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Geldanlage Gold (1): Nicht wegen der Rendite kaufen

In den vergangenen Jahren erlebte Gold als Anlage einen wahren Boom, der Kurs schoss nach oben. Mittlerweile ist der Goldpreis wieder gefallen. Viele Privatanleger fragen sich darum: Sollte ich jetzt in Gold zu investieren? In unserer Reihe "Gold als Geldanlage" haben wir fünf unabhängige Finanzexperten befragt. Im ersten Teil lesen Sie die Einschätzung von Thomas Böckelmann, Geschäftsführer Veitsberg Gesellschaft für Vermögensbetreuung mbH.

Themenseite: Gold als Geldanlage

Sollten Privatpersonen jetzt in Gold investieren?

Thomas Böckelmann: Die Finanzkrise seit 2007 und die Euroschuldenkrise verdeutlichen erneut die Anfälligkeit eines auf Papiergeld und somit rein auf gegenseitigem Vertrauen basierenden Währungssystems. Die Abschaffung der Goldbindung in den 30er Jahren hat zwar zur Überwindung der Weltwirtschaftskrise beigetragen und in der Folge weltweit neue Wachstumsdimensionen eröffnet – heute stehen wir jedoch vor einem einmaligen geldpolitischen Experiment zwischen überbordender Staatenverschuldung einerseits und zunehmender Abhängigkeit von Notenbankliquidität andererseits.

Wir betrachten Gold nicht als Anlageklasse, sondern als Versicherung gegen Finanz- und Systemkrisen - sei es in Form starker Inflation oder auch Deflation und Depression. In Krisenzeiten hat sich Gold als ultimatives Wertaufbewahrungs- und Tauschmittel über Jahrhunderte hinweg bewährt. Es erfüllt die Funktion einer Ersatzwährung. Dem Versicherungsgedanken folgend ist es daher sinnvoll, Teile seines Vermögens in Gold zu investieren. Diese Anlage sollte aber ohne Fokus auf ein eventuelles Wertsteigerungspotential erfolgen. Ferner unterliegt die Entwicklung des Goldpreises aktienähnlichen Wertschwankungen.

Wie viel man in Gold investiert , hängt zunächst von der Größe des Vermögens sowie seiner Struktur in anderen Realwerten wie Immobilien oder Aktien ab. Als Richtgröße verwenden wir zehn Prozent. Davon ausgehend kann auch unter Berücksichtigung der individuell unterschiedlich ausgeprägten Angst vor einem Systemzusammenbruch eine Anpassung nach unten oder oben vorgenommen werden. Faktisch dürfte die Goldquote zwischen 5 bis 12,5 Prozent (bei ausgeprägten Systempessimisten) liegen. Da die langfristige Wertsicherung in einer Ersatzwährung im Vordergrund stehen sollte, ist der aktuelle Goldpreis für die Investitionsentscheidung nicht relevant.

Lohnt es sich eine kurzfristige Anlage in Gold?

Thomas Böckelmann: Das gesamte auf der Erde bisher geschürfte Gold entspricht einem Würfel von etwa 20 Metern Kantenlänge. Gleichzeitig existieren eine Vielzahl an Finanzprodukten, deren Wert das effektive Goldvolumen bei weitem übersteigen. In der Konsequenz ist Gold angesichts seiner Marktenge ein Spielball von Spekulanten. Wir empfehlen, sich nicht an kurzfristigen Wetten zu beteiligen, da die Preisbildungsfaktoren für den durchschnittlichen Anleger in der Regel nicht überschaubar sind.

Gold als Ersatzwährung. In welche Produkte sollte man investieren?

Thomas Böckelmann: Da wir Gold nicht als Anlageklasse betrachten, empfehlen wir ausnahmslos den physischen Erwerb in Form international akzeptierter Zahlungsmittel sowie Barren. Der Idee als Krisenwährung folgend, sollten die Barrengrößen nicht zu groß sein (maximal 100 Gramm – ungefähr 3 Unzen). Ferner ziehen wir den Erwerb gängiger Goldmünzen wie American Eagle/Buffalo, Britannia, Maple Leaf, Krugerrand, Kangaroo, Panda und die Wiener Philharmoniker in kleineren Stückelungen vor. Der Erwerb kleinerer Stückelungen ist naturgemäß teurer, ferner weitet sich die Spanne zwischen Ankauf- und Verkaufspreis bei kleineren Stückelungen aus. Aber wir empfehlen den Golderwerb nicht aus Rendite- sondern rein aus Risikoüberlegungen.

Welche Rolle spielen Steuern bei der Goldanlage?

Thomas Böckelmann: Angesichts unserer Einstufung von Gold als Ersatzwährung und Versicherung spielen Steuern in unseren Überlegungen keine Rolle. Dennoch bietet physisches Gold gegenüber Derivaten in Wertpapierform einige Vorteile – so bleiben Gewinne nach einem Jahr steuerfrei.

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