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Wartung und Steigerung der Energieeffizienz Geschäftsfeld für SHK-Handwerker – Verjüngungskur für Solaranlagen

In Deutschland sind mehr als 1,6 Millionen Fotovoltaikanlagen installiert, jeden Tag kommen viele hinzu. Für Handwerker ist die Wartung dieser Anlagen ein interessantes Geschäftsfeld. Weiterbildungen werden von vielen Herstellern angeboten.

Themenseite: SHK-Handwerk

Wir haben festgestellt, dass Versicherungen in den vergangenen Jahren immer öfter bei Schäden an Fotovoltaikanlagen keine Leistungen erbringen wollen. Als Begründung wurde dann angegeben, dass Anlagen nicht gewartet worden sind“, sagt Andreas Wiesing, Inhaber der Wiesing Solartechnik GmbH & Co KG aus Hövelhof in Nordrhein-Westfalen. „Sobald man einen größeren Schaden so ab 5.000 Euro meldet, schaltet die Versicherung in aller Regel einen Gutachter ein, und der fragt, ob ein Wartungsvertrag vorliegt und wann die Anlage zuletzt begutachtet worden ist“, sagt Wiesing. Kann der Kunde keinen Wartungsnachweis vorlegen, ziehe sich die Versicherung gerne mal aus der Affäre.

Das brachte den Handwerksunternehmer auf eine Idee für ein neues, lukratives Geschäftsfeld: die Wartung von älteren Fotovoltaikanlagen. Nun bietet Wiesing seinen Kunden einen Service an, der Überwachung, Sicherung der Anlage und auch die eigentliche Wartung durch geschulte Elektriker beinhaltet.

Unabhängig von versicherungsrechtlichen Fragen ist die Wartung und Instandsetzung von Fotovoltaikanlagen ein gutes Geschäft. Denn Solarstromanlagen erfreuen sich in Deutschland wieder großer Beliebtheit. Im Eigenheimsektor wurden 2017 rund 55.000 Solarstromanlagen mit einer Nennleistung von bis zu 10 Kilowatt installiert, schätzt der Bundesverband Solarwirtschaft. Bis heute wurden im gesamten Bundesgebiet rund 980.000 Fotovoltaikanlagen in dieser Leistungsklasse installiert, in allen Leistungsklassen sind es insgesamt sogar 1,6 Millionen Fotovoltaikanlagen – Tendenz steigend. 2017 lag der Solarstromanteil in Deutschland bei 6,6 Prozent, bis 2020 soll er auf rund zehn Prozent steigen.

350.000 alte Fotovoltaikanlagen

Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) schätzt, dass etwa 350.000 Fotovoltaikanlagen zehn Jahre alt oder noch älter sind. Der Verband empfiehlt eine Überprüfung alle vier Jahre.

Voll im Trend liegen auch Batteriespeicher, deren Preise sich innerhalb der letzten vier Jahre halbiert haben und mit denen der selbst produzierte Solarstrom rund um die Uhr verfügbar wird. Sofern die Fotovoltaikanlage richtig arbeitet.

„Um einen einwandfreien Betrieb sicherzustellen und mögliche Fehlerquellen früh zu erkennen, empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle der Anlage. Teilweise wird diese auch vom Komponentenhersteller als Bedingung für mögliche Garantieleistungen gefordert“, sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft.

Wartung ist keine Pflicht, aber empfehlenswert

Bei größeren, gewerblichen Anlagen wird meist routinemäßig ein Wartungsvertrag mit einem spezialisierten Dienstleister geschlossen. Hier sei die Wartung der Anlagen besonders wichtig, da die Betreiber in der Regel dezidierte wirtschaftliche Erwartungen hätten, die im Rahmen der Anlagenfinanzierung beziehungsweise bei der Einsparung von Strombezugskosten sichergestellt werden müssten, so Körnig.

Der Dienstleister übernimmt zum Beispiel die kontinuierliche technische Fernüberwachung sowie Sichtkontrollen und detaillierte Inspektionen der einzelnen Komponenten vor Ort, in der Regel mindestens einmal pro Jahr.

Für kleinere Solaranlagen auf Privathäusern ist eine regelmäßige Wartung der Solarstromanlage derzeit gesetzlich nicht vorgeschrieben. Trotzdem ist sie sinnvoll. Mit einer laufenden und fachkompetenten Anlagenkontrolle hat der Anlagenbesitzer eine größere Sicherheit für einen störungs- und unterbrechungsfreien Betrieb und damit gleichbleibend hohe Energieerträge. Denn schon der Ausfall eines einzelnen Moduls kann die Leistung der gesamten Anlage beeinträchtigen.

