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Geldanlage: Die richtige Strategie bringt Rendite

Die Notenbanken bestimmen auch 2015 das Geschehen an den Kapitalmärkten. Ob Anleihen, Aktien, Immobilien oder Lebensver­sicherungen, die Währungshüter geben im neuen Jahr die Richtung vor.

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Wie legen Handwerker ihr Geld gewinnbringend an? Noch vor ein paar Jahren war das eine leicht zu beantwortende Frage: Es gab gut verzinste Sparverträge, sichere Staatsanleihen, lohnende Lebensversicherungen. Wer sparte, konnte nichts falsch machen. Aber seit die Zentralbanken das Zinsniveau in Richtung null drücken, ist alles über den Haufen geworfen, was jahrzehntelang galt. „Die Märkte sind stark von den Zentralbanken geprägt“, stellt Asoka Wöhrmann, Vorstand im Investitionsgeschäft der Deutschen Bank, nüchtern fest. Tages- und Festgeld führt nach Steuern und Inflation immer häufiger zu einem Verlust. Auch langfristiges Sparen wird bestraft. Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts und scharfer Kritiker der Politik der Zentralbanken, betont: „Die Zeche zahlen alle jene, die Geld langfristig anlegen, also die Sparer und die Besitzer von Lebensversicherungen.“ handwerk magazin erklärt, warum das Zinstief in der Eurozone anhalten wird, und nennt das Renditepotenzial einzelner Anlageformen.

1. Zinsentwicklung

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nicht nur ihren Leitzins auf 0,05 Prozent gesenkt, was die kurzfristigen Sparzinsen drückt, sondern manipuliert auch die langfristigen Anlagezinsen nach unten. Dabei scheint ihr jedes Mittel recht zu sein. Mit dem Ziel, die langfristigen Zinsen in den Euro-Krisenstaaten zu senken, kaufte die EZB 2010 bis 2012 gezielt für hunderte Milliarden Euro Staatsanleihen auf. Die Folge: Länder wie Italien und Spanien konnten sich günstiger verschulden. Wenn die EZB als williger Nachfrager auftritt, müssen Regierungen anderen Investoren nicht mehr so hohe Zinsversprechen geben.

Damit nicht genug: Mitte 2012 folgte die Ankündigung der EZB, sogar unbegrenzt Staatsanleihen von Problemländern aufzukaufen, falls deren Zinsen steigen sollten. „Koste es, was es wolle“, unterstrich EZB-Präsident Mario Draghi. Mit der Zentralbank als potenziellen Abnehmer im Rücken, griffen Großinvestoren beherzt zu, kauften Papiere selbst von hochverschuldeten Euro-Ländern und trieben so deren Kurse in die Höhe und die Rendite in den Keller. Die Maßnahme der EZB ist umstritten. Sie steht deswegen vor Gericht.

Den Ausgang des Verfahrens nicht abwartend, schafft Draghi Fakten: Im Sommer 2014 kündigte er an, Investoren für 1000 Milliarden Euro Wertpapiere abzukaufen. Zunächst erwähnte Draghi nur Pfandbriefe und Kreditverbriefungen. Dann sprach sich herum, dass allein mit diesen Papieren das Volumen nicht zu schaffen sei. Nur der Markt für umlaufende Staatsanleihen sei groß genug. Also rechnen Beobachter fest mit dem Kauf dieser Papiere. Im Frühjahr 2015 soll es losgehen. In Erwartung der Käufe sind die langfristigen Zinsen in Südeuropa auf rund zwei Prozent und in Frankreich und Deutschland unter ein Prozent gefallen. Das Geld für die Anleihenkäufe druckt die EZB selbst. Das ist bildlich gesprochen, denn heutzutage rotiert keine Notenpresse mehr, sondern die Zentralbank verbucht die Beträge elektronisch in ihrem Computer.

Diese Methode hat nur Inflationspotenzial. Die EZB begründet die Maßnahme ja explizit damit, die Inflation erhöhen zu wollen. Ob das gut geht? Nicht nur Ifo-Präsident Sinn sieht in dem Tun eine verbotene Staatsfinanzierung: „Die Käufe sind nicht gedeckt durch das Mandat der EZB, denn es handelt sich um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme zur Unterstützung der Finanzsysteme fast bankrotter europäischer Länder.“

Hoffnung auf bald wieder deutlich höhere Zinsen sollten sich Sparer nicht machen. Ein Blick auf die Verschuldung der meisten Industrieländer spricht dagegen. Thomas Mayer, Gründungsdirektor der Denkfabrik „Flossbach von Storch Research Institut“, nennt die Fakten: Im Euroraum steht die Verschuldung aller Sektoren (Staat, Haushalte, Unternehmen) bei 450 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), in Japan bei 650 und in den USA bei 314 Prozent. „Wie hier der Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik gelingen soll, ist unklar“, so Mayer. Würden die Zinsen, die diese Länder für neue Schulden zahlen, kräftig steigen, sind sie pleite. Also drücken die Notenbanken das Niveau.

