Trendporträts -

Messerschmied Handgeschmiedetes für höchste Ansprüche

Janosch Vecernjes machte seine Leidenschaft zum Beruf und belebt mit seinen Allzweckmessern ein totgeglaubtes Handwerk.

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Der Besucher fühlt sich in der Werkstatt von Janosch Vecernjes in Hohenstein auf der Schwäbischen Alb um knapp 80 Jahre zurückversetzt. Es ist heiß, das Metall glüht im offenen Feuer und überall hängen antik anmutende Werkzeuge. Für den gebürtigen Tübinger die optimalen Voraussetzungen für einen traditionellen Messerschmied: „Zusammen mit meinem Vater mache ich hier alles selbst. Von der Klinge über das Holz bis hin zur Ledertasche“, sagt der 32-Jährige und ergänzt: „ Bis zum fertigen Messer sind 40 bis 60 Arbeitsschritte notwendig, da steckt viel Leidenschaft dahinter“.

Hinten Kochmesser - vorne Filetiermesser

Vecernjes hat das verwirklicht, von dem viele Büroangestellte träumen: Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Noch vor sechs Jahren saß der Schwabe mit ungarischen Wurzeln im Büro eines Finanzdienstleistungsunternehmens, an eine eigene Messerwerkstatt war nicht zu denken: Die Berufsbezeichnung war in Deutschland seit Ende der 1980er-Jahre abgeschafft, Messerschmiede absolvieren heute eine Ausbildung zum Schneidwerkzeugmechaniker. Überhaupt schien der Markt von industriell gefertigten Messern gesättigt.

Trotzdem erkannte Vecernjes bei einem Ungarn-Aufenthalt die entscheidende Marktlücke zur Selbständigkeit: Inspiriert von einem alten Meister entwickelte er die Geschäftsidee eines Allzweckmessers, das sowohl hinten als breites Kochmesser, als auch vorne als schmales Filetiermesser einsetzbar ist. Besonderes Kennzeichen ist dabei die hohe Qualität der Klinge, die 20 bis 40 Mal geschmiedet wird und somit feiner, flexibler und auch schneller schärfbar ist als ein Industriemesser.

Warten lohnt sich

Auf albmesser.de gibts die persönlichen Messer mit individueller Gravur und selbst ausgewähltem Holz ab 300 Euro. Messer aus hochwertigem Damaszenerstahl sind ab 800 Euro erhältlich. Für Hobbyköche und Spitzengastronomen aus aller Welt ist aber Geduld gefragt: ­Volle Auftragsbücher bedeuten aktuell eine Wartezeit von bis zu acht Monaten.

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