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Fahrbericht Ford Transit: Der nützliche Spurensucher

Ford hat den Transit mit einem neuen Allradantrieb ausgestattet: Das System soll Handwerker und ihr Equipment zuverlässig auch über raue Pisten ins Einsatzgebiet bringen. Die Ranger-Raptor-Optik der Trail-Ausstattung unterstreicht das Versprechen.

Themenseite: Autotests

Von der breit asphaltierten Straße auf den schmalen, ruppigen Feldweg und hinein ins enge buckelige Waldgeläuf. Wir sind unterwegs mit einem Ford Transit. Da schaut nicht nur der Förster etwas skeptisch: Taugt dieser große Kasten tatsächlich als talentierter Holztransporter für den Schreiner? Die Außenoptik der Trail-Ausstattung – Zitate des Ford Pick-up-Modells Ranger Raptor in Gestalt eines martialischen schwarzen Kühlergrills, schwarze 16-Zoll-Felgen und Seitenschweller – versprechen Robustheit.

Aber was ist mit der Antriebstechnik?

Als Hecktriebler, so die Vermutung, bleibt der Transit doch im ersten Schlammloch stecken! Bleibt er nicht: Unser Proband ist das neue Modell mit permanentem Allradantrieb. Hier übernimmt eine elektronisch angesteuerte Lamellenkupplung die im Standardmodus variable Kraftverteilung zwischen den Achsen. Sie ist im Differenzialkorb der Vorderachse integriert und trägt damit in Sachen Zusatzgewicht nur unwesentlich auf. Sprich: Die Zuladung entspricht der des heckgetriebenen 3,5-Tonners, ebenso das Ladevolumen – abhängig von der Modellausführung. Notabene: Der All-Wheel-Drive ist auf mittlerem (L2) und langem (L3) Radstand als Kasten-Lkw und für die Fahrgestelle zu haben, jeweils mit Einzel- oder Dop­pel­kabine. Und wird wahlweise von der 96 kW (130 PS) oder 125 kW (170 PS) starken Version des 2,0-Liter-EcoBlue-Diesel angetrieben. Die Kraftübertragung erfolgt in allen Fällen über ein präzise und in den beiden unteren der insgesamt sechs Gänge effizient kurz übersetztes Schaltgetriebe.

Test: Wurzelgespickter Trail

Wir haben den L2-Kastenwagen in den Wald entführt und zirkeln ihn auf einem wurzelgespickten Trail durch den Baumbestand. Ein bisschen Verschränkung hier, ein paar Erdhügel dort, dazwischen eine ausgewaschene Spur – das meistern Fahrwerk und Allradantrieb sehr ordentlich, vor allem im Kriechtempo-talentierten ersten Gang. Dabei hilft der per Druckschalter aktivierte „Schlamm- und Spurrillen-Modus“ des AWD-Systems: Die Elektronik sperrt den Längenausgleich zwischen den beiden Achsen und teilt ihnen damit jeweils 50 Prozent der angelieferten Motorleistung zu. Rangiert man im engen Radius, sind naturgemäß deutliche Verspannungen im Antriebsstrang spürbar, vor allem im Rückwärtsgang.

In der Variante Kasten-Lkw 350 L2 (mittlerer Radstand) steht der Ford Transit Trail Allrad für 43.400 Euro beim Händler – mit der schwarzen Außenoptik sowie Teil-Ledersitzen, einer Klimaanlage, einer beheizbaren Frontscheibe, elek­trisch anklappbaren Außenspiegeln, einem Scheinwerfer-Assistenten (Tag-/Nacht-Sensor) sowie dem SYNC3-Info-/Entertainment-System und dem FordPass Connect (Modem inkl. WLAN).

Zurück auf dem Feldweg aktivieren wir den AWD-Auto-Modus mit seiner schlupfabhängig variablen Kraftverteilung – die in Kombination mit der elek­tronischen Stabilitätskontrolle mit fahr­sicherer Traktion punktet, wie man sie beispielsweise auch auf winterlichen Straßen gerne mag.

Technische Daten des Testwagens

  • Modell: Ford Transit Trail Allrad Kasten (Einzel-/Doppelkabine)
  • Abmessungen (L/B/H): 5.531 – 5.981/2.059/2.447 – 2.477 mm
  • Radstand: 3.300 – 3.750 mm
  • Leergewicht: 2.265 – 2.714 kg
  • Nutzlast: 871 – 1.027 kg
  • Ladekapazität: 5.700 – 12.400 Liter
  • Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder, EcoBlue-Turbodiesel, SCR-Katalysator, Rußpartikelfilter
  • Leistung: 96 kW/130 PS bis 125 kW/170 PS
  • Drehmoment: 360 – 415 Nm
  • Verbrauch: 9,9 l/100 km
  • CO2-Emissionen: 261 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC
  • Basispreis (exkl. MwSt.): ab 43.400 Euro

Für gemischtes Geläuf: Ford Transit Custom Trail mLSD

Wer als Handwerksunternehmer seine Mitarbeiter viel auf unbefestigte Straßen, Schotterpisten oder schwierige Untergründe schickt, der sollte sich den Transit Custom Trail von Ford ein wenig genauer ansehen. Denn die Domstädter versprechen beim Newcomer „optimiertes Potenzial“. Ob er dieses ­Versprechen auf der ersten Ausfahrt aber auch hält?

Ford Transit Custom Trail

Ab auf die Baustelle: Für alle dort auftretenden Unwegsam- und Unwägbarkeiten ist der kompakte Ford Transit Custom nun mit einem mechanisch arbeitenden Sperrdifferenzial (mLSD = mechanical Limited-Slip Differential) für die Front-Antriebsachse gewappnet. Die vom Technik-Spezialisten Quaife entwickelte Komponente wurde aus dem Pkw-Teilebaukasten (ST-Modelle) genommen und auf das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) des Eintonners adaptiert. Das Funktionsprinzip ist effizient-einfach: Dreht eines der beiden Vorderräder auf schlupfigem Untergrund durch, setzt die Sperrfunktion stufenweise ein – womit automatisch mehr Kraft an jenes Rad mit der besseren Traktion geleitet und der Schlupf am durchdrehenden Reifen reduziert wird.

Das funktioniert in der Praxis sehr ordentlich, wie wir im Rahmen einer ersten Ausfahrt feststellen konnten: In einem leicht gemischt untergründigen Geläuf zog sich der Transit Custom Trail mit dezentem Krafteinsatz wirksam aus dem Schlamm-Massel. Auf Asphalt reißt der Fronttriebler beim engagierten Tritt aufs Gaspedal allerdings spürbar an der Lenkung. Aus der markierten Fahrspur gerät man dabei dennoch nicht: dem Spurhalte-Assistenten sei Dank.

Teil-Ledersitze Ford Custom Trail

Die Trail-Ausstattung entspricht jener des großen Bruders Transit. Eher lifestylig orientierte Gewerbekunden mögen sich das schickere Active-Paket (u.a. 17-Zoll-Alufelgen, Dachreling, Teil-Ledersitze, Blauschimmer-Instrumentenpanel) gönnen. Als Antriebsaggregat steht der bekannte 2,0-Liter-EcoBlue-Turbodiesel in den Leistungsstufen 96 kW, 125 kW und 136 kW auch als „mild Hybrid“-Variante mit Starter-Generator, 48-Volt-Batterie und Rekuperationstechnik zur Wahl.

Die Preisliste des Transit Custom Trail beginnt bei 34.080 Euro (Active ab 44.335 Euro).





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