Finanzierung -

Förderprogramme: Finanzieren fast zum Nulltarif

Volle Geldtöpfe, historisch niedrige Zinsen: Gründer und Unternehmer haben derzeit noch gute Chancen, sich eine optimale Finanzierung zu sichern. Wie Sie Ihre Projekte richtig angehen.

Die Firma Dinger Stone in Bahlingen steuert steil auf Wachstumskurs. In den letzten Jahren realisierte der Steinmetz-Betrieb im Schnitt 30 Prozent Umsatzplus. Simeon und Raphael Dinger führen die Firma in der fünften Generation. Die beiden Geschäftsführer haben sich auf Naturstein-, Quarz- und Keramikprodukte spezialisiert. Zu ihren Kunden zählen Küchenstudios, Ladenbauer, Hotels sowie private Verbraucher. „Wir führen ein breites Sortiment in verschiedenen Preislagen“, erläutert Raphael Dinger einen der Erfolgsfaktoren. In diesem Jahr investieren die beiden Unternehmer 3,4 Millionen Euro in einen Neubau.

Genaue Planung ist wichtig

Die Finanzierung für den Neubau steht. „Wir haben das Projekt über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren detailliert vorbereitet“, sagt Raphael Dinger. Geplant sind eine rund 4000 Quadratmeter große Produktionshalle plus 750 Quadratmeter Büros sowie ein großer Ausstellungsraum. Im ersten Schritt erstellte die Führungsriege einen ausführlichen Businessplan. „Unter anderem haben wir sehr genau analysiert, welche Vorteile wir in unserem Produktionsablauf durch die Flächenexpansion realisieren“, sagt Dinger. Im Businessplan werden die Effekte anhand eines Vorher-Nachher-Vergleichs ausführlich erläutert. „Damit konnten wir unsere Geldgeber überzeugen“, so der 35-Jährige. Der Zeitaufwand für die Planung war enorm. „Im Businessplan stecken mehrere hundert Arbeitsstunden“, so Dinger.

Finanzierungsangebote kombinieren

Der Unternehmer holte Finanzierungsangebote bei verschiedenen Geldinstituten ein. Er entschied sich dafür, das Vorhaben mit der Hausbank zu realisieren. Das Geldinstitut holte die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg sowie die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft des Landes und das Förderinstitut L-Bank ins Boot. Dinger führte mehrere Gespräche mit den Experten, bevor er die Zusage erhielt.

Ein klassischer Fall: Bei kapitalintensiven Vorhaben läuft die Finanzierung in der Regel auf einen Mix verschiedener Geldgeber hinaus. Vielfach profitieren Handwerksunternehmer von öffentlichen Förderprogrammen, Zuschüssen sowie von Bürgschaften und Beteiligungen. Zumeist kommt die KfW-Bankengruppe mit zinsgünstigen Darlehen ins Spiel, die von der Hausbank vermittelt werden. Aktuell haben Firmenchefs gute Chancen, sich unter optimalen Bedingungen eine geförderte Finanzierung für ihre Investitionen zu sichern. Die Zinsen bewegen sich nach wie vor auf historisch niedrigem Niveau. Entscheidend wird es allerdings auch in diesem positiven Umfeld sein, mit der richtigen Vorbereitung an den Start zu gehen.

Volle Fördertöpfe

Die Fördertöpfe sind voll. Im vergangenen Jahr stellte die KfW Mittelstandsbank den Unternehmen mehr als elf Milliarden Euro frei. Davon entfielen acht Milliarden Euro auf das Standardprogramm Unternehmerkredit. Kredite über 2,6 Milliarden Euro flossen Gründern in die Startkasse. In diesem Jahr profitieren die Gründer von einer Erhöhung der Fördergelder. Mehr als 6000 zusätzliche Existenzgründer mit einem aufgestockten Darlehensvolumen von insgesamt 300 Millionen Euro können finanziert werden. Insgesamt profitieren sie von bis zu 1,69 Milliarden Euro allein im Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) der Europäischen Union. Auch die Bürgschaftsbanken und die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBG) zeigen sich engagiert. Zum Beispiel in Sachsen-Anhalt: Die Institute haben 2013 dort Investitionen von fast 102 Millionen Euro ermöglicht. Positiv auch die Einschätzung der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg: „Die Unternehmer sind zuversichtlich. Sie investieren, Gründer starten neu“, sagt Vorstand Guy Selbherr.

Businessplan ist notwendig

Egal, wofür der Handwerker das Kapital braucht: Die Geldinstitute erwarten detaillierte und realistische Planzahlen für die nächsten drei bis fünf Jahre. Entscheidend wird es sein, die Chancen und Risiken des Vorhabens ausführlich zu erläutern. Der Unternehmer erstellt eine Investitionsrechnung sowie einen Liquiditäts-, Tilgungs- und Finanzierungsplan. Darauf sollte er viel Zeit verwenden sowie die Daten und Fakten des Vorhabens erläutern können. Ein guter Businessplan enthält auch das Konzept in übersichtlicher Form, die der Banker gleich erfassen kann.

Der Firmenchef sollte einen Plan B entwickeln, falls sich das Unternehmen schlechter als erwartet entwickelt. „Viele Businesspläne werden den Anforderungen der Banken und Sparkassen nicht ansatzweise gerecht“, warnt Holger Fischer, Steuer- und Finanzierungsberater der Kanzlei Ecovis in Würzburg. Clevere Unternehmer planen für eine akribische Vorbereitung der Kreditzusage rund zwei bis drei Monate ein. Roberto Salibrici, Kfz-Mechanikermeister mit eigenem Betrieb in Ebenweiler bei Ravensburg, bereitete eine Erweiterungsinvestition von 350 000 Euro ein dreiviertel Jahr lang vor. Anfang März wurde mit einem Neubau des Autohauses an einem anderen Standort begonnen. Die Finanzierung läuft über einen Förderkredit sowie in Höhe von 50 000 Euro über das Mikrmezzanineprogramm der MBG Baden-Württemberg.

Schnelle Zusage

„Die Zusage der Beteiligungsgesellschaft für die Finanzierung von 50 000 Euro haben wir innerhalb von wenigen Wochen erhalten“, sagt Salibrici. Der Vorteil der Beteiligungs-Finanzierung: Der Unternehmer musste für das Kapital keine Sicherheiten stellen. Außerdem stärkt eine Beteiligung das Eigenkapital des Betriebes. Das bringt Vorteile beim Rating.

Deshalb entschied sich auch Dinger für Mezzanine der MBG. „Wir konnten uns durch das Engagement der verschiedenen Geldgeber gute Konditionen sichern“, so der 35-Jährige .

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