4.000 Anlagen installiert

Bei Handwerksunternehmer Wiesing können Kunden entweder das gesamte Wartungspaket für 73 Euro pro Jahr oder auch Teilbereiche buchen. Zusätzlich überwacht das Unternehmen rund 7.000 Wechselrichter per Fernwartung. Viele Leistungseinbußen durch einen fehlerhaften Wechselrichter können hier bereits präventiv abgefangen werden. Wiesings Betrieb betreut fast ausschließlich kleinere Anlagen auf Privathäusern, die vom Unternehmen selbst installiert wurden – immerhin rund 4.000.

Alle drei Jahre stattet ein Servicehandwerker der Wiesing Solartechnik den Kunden mit Wartungsvertrag einen Vor-Ort-Besuch ab. „Wir prüfen die Personenschutzautomaten, nehmen die Deckel in der Verteilung ab, schauen mit der Wärmebildkamera nach, ob an irgendeiner Stelle eine zu hohe Erhitzung vorliegt oder ob sich Kabel verformt haben. Gelockerte Schrauben werden nachgezogen, und auf dem Dach nehmen wir eine Sichtkontrolle vor“, sagt Wiesing. Durch die lückenlose Dokumentation kann er seinen Kunden helfen, Garantie- und Gewährleistungsansprüche durchzusetzen.

Kundenbindung und Folgeaufträge

Zugleich können durch den regelmäßigen Kundenkontakt Folgeaufträge entstehen, etwa die Erweiterung der Anlage durch zusätzliche Module, Batteriespeicher, Ladesäulen für Elektroautos, elektrische Wärmepumpen, LED-Beleuchtung oder Smart Meter. Inzwischen wird rund die Hälfte aller neuen PV-Systeme mit Speichern gebaut. Bei Speicheranlagen werden spezielle Anforderungen an regelmäßige Wartung gestellt, zu der gewerbliche Betreiber verpflichtet sind.

Weiterbildung wird immer wichtiger

Auch durch das noch relativ junge Geschäftsfeld des Repowering von Bestands-Solaranlagen können sich neue Geschäftsfelder für Handwerksbetriebe ergeben: Beim Repowering geht es darum, dass bei Bestandsanlagen außerhalb der Werksgarantie für den Anlagenbetreiber die Anschaffung eines Neugeräts attraktiver und kostengünstiger sein kann als Reparatur oder die Entscheidung für ein Austauschgerät. Fachhandwerker sind dann gefragt, wenn es um die Installation des Neugeräts geht oder im Vorfeld um die Kundenberatung.

Immer mehr Fotovoltaik-Systemdienstleister beschäftigen inzwischen ganze Abteilungen rund um das Thema Wartung und Reinigung von Solarkraftwerken. „Die Weiterbildung und Spezialisierung wird immer wichtiger“, sagt Stefan Wippich von der Envaris GmbH , ein auf Wartung spezialisiertes Unternehmen im Großraum Berlin. Denn der Solarmarkt zeichne sich durch eine wachsende Komplexität aus. „Verschiedene Wechselrichter, Monitoring-Systeme, Rundsteuerempfänger, Speicher, Ladesäulen – da sind Schulungen in den einzelnen Bereichen beziehungsweise zu den einzelnen Komponenten notwendig“, so Stefan Wippich.

Entsprechende Weiterbildungsangebote auch für Handwerker gibt es bei Modul- und Wechselrichtungsherstellern sowie Fotovoltaik-Systemhäusern.

Fotovoltaik-Wartung wird in aller Regel von den Betrieben und Fachleuten ausgeübt, die Solartechnik installieren. Außer Solartechniker sind auch die Bezeichnungen Fachkraft für Solartechnik sowie Solarteur geläufig. In der Regel erlernt man diesen Beruf in eine r vier- bis neunmonatigen Weiterbildung, an deren Ende eine Prüfung abgelegt werden muss. Inhalt und Dauer der Weiterbildung sowie den Ablauf der Prüfung legen die zuständigen Handwerkskammern fest. Als Qualifikation werden etwa eine Meisterprüfung, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrere Jahre einschlägige Berufserfahrung erwartet.

