Gold als Geldanlage -

Direkte Investments in Goldaktien nur für Experten (Gold als Geldanlage Teil 4)

In den vergangenen Jahren erlebte Gold als Anlage einen wahren Boom, der Kurs schoss nach oben. Mittlerweile ist der Goldpreis wieder gefallen. Viele Privatanleger fragen sich darum: Sollte ich jetzt in Gold zu investieren? In unserer Reihe "Gold als Geldanlage" haben wir fünf unabhängige Finanzexperten befragt. Im vierten Teil lesen Sie die Bewertung von Jörg Löbe, Geschäftsführer der Aubilia Vermögensmanagement GmbH.

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Sollten Privatpersonen jetzt in Gold investieren?

Jörg Löbe: Gold war in der Geschichte der Menschheit immer ein Anker in der Weltwirtschaft und dies ganz besonders in stürmischen Zeiten. Gold war und ist auf der Flucht und in schlechten Zeiten ein Zahlungsmittel in allen Ländern der Welt. Nach 70 Jahren Frieden in Europa ist jetzt erstmals die Angst zurück. Die Angst, dass aufgrund der Staatsverschuldung der Euroraum zerfällt und die Angst, dass Kriege vor der Haustüre in Osteuropa stattfinden.

Auf Grund modifizierter Anlage-Theorien reichen ca. 10 Prozent Gold im Depot oder in physischer Form als Beimischung vollkommen aus. In politisch unsicheren Zeiten, wie wir sie aktuell durch die Situation in der Ukraine haben, kann es aber ruhig mehr sein. Unsere Kunden haben bis zu 20 Prozent Gold. Natürlich ziehen Situationen wie die zurzeit auch immer Spekulanten an, die noch etwas warten, ob der Goldpreis unter 1.200 USD fällt. Oder Pessimisten, die mehr als 20 Prozent Gold halten.

Welche Produkte bieten sich für kurzfristig orientierte Anleger an?

Jörg Löbe: Die Möglichkeiten in Gold zu investieren sind zahlreich und können daher für den Anleger passgenau erworben werden. Für kurzfristig orientierte Anleger geeignet sind Goldanleihen bzw. ETC: Gründe sind, die kostengünstige und schnelle Handelbarkeit. Keine Lagerkosten oder Lagerrisiken z.B. bei der Verwahrung zu Hause. Einige passive ETF und aktive Fonds ermöglichen das Investment in die Goldexploration bzw. in Goldminenaktien für spekulative Investoren. Direkte Inv estments in Gold-Aktie sind nur etwas für Experten. Neben den aktuellen Explorationskosten sind z.B. die noch nicht entwickelten Minenfelder im Bestand der Gesellschaft zu bewerten. Die Goldvorkommen befinden sich alle in politisch instabilen Ländern, deren Risiko kaum zu bewerten ist.

Welche Gold-Produkte sind als „Ersatzwährung“ geeignet?

Jörg Löbe: Münzen und Barren sind für den Langfristanleger und Pessimisten als Ersatzwährung geignet. Aus Risikosicht haben sie die höchste Sicherheitsstufe, da man es im eigenen Safe oder im Safe im Ausland lagern kann. Kleine Stückelung ist möglich. Münzen und Barren sind übrigens auch ein schönes Geschenk für den Enkel oder die Kinder. Der höhere Erwerbspreis und die Kosten der Lagerung werden ein wenig durch die Versteuerung ausgeglichen.

Welche Rolle spielen Steuern bei der Goldanlage?

Jörg Löbe: Steuern spielen aus meiner Erfahrung als Anlagemotiv keine Rolle. Der Sicherheitsgedanke überwiegt. Tatsache ist aber auch: Münzen oder Barren werden nicht wie andere Kapitalanlagen über die Abgeltungssteuer pauschal erfasst, sondern werden mit dem persönlichen Steuersatz bewertet, aber nur falls zwischen Kauf und Verkauf nicht 12 Monate liegen. Da für den Kauf keine Mehrwertsteuer berechnet wird ergibt sich die Möglichkeit Steuern zu vermeiden. Während die Besteuerung der anderen Möglichkeiten pauschal bei 25 Prozent liegt, scheint die Besteuerung von ETCs noch umstritten.

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