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Historische Handwerker - Folge 2 Handwerker wird zum Kaufhauspionier

Joseph Fraunhofer, Ludwig Beck und Marcel Breuer stellen sich vor.

Themenseiten: TS Historische Handwerker und TS Bauhaus

Ludwig Beck, Kaufhauspionier

Seinen Namen kennen die Münchner. Doch nicht als Handwerker. Von Kunde König zu König Kunde“ überschrieben wir in unserer Gründungsausgabe 1986 einen Beitrag über Ludwig Beck. Der Bortenmachermeister eröffnete am 1. Mai 1861 in der Münchner Dienergasse Numero 13 eine Knopfmacher- und Posamentier-Werkstätte. In dem Text erzählten wir die Geschichte des Handwerks mit den Borten, Fransen und Quasten. Wir berichteten, dass Beck eine so besondere Qualität lieferte, dass er zum Hoflieferanten von Ludwig II. aufstieg. Ludwig II. brauchte für seine neu gebauten Schlösser Linderhof, Neuschwanstein und Herrenchiemsee stilvolle Inneneinrichtungen.

Beck expandierte. Bald stellte er einen Meister ein, beschäftigte vier Gesellen und einen Lehrbuben. Zu seinen individuell gefertigten Borden nahm er 1892 auch Handelsware wie Knöpfe, Kurzwaren, Bettwäsche und Mode ins Angebot. Daraus hat sich das heutige Kaufhaus Beck am Marienplatz in der Münchner Innenstadt entwickelt. „Der Beck“, wie es die Münchner nennen, positioniert sich heute als „Kaufhaus der Sinne“. Auf 10.000 Quadratmetern bietet es Damen- und Herrenmode, Accessoires, Düfte und Kosmetik. Im Jahr 2012 startete das „Kaufhaus Ludwig Beck“, so der heutige offizielle Name, ins digitale Zeitalter und eröffnete unter helmutbeck.de einen Online-Shop. Der bietet eine „Auswahl von ca. 6.000 Produkten von über 70 Marken aus Luxus- und Nischenkosmetik“ und entwickelt sich prächtig.

Joseph Fraunhofer, Optiker

Joseph Fraunhofer, Optiker

Sechs Jahre dauerte seine Lehrzeit als Spiegelschleifer. Die hatte Joseph, geboren im März 1787 als 11. Kind des Glasermeisters Franz Xaver Fraunhofer in Straubing, angetreten, weil er als Drechsler zu schwach war. Doch 1801 stürzt die Werkstatt von Lehrherr Weichselberger in München ein. Den damals 14-Jährigen zieht man lebend aus dem Schutt. Augenzeuge Kurfürst Maximilian IV. schenkt dem Geretteten 18 Dukaten. Davon schafft sich der äußerst begabte Stift eine Glasschneidemaschine und Bücher über Optik an.Sechs Monate vor dem Ende kauft er sich von der restlichen Lehrzeit frei – um besser lernen zu können. 1806 Anstellung als Optiker im Institut von Liebherr, Reichenbach und Utzschneider in München. 1809 Leiter der Glasherstellung am Utzschneider-Institut. Er entwickelt neue Schleifmaschinen und schlierenfreie Flintgläser. 1813 entdeckt er Linien im Spektrum der Sonne. Heute gilt er als Vorbild und Namensgeber der Fraunhofer-Gesellschaft.

Marcel Breuer, Designer und Tischler

Marcel Breuer

Er entwickelte den modernen Freischwinger-Stuhl. Seine Karriere begann er als Tischler. Sein Gesellenstück war radikal. Ein Schminktisch im Bauhaus-Stil. So etwas hatte man im Jahr 1923 noch nicht gesehen: „Die Modernität besteht in der funktionalen Reduktion seiner klassischen Elemente“, schrieb Lutz Schöbe, Leiter des Archivs der Stiftung Bauhaus Dessau im Buch „Befreites Kämmen am Frisiertisch der Moderne“. Marcel Lajos („Lajkó“) Breuer wurde am 21. Mai 1902 in Pécs, Österreich-Ungarn, geboren. Seine Kindheit war unauffällig. Zum Handwerk kam er 1920 als Studienabbrecher. Nach wenigen Wochen schmiss er das Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien und begann eine Schreinerausbildung in den Möbelwerkstätten des Bauhauses Weimar. Die Gesellenprüfung bestand er 1924. Bis dahin hatte der 22-Jährige bereits etliche Avantgarde-Möbel entworfen, darunter den konstruktivistischen Lattenstuhl „ti 1a“. Berühmt wurde er später mit dem Metallrohr-Freischwinger und dem Wassily Chair, beides Klassiker.

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