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Finanzierung: Frisches Geld für kleine Betriebe

Weil die Nachfrage so groß ist, hat das Bundeswirtschaftsministerium das Volumen des Mezzaninefonds Deutschland jetzt ver­doppelt. Beste Chancen fürs Handwerk, im neuen Jahr zu investieren.

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Die Friseurin aus Potsdam, Jacqueline Böttcher, ist begeistert. „Besser könnte der Start mit einem eigenen Salon nicht laufen“, findet die 37-Jährige. Um Familie und Beruf vereinbaren zu können, hatte sich die Mutter eines 13-jährigen Sohnes schon seit ein paar Jahren mit einem eigenen Stuhl in einem Salon selbständig gemacht. Jetzt aber hört die dortige Inhaberin auf – und Böttcher möchte die Chance nutzen und einen eigenen Laden eröffnen.

Die optimale Immobilie sucht sie noch – die Finanzierung steht schon. Auf 13 000 Euro ist der Start in die Selbständigkeit kalkuliert, 10 000 Euro hat sie schon sicher. Sie bekommt das Geld aus dem Mezzaninefonds Deutschland. Sobald ein Mietvertrag unterschrieben ist, freut sich Böttcher, ist das Geld auf dem Konto.

Eigenkapital stärken

Für Milos Stefanovic, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Brandenburg GmbH und somit auf Finanzierungen im Handwerk spezialisiert, zeigt der Fall Böttcher deutlich, wie wichtig die Einrichtung des 2013 eingeführten Fonds war. „Frau Böttcher ist ein Musterbeispiel.“ Etwa die Hälfte der deutschen Unternehmen, erläutert er, hat keinen hohen Kreditbedarf, weder bei der Gründung noch bei späteren Investitionen, „und das ist im Handwerk oft der Fall“. Dennoch, so Stefanovic, haben es gerade kleine Betriebe schwer, an Geld zu kommen. Der Grund: Viele Betreibe haben nur eine geringe Eigenkaptalquote und nicht genügend Sicherheiten.

Genau hier greift der Mikromezzaninefonds Deutschland (MMD). Aufgelegt wurde er vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Die Mittel stammen aus dem Europäischen Sozialfonds ESF und dem ERP-Sondervermögen. Der MMD stellt zwischen 10 000 und 50 000 Euro zur Verfügung, nicht nur für Gründungen wie im Fall Böttcher, sondern auch für spätere Investitionsvorhaben. Der Fonds gewährt das Geld nicht als Darlehen, sondern als stille Beteiligung. Dadurch wird der Kredit zwar einerseits teurer als ein normales Bankdarlehen, denn die Zinsen sind höher. Andererseits bringt Mezzaninekapital aber große Vorteile. Denn das gewährte Geld muss nicht besichert werden und wird dem Eigenkapital zugerechnet. Ein Pluspunkt, wenn weiterer Finanzierungsbedarf besteht. Denn je höher die Eigenkapitalquote ist, umso besser sind die Kreditkonditionen.

Hohe Nachfrage stärkt den Fonds

Friseurin Böttcher braucht kein weiteres Kapital, sie hat sich wegen der langen Laufzeit von zehn Jahren und dem späten Rückzahlungsbeginn für Mezzaninekapital entschieden. Die ersten sieben Jahre zahlt sie nur die Zinsen, vierteljährlich sind dies 210 Euro. Die Rückzahlung beginnt erst im achten Jahr. „Und bis dahin“, ist sie sich sicher, „läuft der Laden so gut, dass ich das stemmen kann.“

Dass der Fond gut ankommt, belegen die Zahlen: Gut ein Jahr nach dem Start haben über 700 Unternehmen darauf zugegriffen. Zusammen haben sie rund 30 Millionen Euro erhalten. Das Wirtschaftsministerium hat deswegen im Herbst beschlossen, das Volumen von 35 auf 70 Millionen Euro zu verdoppeln. Ursprünglich hatte man kalkuliert, dass bis Ende 2015 etwa 1000 Unternehmen Fondsmittel einsetzen werden. Banker Stefanovic geht inzwischen sogar davon aus, dass es Ende 2015 noch einmal eine Verdoppelung geben wird.

Keine Mitsprache für Kapitalgeber

Die Nachfrage kommt aus allen Wirtschaftszweigen – auch aus dem Handwerk, wie Stefanovic betont. Zufrieden ist er noch nicht, denn der Bedarf dürfte im kleinstrukturierten Handwerk größer sein. Das Problem: Viele Betriebsinhaber haben Angst, durch eine Beteiligung an Einflussnahme zu verlieren. Eine überflüssige Scheu, denn bei Mezzaninebeteiligungen bekommt der Kapitalgeber weder Stimmrechte, noch mischt er sich ins Tagesgeschäft ein.

Wie genau der zukünftige Salon von Jacqueline Böttcher aussehen wird, entscheidet die Jungunternehmerin alleine. Noch laufen für sie die Planungen auf Hochtouren. 

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