2. Gold

Die riskante Politik der EZB spricht für Gold. „Ein Depotanteil von zehn bis 15 Prozent, als Versicherung für den großen Krach, ist nicht verkehrt“, sagt Vermögensverwalter Löbbe. Für Thorsten Polleit, Chefvolkswirt beim größten Goldhändler Deutschlands, Degussa, ist das Edelmetall das „ultimative Zahlungsmittel“. „Es wird überall akzeptiert. Gold verliert seine Kaufkraft nicht, weder durch Inflation noch durch Zahlungsausfall von Schuldnern.“

3. Aktien

Wie Gold sind auch Aktien Sachwerte: Drei Prozent Rendite lassen sich mit ihnen erzielen – Jahr für Jahr als Gewinnausschüttung. „Dividenden sind der neue Zins“, heißt es bei der Deutschen Bank. Im Schnitt schütten alle 30 DAX-Konzerne drei Prozent Dividendenrendite an ihre Aktionäre aus. Deutsche-Bank-Experte Wöhrmann hat keinen Zweifel: „Auch 2015 wird der Aktienmarkt der Ort sein, an dem man investieren muss.“ Sein Kollege Stefan Schneider, Chefvolkswirt Deutschland, sieht den DAX „Ende 2015 bei 11.500 Punkten“. Andere Banken, wie die Helaba, sind pessimistischer und erwarten 8300 bis 10.000 Punkte.

Vorsicht ist also angebracht. Einzelinvestments sind riskant. Privatanleger sollten daher zu Fonds greifen. Damit die Rendite nicht von den Kosten aufgezehrt wird, sind börsengehandelte Indexfonds (ETF) zu empfehlen. Die Indexfonds gibt es auf nahezu jeden Index.

4. Anleihen

Deutsche Anleihen sehr guter Qualität, ob von Unternehmen oder vom Staat, sind nach Steuern und Inflation ein Minusgeschäft. Neue Titel von Mittelständlern bringen zwar noch bis zu fünf oder sechs Prozent, für Jörg Löbbe, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter Aubilia, sind sie aber zu riskant. „Finger weg“, lautet sein Rat. Wenn es mit der Ruhe an den Märkten vorbei ist, kämen Anleger aus den Papieren nur mit großen Preisabschlägen raus. Wer im Anleihebereich mehr Rendite möchte, muss über den Tellerrand sehen. Investoren landen dann bei exotischen Papieren wie polnische oder brasilianische Anleihen. Wer langfristig an diese Länder glaubt, könnte für seinen Mut belohnt werden. Zu den Zinseinnahmen besteht die Chance auf Währungsgewinne. Die Polen sind unsere Nachbarn und fleißige Handwerker. Warum nicht in Zloty-Papiere investieren?

5. Lebensversicherung

Eine klassische Lebensversicherung wiederum garantiert zwar ab dem 1. Januar 1,25 Prozent im Jahr auf den Sparanteil. Das ist aber nur für Anleger interessant, die ihr Vermögen langfristig erhalten wollen. Auch sollte der Abschluss bei einem finanzstarken Versicherer wie Allianz oder R+V erfolgen. Aus zwei Gründen: Finanzstärke schützt in schwierigen Zeiten. Und sie erlaubt eine flexiblere Anlagepolitik. Viele Versicherer haben nur deshalb in niedrig verzinste Staatsanleihen investiert, weil sie diese Papiere nicht mit Eigenkapital unterlegen müssen. Aktien dagegen müssen im neuen Aufsichtsregime Solvency II, das 2016 sukzessiv in Kraft tritt, mit bis zu 49 Prozent eigenem Geld abgesichert sein. Das ist relativ teuer.

6. Immobilien

Niedrige Zinsen haben auch etwas Gutes. Hypothekenkredite sind günstig. Entsprechend groß ist Nachfrage nach „Betongold“. In den Metropolen Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart sind die Immobilienpreise kräftig gestiegen, sodass die Investitionen nicht rentabler geworden sind. Die Bundesbank warnt vor einer Blasenbildung in den Großstädten. Hier ist ebenso Vorsicht angebracht wie in vielen Mittel- und Kleinstädten, deren Bevölkerung abnimmt, was den Wert einer Immobilie dort mindert. Bis auf Bayern und Sachsen haben alle Bundesländer die Grunderwerbsteuer erhöht, in der Spitze sogar auf 6,5 Prozent. Das schmälert die Rendite.

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