Teilnehmer den Prüfern unter Beweis stellen, dass er seine Führungsaufgaben angemessen argumentieren und kommunizieren kann.

Schon seit 2012 bietet die Handwerkskammer Hamburg bei ihrem Bildungsträger Elbcampus Seminare nach der neuen Verordnung an. Die Erfahrung ist gut, betont Daniela Burr, Bereichsleiterin Prüfungswesen und Weiterbildungsförderung. „Wir haben viele Anfragen. Die erste Gruppe hat jetzt ihre Projektarbeiten im vierten Prüfungsteil abgegeben.“ Die Anforderungen seien für alle Beteiligten hoch, ob Schüler, Dozent oder Prüfer. Das zeige sich an der Zahl der Prüfungswiederholungen.

Betriebswirt-Ausbildung: jetzt mehr für Unternehmer konzipiert

In der Akademie des Handwerks bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main sind erste Programme in Planung, die im Spätsommer starten sollen. „Der neue Betriebswirt führt zu einer höheren Qualifikation“, ist sich Wolfgang Gebhardt von der Akademie sicher. Allerdings fürchtet er, dass die Teilnehmerzahlen geringer sein werden: „Die Anforderungen sind höher, die traditionelle Zielgruppe wird sich eher schwer tun.

An der Handwerkskammer Chemnitz startet im November ein Pilotkurs nach der neuen Verordnung - mit einem Blended-Learning-Konzept. Dabei kombiniert die Kammer klassische Präsenzveranstaltungen mit E-Learning-Methoden. Auf einer Online-Lernplattform können die Dozenten Materialien hinterlegen, oder aber die Teilnehmer und Dozenten treffen sich im Rahmen von Onlinekonferenzen im virtuellen Klassenzimmer und können interaktiv zugeschaltet werden.

Werner Storz, Leiter der Akademie Schloss Raesfeld, stellt die Bedeutung der strategischen Inhalte in den Vordergrund. Das sei für den Betriebswirt eine wesentliche Weiterentwicklung der bisherigen Fortbildung.

Auch die Handwerkskammer für Schwaben initiiert im Herbst diesen Jahres den Pilotkurs „Geprüfter Betriebswirt nach der Handwerksordnung“. Und das als Test für ganz Bayern, wie Rainer Hüls, Leiter der Weiterbildung, ausführt.

Thomas Schepelmann, Vorsitzender des Bundesverbandes der Betriebswirte des Handwerks, freut sich besonders, dass der Betriebswirt jetzt bundeseinheitlich geregelt und anerkannt ist. „Im Handwerk hatte die Fortbildung schon immer eine überragende Stellung, doch jetzt gilt das auch für andere Wirtschaftsbereiche“, erklärt Handwerksunternehmer Schepelmann.

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