Finanzierung -

Regionale Förderprogramme Hessen: Wachstum wird gefördert

74.509 Handwerksbetriebe gab es 2018 in Hessen. Immerhin sieben Prozent mehr als im Jahr 2008. Kammern, Wirtschaftsministerium und die Wirtschafts- und Strukturbank fördern das Wachstum.

Themenseiten: TS Fördermittel und TS Fördermittel Bundesländer

Hessen stellt mit seiner bevölkerungsreichsten Stadt Frankfurt den größten Finanzplatz Deutschlands. Europäische Zentralbank, Deutsche Bundesbank und die größten heimischen Banken wie Deutsche Bank, DZ Bank, KfW Förderbank und Commerzbank haben hier ihren Sitz. Hessen ist aber auch eine prosperierende Region des Handwerks. Drei Handwerkskammern, 22 Kreishandwerkerschaften, 74.509 Betriebe mit 365.200 Beschäftigten und 25.250 Azubis sind eine Macht im Bundesland. Rund 36,5 Milliarden Euro Umsatz hat das Handwerk im Jahr 2018 in der Region erwirtschaftet.

Damit der Wirtschaftszweig stark bleibt, bieten Wirtschaftsministerium und Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WI-Bank) sowie verschiedene Organisationen Unterstützung für Selbstständige, Freiberufler und Unternehmer. Je nach Standort, Unternehmensgröße und Status kommen unterschiedliche Angebote infrage. So gibt es zinsgünstige Finanzierungen etwa als Mikrodarlehen ab 3.000 Euro für Existenzgründer, einen Innovationskredit ab 100.000 Euro oder einen Kredit zur Wachstumsfinanzierung mit bis zu zwei Millionen Euro.

Bürgschaft ohne Bank

Auch Bürgschaften werden vergeben. Einerseits von der bis zu einer Höhe von 1,25 Millionen Euro, andererseits in Form von Landesbürgschaften in gleicher Maximalhöhe. Die Beantragung erfolgt über die Hausbank im Rahmen einer Finanzierungsanfrage für ein Vorhaben eines Handwerkunternehmers. Eine Besonderheit Hessens ist die BoB – die Bürgschaft ohne Bank. Hierbei wird die Bürgschaftszusage ohne Hausbank geprüft, der Antragsweg also umgekehrt. Unternehmer wenden sich direkt an die Bürgschaftsbank Hessen und schildern ihr Vorhaben. Die Bank prüft und gibt gegebenenfalls eine Bürgschaftszusage. Mit dieser Sicherheit können Handwerker dann ihre Bank oder Sparkasse aufsuchen und ihr Vorhaben vortragen. Gründer können die Bürgschaft in den ersten drei Jahren erhalten (50.000 Euro bis 450.000 Euro). Nachfolger werden mit Zusagen bis zu 650.000 Euro unterstützt, aber auch etablierte Unternehmen werden per Bürgschaft gefördert. Wer seinen Betrieb in einem regionalen Fördergebiet (GRW) hat oder plant, sich dort niederzulassen, darf auch auf Bares hoffen. So werden diverse unternehmerische Vorhaben, wie Gründung, Erweiterung oder Nachfolge beispielsweise im C-Fördergebiet Werra-Meißner mit 10 bis 30 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst. Bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Fördergebiet D sind es bis zu 20 Prozent, und in Einzelfällen wird auch außerhalb des GRW-Gebietes gefördert. So etwa im Rahmen des Hessischen Strukturförderprogramms, das KMU bis zu 20 Prozent Zuschuss gewährt – bezogen auf meist 300.000 Euro Investitionsvolumen je Dauerarbeitsplatz.

Besondere Fördermöglichkeiten gibt es für Unternehmen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen: Kleine und mittlere Unternehmen, die in Forschungs- und Entwicklungsprojekten miteinander kooperieren oder mit den Hochschulen des Landes zusammenarbeiten, erhalten individuelle Förderungen, um innovative Technologien noch besser vermarkten zu können (LOEWE-Förderlinie 3). Infos gibt es bei der Innovationsförderung Hessen. Gründungs- und Finanzierungsberatung sowie Beratung zum Unternehmensaufbau bietet der Verein H-A-T, Hessische Arbeitsgemeinschaft der Technologie-, Innovations- und Gründerzentren in Kassel. Die Experten helfen auch bei einer ersten Einschätzung der Marktpotenziale der Geschäftsidee eines Unternehmers.

Das Hessische Wirtschaftsministerium und sein Minister Tarek Al-Wazir engagiern sich ebenfalls für das Handwerk. Es unterstützt unter anderem die Bildungszentren der Handwerksorganisationen und übernimmt zum Teil die Kosten für ihre Leistungen. Außerdem finanziert es verschiedene Sonderberatungsstellen, wie die für Handwerk und Denkmalpflege in der Propstei Johannesberg in Fulda, die Außenwirtschaftsberatungsstelle für das hessische Handwerk in Darmstadt, sowie die Beratungsstelle Arbeitssicherheit und Gesundheitsförderung in Wiesbaden, und es vergibt den Hessischen Gestaltungspreis. Er zeichnet herausragende Arbeiten im gestaltenden Handwerk aus, insgesamt werden Preise in Höhen von 10.000 Euro vergeben.

Auf der Internetseite des Wirtschaftsministeriums, vernetzen.hessen.de/die-starthelfer/, finden gründungswillige sowie wachstumsorientierte Handwerksunternehmer einen guten Überblick über die Fördermöglichkeiten. Dort stehen auch die Details zur Initiative ‚ProAbschluss‘. Sie fördert Angestellte, die einen Berufsabschluss anstreben, mit bis zu 4.000 Euro je Nachqualifizierung. Eine Maßnahme, die Handwerksunternehmern hilft, dem Fachkräftemangel zu trotzen. Die Digitalisierung bedeutet für kleine und mittlere Unternehmen eine große Chance für effizientere betriebliche Prozesse, neue Produkte und Dienstleistungen oder innovative Geschäftsmodelle.

