Vertragsrecht -

Udo-Herrmann-Kolumne, 9. Folge Haftung: Warum Materialfehler die Existenz bedrohen können

In seiner Kolumne "Endlich alles im Lot! Mehr Freiraum und Erfolg durch bessere Organisation" gibt der Erfolgstrainer für Handwerksbetriebe, Udo Herrmann, monatlich Tipps, wie Sie Ihren Betrieb besser organisieren können. In der neunten Folge erklärt der Schreinermeister, wie Sie sich gegen teure Produktfehler Ihrer Lieferanten absichern.

Themenseite: Endlich alles im Lot! Mehr Freiraum und Erfolg durch bessere Organisation

Schon mein Vater hat mir beigebracht: „Du musst für deine Fehler und deren Folgen geradestehen.“

Ich fand das immer richtig und gerecht. Leider gilt in der aktuellen Rechtsprechung im Rahmen der Mängelgewährleistung dieser Grundsatz nicht mehr . In meinen Augen eine Ungerechtigkeit, die für uns Handwerker existenzbedrohend ist.

Produktfehler können für Handwerker teuer werden

Wir hatten im Unternehmen einen Fall, der uns sehr belastete. Von einem neuen Dielenboden aus Eiche auf ca. 250 m² löste sich nach der ersten Heizperiode partiell bei einzelnen 3-Schicht-Elementen die Deckschicht. Der Kunde forderte das komplette Neuverlegen der Fläche in seinem luxuriös ausgestatteten Wohnhaus. Ich rechnete mir schon mal aus: Einbaumöbel, Hochglanzküche und Schleiflacktüren demontieren, Boden ausbauen, Estrich sanieren, Wände neu streichen, Boden erneut liefern und verlegen, Einrichtung remontieren, zusätzlich Hotelkosten für eine 4-köpfige Familie und die Zwischenlagerung des Hausrates.

Ein renommierter Gutachter, der den Schaden aufnahm, sagte zu mir: „Der Boden ist super verlegt. Sie sind nicht in der Prüfpflicht für diesen Mangel. Und wenn Sie es wären, hätten Sie keine Möglichkeit das Material entsprechend zu untersuchen. Das ist nur aufwendig in einem Labor möglich. Dennoch haften Sie gegenüber Ihrem Kunden vollumfänglich. Ihr Lieferant muss Ihnen nur Ersatzware liefern. Sie haften jetzt für seine Fehler.“

In Zahlen: 250.000 € maximaler Schaden, letztendlich nur 38.000 € Ersatzware vom Hersteller. Wir kamen mit viel Glück, einem professionell arbeitenden Gutachter und verständnisvollen Kunden mit einer tragbaren Belastung aus der Sache heraus. Letztendlich mussten nur wenige Dielen komplett getauscht und einige kleine Stellen der Deckschichten mit Injektionsklebstoff unterfüllt werden. Zusätzlich zu dem Nachbesserungsaufwand und den damit verbundenen Kosten hatte ich einige schlaflose Nächte.

Warum Lieferanten für Mängel selten haften

Um unser Risiko zu minimieren, haben wir im Unternehmen einige Dinge verändert. Wir bestellen nur noch bei Herstellern und Lieferanten, die uns im eventuellen Schadensfall nicht im Regen stehen lassen, sondern partnerschaftlich an einer Lösung für unsere Kunden mitarbeiten. Mit dem Erfolgsblatt 261 checken wir jeden Lieferanten, der mit uns Geschäfte machen will. Kriterien für eine gute Bewertung sind dabei die Punkte „Produktqualität, Garantien und Kostenübernahme bei Produktfehlern“. Gegen das Risiko der Aus- und Einbaukosten haben wir uns zwischenzeitlich durch den Abschluss einer Versicherung zusätzlich abgesichert. Jetzt kann ich wieder ruhiger schlafen! Ein bitterer Beigeschmack ist dennoch geblieben. Aufwand und Kosten zur Minimierung des Risikos bleiben wieder mal am Handwerker hängen.

Dies hat sich auch mit der seit 1.1.2018 gültigen Gesetzesänderung kaum verbessert, da die Lieferanten zwar nun wieder für Aus- und Einbaukosten haften, dies aber in ihren AGBs ausschließen können. Da ein kleiner Handwerksbetrieb kaum die Möglichkeit hat, alle Lieferantenverträge detailliert zu prüfen, besteht nach meiner Auffassung nach wie vor eine impraktikable Rechtsprechung.

So minimieren Sie mit eigenen AGBs Ihr Haftungsrisiko

Gemeinsam mit dem Fachanwalt für Baurecht H.C.Jung und dem Handwerksmagazin haben wir deshalb eine pragmatische Lösung zur Risikominimierung erarbeitet. Auf allen unseren Bestellungen, gleich ob wir diese per Mail oder Fax senden, fügen wir einen Textbaustein hinzu, der uns mehr Sicherheit gibt. Zusammenfassend beschrieben wird damit nur unter der Bedingung bestellt, dass unsere Rechte durch die Lieferanten-AGBs nicht eingeschränkt sind. Meiner Meinung nach ist dies aktuell der praktikabelste Weg, um nicht in eine Haftungsfalle zu geraten. Je mehr Handwerksbetriebe aus allen Gewerken ihre Bestellungen durch diesen Textzusatz ergänzen, umso sichtbarer wird unsere Forderung gegenüber den Herstellern. Also mitmachen, gemeinsam Stärke zeigen und mehr Sicherheit gewinnen. Hier der Link zum Download des ausformulierten Textbausteines: handwerk-magazin.de/agb

Ihr Udo Herrmann, Schreinermeister und Erfolgstrainer für Handwerksbetriebe.

Udo Herrmann, Kolumne

Biografie:  
Udo Herrmann, hat mit 23 Jahren seine Meisterprüfung abgelegt und führt seit 18 Jahren das Handwerksunternehmen "Herrmann Parkett.Möbel.Räume." (
www.herrmann-parkett.de ) im unterfränkischen Bürgstadt, das mehrfach bundesweit ausgezeichnet wurde . Seit mehr als 10 Jahren ist er Vorstand einer Handwerkskooperation, die ganzheitliche Konzepte für Ihre Kunden entwickelt. Er hat das Erfolgskonzept für Handwerker entwickelt und eine Ausbildung zum 7 SUMMITS® Strategie Coach absolviert. Der Schreinermeister trainiert Selbstständige und Führungskräfte, als Coach begleitet er Handwerksbetriebe bei der Weiterentwicklung des Betriebes. 2016 ist sein Buch „Von Nichts Kommt Niemand“ erschienen, in dem er wertvolle Tipps zum Akquirieren und binden von Fachkräften im Handwerk gibt.

Buch-Cover

Im April 2018 erschien seine neue Buchveröffentlichung " Endlich alles im Lot: Das Profikonzept für mehr Freiraum und Erfolg im Handwerk " mit allen ausführlichen Leitfäden, Checklisten und Arbeitsanleitungen von Udo Herrmann.  Erhältlich im Holzmann-Medienshop .

Weitere Downloads zu diesem Artikel
  • Lieferantenqualität (PDF, 99 kB)

    Wer einen Fehler macht, muss dafür geradestehen. Oder? Ein Produktfehler Ihres Lieferanten kann teuer werden! Schließt der Lieferant die Haftung für Ein- und Ausbaukosten in den AGBs aus, müssen Sie zahlen. mehr...

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