Gesundheitsförderung für Handwerker

Wilfried und Mark Niemann, Geschäftsführer eines Traditionsbetriebs aus Nordrhein-Westfalen, haben ein systematisches Gesundheitsmanagement eingeführt. Sie haben erkannt: Wer sich wohlfühlt, kann mehr leisten. Die Arbeitnehmer sind motivierter und seltener krank.

Die Äpfel, das Joggen, die Gymnastikübungen – bei vielen Gesundheitsaktionen haben die 104 Mitarbeiter von Niemann Möbelteile aus Preußisch Oldendorf erst geschmunzelt, dann aber doch mitgemacht. „Weil es was bringt“, wie Detlef Kopke, Gesundheitsbeauftragter des Zulieferers für Küchenfronten und Arbeitsplatten, zusammenfasst. Beim jüngst demontierten Zigarettenautomaten lag die Sache schon schwieriger: „Mit der Anti-Raucher-Kampagne machen sich die Chefs gerade etwas unbeliebt“, sagt Kopke. Doch Wilfried und Mark Niemann, Geschäftsführer des Traditionsbetriebs aus Nordrhein-Westfalen, lassen sich nicht beirren. „Manchmal braucht es ein bisschen sanfte Gewalt“, sagt Kopke, der alle Gesundheitsaktionen organisiert. „Immerhin nehmen mehr als 20 Prozent der Raucher am angebotenen Entwöhnungskurs teil.“

Seit 2008 hat Niemann Möbelteile ein systematisches Gesundheitsmanagement eingeführt. Auslöser war eine Erkenntnis, die Seniorchef Wilfried Niemann über viele Jahre gewonnen hat: „Wer die Wertschöpfung erhöhen will, muss seine Mitarbeiter wertschätzen und als wichtigstes Kapital behandeln.“ Kurz: mehr Erfolg durch gesunde und zufriedene Mitarbeiter. In Zusammenarbeit mit der Krankenkasse IKK Classic hat Niemann Möbelteile gesundheitliche Brennpunkte identifiziert: Gegen Rückenbeschwerden wird Gymnastik und Muskelaufbautraining angeboten. Die Tischler in der Fertigung stehen heute auf gelenkschonenden Matten. Beim Heben schwerer Platten helfen hydraulische Tragehilfen, in den Büros wurden Tisch- und Sitzhöhen ergonomisch angepasst. Es gibt gemeinsame Radtouren, eine Laufgruppe und Yoga-Kurse zur Stressbewältigung. Und neuerdings nur noch zwei Plätze, an denen geraucht werden darf. Natürlich mache nicht jeder mit, sagt Detlef Kopke. Ausgezahlt hat sich das Engagement aber auf jeden Fall: „Die Motivation des Teams ist gestiegen, und wir haben weniger Erkrankungen als früher.“

Im Schnitt ist jeder Beschäftigte 18 Tage krank

Ausfalltage zu minimieren ist eines der Hauptziele betrieblicher Gesundheitsvorsorge, schließlich geht hier viel Geld und Produktivität verloren. Im Schnitt war 2011 jeder Beschäftigte im Handwerk knapp 18 Tage krankgeschrieben, so Zahlen der IKK Classic. Etwa 30 Prozent dieser Ausfalltage entstanden durch Erkrankungen von Muskeln, Skelett und Bindegewebe. Einer Krankheitsgruppe, die in Deutschland jährlich einen Ausfall von 16 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung verursacht und durch die allein 2009 rund 26000 Menschen vorzeitig aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Verbunden mit dem demografischen Wandel und Nachwuchsmangel in vielen Branchen ist Gesundheitsvorsorge daher längst eine Notwendigkeit, auch wenn sie oft noch vernachlässigt wird.

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