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Finanzierung mit Regionalmitteln Teil 2 Baden-Württemberg Baden-Württemberg: Gründen, wachsen, übernehmen – das Ländle fördert

Baden-Württemberg möchte seine Unternehmen im Wettbewerb stärken. Dafür stellt das Land eine ganze Bandbreite an Fördermitteln zur Verfügung – Kredite, Zuschüsse, Bürgschaften, Beratungen und mehr. Überblick über das Angebot der L-Bank und des Wirtschaftsministeriums.

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Als sich Felix Egner 2014 als Segelmacher in Titisee selbstständig macht, hilft ihm seine Erfahrung im Spitzensport gleich auf doppelte Weise: Er war 2005 als Vorschoter Weltmeister in der Bootsklasse Topcat K1 geworden, zusammen mit seinem damaligen Arbeitgeber Andrew Landenberger. Wettkampferfahrung und der gekonnte Umgang mit Niederlagen helfen beim Unternehmersein. Und: Die Seglerszene ist klein, der sportliche Erfolg verschafft ihm Anerkennung, die dem Betrieb nützt.

2014 bot ihm sein Chef die Segelmacherei Landenberger One Design zum Kauf an. „Ich habe mir das gut überlegt, in meiner Branche hängt viel am Namen und Landenberger ist der bekanntere von uns“, erzählt Egner. Trotzdem entschließt er sich zur Übernahme. 2016 gehört das 1987 gegründete Unternehmen schließlich ihm. „Früher, als Angestellter, bin ich ins Geschäft gegangen und habe meinen Job gerne gemacht. Jetzt habe ich ganz andere Gedanken, versuche das Geschäftsfeld auf Sonnensegel, Sonnenschutz und Persenninge auszuweiten. Die Verantwortung ist groß“, sagt Felix Egner. Finanziert hat er mit seiner Hausbank und Fördermitteln aus der ‚Gründungsfinanzierung‘ der L-Bank . „Eigentlich waren Antrag und Handling nicht besonders kompliziert. Aber mit der Segelmacherei kannte sich weder die Hausbank noch die L-Bank aus. Da musste ich einiges erklären.“ Sein Fazit: „Seit der Unterschrift unter den Finanzierungsvertrag habe ich nicht viel mit den Banken zu tun. Ich bezahle meine Darlehen ab – da ist nichts Besonderes dran.“

Konditionen einfach vergleichen

Antragstellung und Abwicklung für die Fördermittel der L-Bank laufen über die Hausbanken. Neu ist, dass Handwerker mithilfe der unabhängigen Plattform Compeon.de die staatlichen Förderwege für ihr Vorhaben prüfen lassen können. Dafür müssen sie eine Finanzierungsanfrage über die Plattform stellen. „Diese Anfrage erhalten unsere inzwischen 220 Finanzierungspartner und können da­raufhin ein Angebot erstellen“, erklärt Kai Böringschulte, Geschäftsführender Gesellschafter von Compeon. Setzt der Antragsteller ein Häkchen bei der Frage, ob eine Überprüfung staatlicher Fördermöglichkeiten erfolgen soll, müssen die Banken dies bei ihrer Angebotserstellung berücksichtigen. „Wir kooperieren neben der L-Bank mit 17 weiteren Landes- und Förderbanken und überprüfen mithilfe unserer Software ebenfalls, welche Programme zum Finanzierungsvorhaben passen“, erklärt Böringschulte. Für Handwerker ist das ein echter Mehrwert, denn nun sind sie nicht mehr auf Bereitschaft und Fachkompetenz ihres Bankberaters angewiesen. „Der Handwerker erhält einen eigenen Login für die Plattform, sodass er sich die Finanzierungsangebote ansehen und die Konditionen vergleich kann“, meint Böringschulte. Weiterer Service von Compeon: Jeder Antragsteller hat einen eigenen Ansprechpartner. „Er hilft, die Unternehmensdaten und Bilanzen zusammenzustellen und unterstützt den Kunden bei der Abwicklung des Finanzierungsvorhaben bei der ausgewählten Bank“, erklärt Böringschulte. Die Leistungen von Compeon sind kostenlos – das Unternehmen finanziert sich über Beiträge seiner Finanzierungspartner. Für Axel Nawrath, Vorsitzender des Vorstands der L-Bank, ist die Kooperation mit Compeon ein wichtiger Schritt in die digitale Zukunft: „Mit der Anbindung der L-Bank an Compeon werden noch mehr Unternehmen auf unsere Angebote aufmerksam und können diese direkt bei einer Ausschreibung integrieren“, erläutert er.

Digitalisierungsprämie gefragt

Das beliebteste Fördermittel der L-Bank ist die Digitalisierungsprämie. Mit ihr unterstützt das Land vor allem Handwerksbetriebe und kleine Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, der Dienstleistung und der Bauwirtschaft. Der Tilgungszuschuss liegt pro Unternehmen je nach Höhe des Darlehens zwischen 5.000 und 10.000 Euro. „Das Handwerk nutzt die Vorteile der Digitalisierung oft noch nicht in vollem Umfang“, sagt Axel Nawrath. Es gehe dabei nicht nur um IT und die damit verbundene Produktivitätsverbesserung. Viel spannender seien doch die Möglichkeiten zur Erschließung neuer Geschäftsfelder. „Mit der Digitalisierungsprämie wird insbesondere kleineren Unternehmen die finanzielle Hürde des Einstiegs erleichtert. 2018 wurde das Programm gut genutzt. Nach der Umstellung auf die Gewährung eines Tilgungszuschusses ist die Attraktivität des Programms noch größer“, ist Axel Nawrath zufrieden.

