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Berufsunfähigkeit Für den Ernstfall richtig vorsorgen

Kosten und Hürden für den Risikoschutz steigen: Wenn die private Berufsunfähigkeitsversicherung zu teuer wird oder Sie nicht mehr aufgenommen werden, gibt es Alternativen.

Themenseite: Berufsunfähigkeitsversicherung

Handwerker gehören zu den Berufsgruppen mit einem hohen Risiko: Nach Angaben des Bundes der Versicherten gehen 40 bis 50 Prozent aller Handwerker noch vor der Regelaltersgrenze in Rente. Die gefährlichsten Berufe im Handwerk sind laut Statistik Gerüstbauer und Dachdecker. Mehr als die Hälfte von ihnen wird noch vor der gesetzlichen Regelaltersgrenze vollständig oder teilweise erwerbsunfähig.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) bietet Handwerkern hier einen besonderen finanziellen Schutz, den der Staat nicht leistet. Wird ein Handwerker berufsunfähig, zahlt ihm die Versicherung eine monatliche Rente. Wie hoch diese Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherung ausfallen, vereinbaren beide Vertragspartner beim Abschluss der Police. Als Leistungsfall gilt bei vielen Anbietern bereits eine Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent.

Hohe Beiträge bei der Berufsunfähigkeitsversicherung für Handwerker

Die Kosten für eine private Berufsunfähigkeitsversicherung richten sich nach dem jeweiligen Gewerk. Je schwerer die körperliche Arbeit ist, desto höher fallen die Beiträge aus.

Insgesamt zahlen Handwerker der Bau- und Ausbaugewerke hohe Prämien für ihren Risikoschutz, da sie von den Versicherungen meist der höchsten Risikogruppe zugeordnet werden. Mit den hohen Beiträgen gleichen die Gesellschaften dann die hohe Wahrscheinlichkeit aus, dass sie tatsächlich eine BU-Rente zahlen müssen. „Dachdecker gehören zu den teuersten Berufsgruppen im Handwerk“, erklärt Brigitte Mayer von der Verbraucherzentrale Hessen. Für einen selbstständigen Dachdecker, 30 Jahre, beträgt die jährliche Prämie ab 2.800 Euro aufwärts für eine BU-Rente von 1.500 Euro im Monat. Nicht jeder junge Unternehmer kann diesen Beitrag zahlen.

Risikoschutz splitten

Beim privaten Risikoschutz scheitern Handwerke r nicht nur an der Beitragshöhe, sondern auch an eventuellen Vorerkrankungen, die die Versicherung zusätzlich verteuern. Dafür versuchen die Gesellschaften jetzt, mit Alternativen für Invaliditätsrisiken zu punkten. Die Policen sind günstiger, sichern aber nur Teilbereiche ab.

Ein Beispiel dafür ist die Unfallversicherung. „Sie ist für Hochrisikogewerke wie Dachdecker oder Gerüstbauer oft das Einzige, was für diese Berufsgruppen noch bezahlbar ist“, erklärt Verbraucherschützerin Mayer.

Ihr Rat lautet den Risikoschutz splitten: in Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung. Denn diese Kombination kostet deutlich weniger als der klassische Berufsunfähigkeitsvertrag.

Alternativen zur privaten Berufsunfähigkeitsversicherung

Handwerker aus den Risikogewerken scheitern beim Versicherungsschutz oft an den Kosten oder der Gesundheitsprüfung der Gesellschaften. handwerk magazin zeigt hier die besten Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

Absicherung von Invalidität Erwerbsunfähigkeits-Versicherung (EU) Dread-Disease-­Versicherung (DD) Private ­Unfallversicherung Grundfähigkeits-Versicherung (GF) Funktionale Invaliditätsversicherung ­(Multirisk-policen)
Zahlungsweise Monatl. Rente / Höhe abhängig vom Erwerbseinkommen bei Abschluss Größere Summe, frei wählbar (je nach An­nahmebedingungen) Größere Summe, frei wählbar, optional auch zusätzliche Unfallrente Monatliche Rente,
z. B. 1.500 Euro
Monatliche Rente, z. B. 1.500 Euro
Leistung/ Laufzeit Bis zur Rente, maximal bis 67 Jahre Einmalige Zahlung, z. B. 100.000 Euro Grund-Invalidität z. B. 100.000 Euro, Krankenhaustagegeld/Genesungsgeld 50 Euro; bei Tod 10.000 Euro Bis zur Rente, max. bis 67 Jahre Bis zur Rente, max. bis 67 Jahre
Voraus- setzungen für Leistung Wenn Versicherter infolge von Krankheit/Unfall nicht mehr arbeiten kann (max. Restarbeitsvermögen unter drei Stunden täglich). Vorteil: auch psychische Erkrankungen sind mitversichert Bei bestimmten schweren Krankheiten und gesundheitsbedrohlichen Ereignissen wie z. B. Herzinfarkt Bei Invalidität nach einem Unfall (körperliche, Beeinträchtigung nach Gliedertaxe). Vorteil: ­Einige Versicherer bieten Reha-Leistungen und behinderungsbedingte Mehraufwendungen Verlust grundlegender Fähigkeiten wie Sehen, Gehen, Sprechen, Hören, Orientierungssinn, Sitzen, Beugen (Verlust für mindestens ein Jahr) Ausschnittsdeckung aus GF, Unfall, DD, EU, Beeinträchtigungen körperlicher Funktionen wie Blindheit, Taubheit oder des Bewegungsapparates für mindestens ein Jahr. Krankheit muss einen vorgegebenen Schweregrad erreichen
Kosten im Verhältnis zur BU1 35 – 50 % 40 – 50 % 12 – 25 %
mit Unfall­rente: 20 – 30 %
45 – 60 % 25 – 40 %
Eignung Zu empfehlen mit Unfall-, Dread-Disease- oder/und Grundfähig-keits-Versicherung Bei Erbkrankheiten in Kombination mit Grundfähigkeits-Versicherung Günstig in Kombination mit BU Zu empfehlen mit EU- und Unfall-Versicherung Je nach Bedarf mit anderen Verträgen ergänzen

1) im Vergleich zu Elektriker 35 Jahre, BU-Rente 1.500 Euro, bis Vertragsendalter 63, Durchschnitt mtl. 120 Euro Prämie;
Quellen: www.fairtest.de, eigene Recherche

Analyse: Hauptgründe für die Erwerbsminderungsrente

Die Statistik zeigt: Die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit oder Erwerbsminderung in Deutschland sind heute psychische Erkrankungen. Bis vor einigen Jahren waren es noch starke Einschränkungen des Skelett- und Bewegungsapparates.

Erkrankung Prozent
Nerven und psychische Erkrankungen 29 %
Erkrankung des Skelett- und Bewegungsapparates 21 %
Krebs und bösartige Geschwulste 16 %
sonstige Erkrankungen 16%
Herz- und Gefäßerkrankungen 9%
Unfälle 9%

Quelle: Morgen & Morgen

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  • Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung (PDF, 84 kB)

    Um Invaliditätsrisiken abzusichern, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung optimal. Doch nicht jeder Handwerker kann sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung leisten oder scheitert an den Aufnahmehürden mehr...

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