Erwartete Erträge sichern

Das Elektrohandwerk konzentriert sich überwiegend auf die Wartung von kleinen und mittleren Anlagen bei Privat- und Gewerbekunden. Dafür hat der ZVEH bereits 2008 den PV-Anlagenpass und 2009 den E-Check PV-Anlagen entwickelt, der dem Kunden und dem Installateur die Sicherheit gibt, dass seine Anlage ordnungsgemäß errichtet und gewartet wird. Um den E-Check durchführen zu können, muss eine eintägige Schulungsmaßnahme bei einer Bildungseinrichtung des Elektrohandwerks absolviert werden (siehe auch Kasten E-Check).

Christian Thierauf, Leiter des IBC Solar Competence Center, ist sicher: „Grundsätzlich ist das Geschäftsfeld Wartung für Solarhandwerker interessant, um Bestandskunden an sich zu binden und langfristig regelmäßige Aufträge zu generieren.“ IBC Solar ist weltweit mit Regionalgesellschaften vertreten und hat inzwischen Fotovoltaikanlagen installiert, die zwei Millionen Menschen mit Strom versorgen können. IBC macht regelmäßig Seminare und Weiterbildungsveranstaltungen für seine Fachpartner.

„Für die Betreiber von Solaranlagen ist die regelmäßige Wartung empfehlenswert, um die Funktionsfähigkeit der Installation sicherzustellen, die prognostizierten Erträge zu erwirtschaften und die Lebensdauer der Anlagen zu maximieren“, fasst Thierauf zusammen.

E-Check PV Prüfpflicht für gewerbliche Anlagen

Mit dem vom Zentralverband der Elektrohandwerke (ZVEH) entwickelten „E-CHECK PV“ überprüft ein qualifizierter Innungsfachbetrieb die Fotovoltaikanlage (PV) auf Mängel.

Ist die Prüfung Pflicht?

Für private Betreiber nicht, jeder gewerbliche oder landwirtschaftliche Betrieb ist aber verpflichtet, seine Fotovoltaikanlage regelmäßig auf den ordnungsgemäßen, sicherheitstechnischen Zustand überprüfen zu lassen.

Wer führt den E-Check durch?

Innungsfachbetriebe der Elektrohandwerke, die einen entsprechenden Lehrgang gemacht haben. Das sind inzwischen rund 1.000.

Was wird geprüft?

Funktionsfähigkeit, sicherheitstechnischer Zustand, Brandschutz, Energieeinsparungspotenzial und Ertragszustand der PV-Anlage (PV steht für Fotovoltaik).

Wie wird der Check nachgewiesen?

Im E-CHECK-Prüfprotokoll wird der Zustand der Anlage dokumentiert. Ist alles ordnungsgemäß, gibt es die offizielle E-CHECK-PV-Plakette.

Erkennen Versicherungen die Prüfung an?

Betreiber sind vor eventuellen Schadensersatzansprüchen geschützt, da sie in der Lage sind, gegenüber der Versicherung den technischen Zustand ihrer Fotovoltaikanlage nachzuweisen.

Was kostet der Check?

Das hängt von Größe und Zustand der Anlage ab, als Durchschnittswert gelten 200 Euro.

Die Aufgaben bei der Anlagenwartung

Bei der Wartung von Fotovoltaikanlagen und Speichersystemen geht es nicht nur um den technischen Check, sondern auch um die Optimierung oder den Ausbau einer älteren Anlage.

  • Fernüberwachung und Monitoring
    Hierbei geht es um laufende Kontrollen, auch der täglichen Erträge.
  • Erfassung, Beurteilung und Behebung von Fehlern
    Auch diese Bereiche lassen sich meistens per Fernüberwachung regeln.
  • Sichtkontrollen, Zustands- und Funktionsprüfung
    Alle Komponenten werden im Rahmen einer Wartung gecheckt.
  • Überprüfung des Wechselrichters
    Erfahrungen zeigen, dass Wechselrichter nach zehn Jahren Mängel haben.
  • Austausch defekter Komponenten
    Hier ist in Abstimmung mit den Herstellern auf Garantieleistungen zu achten.
  • Beurteilung der aktuellen Verschattungssituation
    Hier müssen mit Fachpartnern eventuell Bäume geschnitten werden.
  • Rückbau der Anlage
    Nach dem Laufzeitende Anlage rückbauen und fachlich entsorgen.
  • Nachrüstung anbieten
    Dazu zählen Stromspeicher, Ladesäule für Elektroautos, Wärmepumpe.
  • Beratung über Fördermittel
    Speziell bei Repowering oder Ersetzen einer alten Anlage.
  • Software-Updates bei Speichern
    In Abstimmung mit dem Hersteller, Kontrolle per Fernüberwachung.
Weitere Downloads zu diesem Artikel
  • Solarbatterien für Fotovoltaik-Anlagen (PDF, 506 kB)

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