Digitalisierung wird gefördert

Das Land Hessen fördert kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft und freie Berufe bei der konkreten Einführung neuer digitaler Systeme sowie der Verbesserung der IT-Sicherheit. Damit sollen Effizienzvorteile und Wachstumspotenziale geschaffen und der Digitalisierungsgrad von Unternehmen aller Branchen erhöht werden. Dafür wurde das Projekt „DigiGuides“ 2018 von den 30 handwerklichen Fachverbänden in Hessen, die sich zu den Arbeitgeberverbänden zusammengeschlossen haben, ins Leben gerufen. Es läuft über einen Zeitraum von zwei Jahren und wird vom Hessischen Wirtschaftsministerium gefördert. Zudem kann das Handwerk in Hessen auf digitalstrategie-hessen.de einen Online-Schnell-Check bezüglich seines Betriebs durchführen. Ergebnis des Tests ist eine Status-quo-Bestimmung mit Empfehlung, wie die Digitalisierung weiter vorangetrieben werden kann. Außerdem gibt es den Kontakt zu Beratungsstellen und Fördermitteln. Auf der gleichen Internetseite gibt es auch die Details zum Digi-Zuschuss – ein Förderprogramm mit bis zu 10.000 Euro pro Unternehmen, die mindestens 4.000 Euro in die Digitalisierung investieren. Der Fördersatz beträgt bis zu 50 Prozent, die Antragstellung erfolgt bei der WIBank.

Förderübersicht So unterstützt das Wirtschaftsministerium

Durch die finanzielle Förderung von Existenzgründungberatung, Unternehmensberatung, Coachings und zielgerichteter Unternehmensanalysen will das hessische Wirtschaftsministerium die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Handwerksbetriebe fördern. Es übernimmt die Beratungskosten zu 100 Prozent. Antragstellung und Abwicklung erfolgen über die Hessen-Agentur (hessen-agentur.de).

Gefördert werden Beratungen, die von den drei hessischen Handwerkskammern (hwk-kassel.de, hwk-rhein-main.de, hwk-wiesbaden.de) oder den Arbeitgeberverbänden des Hessischen Handwerks e.V. (ah-hessen.de) durchgeführt werden.

Inhaltlich muss sich die Beratung mit Marketing, Kalkulation, Finanzierung, Konzeptentwicklung für ein Unternehmensprofil, Vorbereitung von Gesprächen mit der Bank, Betriebsnachfolge, Betriebsübernahme, Gründungsfragen oder Rechtsformen befassen.

Sonderberatungen durch die Handwerkskammern zu Energie- und Umweltberatung, Arbeitssicherheit, Denkmalpflege, Altbausanierung, Qualitätsmanagement, Digitalisierung oder Gestaltung im Handwerk.

Zusätzliche Programme
  • DigiGuides – Förderung der Digitalisierung. Ein Projekt der Arbeitgeberverbände des hessischen Handwerks e.V. Kostenübernahme zu 100 %.
  • Aufstiegsprämie – 1.000 € für das Ablegen der Meisterprüfung und alle Fortbildungsabschlüsse nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung, sofern sie im Deutschen Qualifikationsrahmen DQR mindestens dem Meisterniveau zugeordnet sind.
  • Innovationsförderung – bis zu 49 % der Projektausgaben von F&E-Projekten, die in Kooperation mehrerer Partner realisiert werden. Ziel muss die Entwicklung eines innovativen Produkts, neuartigen Verfahrens oder eine Dienstleistung sein. hessen-agentur.de.
Berufsausbildung – ergänzende, über das Regelangebot hinausgehende Maßnahmen der Berufsorientierung:
  1. Ausbildungsplatzförderung – wenn Ausbildungsplätze mit Altbewerbern, Ausbildungsabbrechern, Bewerbern mit Sprachförderbedarf oder Haftentlassenen, die im Gefängnis eine Ausbildung begonnen haben, besetzt werden.
  2. Gut ausbilden unterstützt Betriebe, Nachwuchs zu gewinnen und mit wettbewerbsfähiger Ausbildungsqualität an sich zu binden. Gefördert werden Qualifizierungs- und Beratungsmodule für Azubis, Leitungs- und Ausbildungspersonal.
  3. Qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule (QuABB). Ausbildungsbegleiter kümmern sich um abbruchgefährdete Jugendliche.
  4. Investitionen in überbetriebliche Berufsbildungsstätten (ÜBS) sowie überbetriebliche Lehrgänge (ÜAL) und sonstige Maßnahmen, die der Qualifizierung und Motivierung während der Berufsausbildung dienen.
  5. Mobilitätsberatungsstellen helfen beim Wunsch nach Auslandspraktika und berufsbezogenen Auslandsaufenthalten.
  6. „Wirtschaft integriert“ führt junge Flüchtlinge und Migranten mit Sprachförderbedarf auf den Weg zum Ausbildungsabschluss.
  7. Die OloV-Strategie (Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit) vernetzt alle Beteiligten beim Übergang von der Schule in den Beruf, um den Jugendlichen Umwege, Warteschleifen und Abbrüche zu ersparen.


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    Marktüberblick über die Förderprogramme der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank), die Handwerksunternehmer für ihre Investitionsvorhaben nutzen können.  Nutzen: Mit Hilfe dieser Tabelle mehr...

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