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Diesel-Nachrüstung Hersteller sollen die Kosten tragen

Bei einer möglichen Optimierung durch ein Software-Update von Euro-5-Dieselfahrzeugen auf einen geringeren Stickoxid-Ausstoß dürften den Autobesitzern keine Extrakosten entstehen, das sei Sache der Hersteller, fordert Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt.

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Nach einem Treffen mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatten die bayerischen Autohersteller Audi und BMW angekündigt, sie wollten ihre in Deutschland zugelassenen Euro-5-Dieselautos technisch nachrüsten. Auch die Regierung in München erwartet, dass Autobesitzern keine Kosten entstehen. Allerdings hat sich die Automobilindustrie dazu noch nicht konkret geäußert.

Anfang August soll jetzt erstmals ein „Nationales Forum Diesel“ tagen, wie Umwelt- und Verkehrsministerium mitteilten. Dort werde man „sicherlich“ eine Lösung finden, wie Nachrüstungen älterer Dieselautos ohne Belastung der Kunden ablaufen könnten, sagte Barbara Hendricks (SPD). Die Hersteller hätten die Chance, verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen. Auch andere betroffene Bundesministerien sollen sich beteiligen.

Fahrverbot trotz Nachrüstung

Auch wenn sich ein Konzept für eine Diesel-Nachrüstung abzeichnet, bleibt unklar, ob es künftige Fahrverbote verhindern wird. Nach Ansicht des baden-württembergischen Verkehrsministers Winfried Hermann (Grüne) komme die Nachrüstung wohl zu spät. "Der Zeitrahmen für eine Umrüstung ist für das Stuttgarter Neckartor dann vermutlich zu kurz", sagte Hermann der Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche.

ADAC testet Nachrüstmöglichkeit

Der ADAC testete an einem VW Passat Variant 1.6 TDI (B7) eine Nachrüstvariante. Ergebnis: Der Stickoxid-Ausstoß kann mit dem nachgerüsteten SCR-System (Selective Catalytic Reduction) samt AdBlue-Einspritzung in allen getesteten Fahrsituationen deutlich reduziert werden. So liegen die NOx-Werte sowohl im künftigen Zulassungszyklus (WLTC) als auch im ADAC Autobahnzyklus unter dem gesetzlichen Euro 6-Grenzwert (80 mg/km). Im realen Betrieb auf der Straße (Real Driving Emissions, RDE) wurde dieses Ergebnis bestätigt. Eine Vergleichsfahrt mit abgeschaltetem Nachrüstsystem zeigt, dass die NOx-Emissionen um mehr als 90 Prozent reduziert werden können.

Um die NOx-Emissionen unter dem Euro 6-Grenzwert zu halten, verbrauchte der Prototyp allerdings zwei Liter AdBlue pro 1.000 Kilometer. Die Abgasexperten des ADAC gehen auch auf Basis dieser Messung davon aus, dass je nach Größe, Gewicht und Motorisierung des Fahrzeugs für einen durchweg sauberen Betrieb zwischen 1,5 Liter und drei Liter AdBlue auf 1.000 Kilometer nötig sind. Die zusätzlichen Kosten für das AdBlue belaufen sich somit im ungünstigsten Fall auf etwa 20 Cent pro 100 Kilometer (bei einem Verbrauch von drei Litern AdBlue pro 1.000 Kilometer und einem Literpreis von 65 Cent).

Verbrauch und CO2-Ausstoß steigen um rund fünf Prozent

Zur Dosierung und Heizung des SCR-Nachrüstsystems wird elektrische Energie benötigt, die je nach Temperatur und Fahrprofil bei über 400 Watt liegen kann. Da diese Leistung von der Lichtmaschine des Autos zusätzlich produziert werden muss, hat das bei den ADAC-Messungen zu einem Verbrauchsanstieg von rund fünf Prozent geführt. Nicht zuletzt bleibt die Frage, ob ein solches System überhaupt flächendeckend in viele unterschiedliche Fahrzeugmodelle nachgerüstet werden kann. Oftmals fehlt es schlicht an Bauraum, um die Systemkomponenten unterbringen zu können so die ADAC-Experten.

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