Wirtschaftsministerium fördert

Von der Idee bis zur Umsetzung ist es ein weiter Weg. Deshalb fördert das Wirtschaftsministerium, indem es Beratungsangebote zu Gründung, Kauf, Modernisierung und Digitalisierung finanziert. So etwa die viertägige kostenlose Beratung durch Handwerkskammern und Fachverbände. Dabei werden meist das Unternehmenskonzept, technische Fragen, Digitalisierung und Umweltschutz oder Fragen zum Mitarbeiterfinden und -binden geklärt. Infos bei den Handwerkskammern und bei personal.handwerk2025.de

Wer längerfristig professionell begleitet werden möchte, kann das Förderprogramm ‚Coaching‘ für kleine und mittlere Unternehmen nutzen. Förderanträge werden über die L-Bank gestellt und sind bei esf-bw.de abrufbar.

Unterstützung gibt es auch bei der Unternehmensnachfolge, indem Moderatoren aus den Handwerkskammern zusammen mit anderen externen Experten den Nachfolgeprozess begleiten.

Innovationen sichern die Zukunft – mithilfe von Innovationsgutscheinen erhalten Handwerker einen Zuschuss für die Planung, Entwicklung und Umsetzung neuer Produkte oder Dienstleistungen. Gutscheine gibt es auch für das Beauftragen nationaler und internationaler Forschungsinstitute. So können Handwerker mit den Gutscheinen „A“ und „B“ bis zu 2.500 Euro beziehungsweise 5.000 Euro für ihre wissenschaftlich erforschte Produktentwicklung erhalten. Zusätzlich werden auch umsetzungsorientierte Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten (etwa Konstruktionsleistungen oder Prototypenbau) bezuschusst. Mehr Infos unter wm.baden-wuerttemberg.de/de/innovation/innovationsgutscheine/

Beratungsgutscheine für Gründer und Nachfolger

Was ist das?

Gründer und Nachfolger können sich professionell beraten lassen. Die Beratung erfolgt in zwei Phasen: zuerst gibt es eine mehrstündige, meist kostenlose Kompaktberatung, dann folgt eine bis zu zehntägige Intensivberatung. Die Kosten variieren, liegen aber meist 80 Prozent unter den Normalkosten – also bei rund 200 Euro pro Tag. Meist werden ein tragfähiges Geschäftsmodell und ein detaillierter Businessplan entwickelt. Die unten genannten Beratungsinstitute arbeiten mit regionalen Partnern zusammen, wie etwa den Senioren der Wirtschaft, der Service- und Marketinggesellschaft Biopro und dem Mafinex Gründerverbund Entrepreneur Rhein-Neckar, und führen die Beratungen für das landesweite Projekt „Handwerk 2025“ durch. Tipp: Die Gesamtkosten im Erstgespräch erfragen.

Wer zahlt?

Der Europäische Sozialfonds (ESF) und das Land Baden-Württemberg.

Was haben Handwerker davon?

Minimaler bürokratischer Aufwand. Kein gesonderter Antrag für Förderung der Beratungsleistung. Handwerker wenden sich an die Partner, die die Beratungsgutscheine vergeben. Damit ist der Förderantrag gestellt.

Wer berät?
  • Beratungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Mittelstand und Handwerk (BWHM GmbH) Die Basisberatung erfolgt kostenlos über die Starter-Center der Handwerkskammern. Vertiefende Fragen und Realisierung übernimmt die BWHM. bwhm-beratung.de
  • CyberForum e.V. Regionales Netzwerk von Hightech-Unternehmen in der Technologieregion Karlsruhe. Für junge Unternehmen und Existenzgründer. Der Verein bietet Workshops, Networking-Events, Kontakte zu Business Angels, Beratung, Räume und Kongresse. cyberforum.de
  • Karlsruher EXI Gründungsgutschein CyberForum und Wirtschaftsförderung der Stadt Karlsruhe bieten eine branchenoffene Unterstützung an. Etwa bei Businessplanerstellung, Klärung von Finanzierungsfragen und Begleitung bei wichtigen Gesprächen. gruenden-in-karlsruhe.de
  • Steinbeis Beratungszentren GmbH (SBZ) Rund 500 Zentren in Baden-Württemberg decken das komplette Spektrum der bei Gründungen relevanten Themen ab. steinbeis-exi.de
  • Verbund Start im Quadrat Zielgruppenspezifische Beratungsangebote in Mannheim und der Region Rhein-Neckar durch viele verschiedene Partner. Spezielle Beratung auch für gründende Frauen und Migranten, Kreativwirtschaft und innovative Technologien aus Hochschulen. start-im-quadrat.de

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