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Mitarbeiter Fehlzeiten: Mit guter Kultur gegen den Krankenstand

Aufatmen bei den Chefs: Nachdem Corona im März für einen massiven Anstieg der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (AU) im Handwerk gesorgt hat, haben sich die Krankmeldungen laut IKK Classic wieder normalisiert. Wie Chefs die Zahl der gelben Zettel langfristig in den Griff bekommen.

Topic channels: TS Arbeitsschutz und Gesundheit und TS Mitarbeitermotivation

Nach einem (Corona-bedingten) Anstieg im März 2020 hat sich das Krankheitsgeschehen unter den Versicherten der IKK classic in den Folgewochen wieder normalisiert und liegt gegenwärtig leicht unter Vorjahresniveau. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Arbeitsunfähigkeitsdaten von rund 1,5 Millionen Versicherten der bundesweiten Handwerker-Krankenkasse hervor. Demnach waren im Mai dieses Jahres unter den bei der IKK classic (mit Anspruch auf Krankengeld) versicherten Arbeitnehmern 140.063 Personen mindestens einen Tag krankheitsbedingt arbeitsunfähig (AU). Dies entspricht einer AU-Quote von 9,6 Prozent und liegt damit unter dem Vorjahreswert (14 Prozent). Auch in den Monaten Januar, Februar und April lag die AU-Quote jeweils unter Vorjahresniveau. Bis zum 31. Mai 2020 reichten 38,9 Prozent der Beschäftigten mindestens eine Krankschreibung ein, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 42,6 Prozent. Trotz des aktuell positiven Trends warnen Experten davor, die Gesamtentwicklung aus den Augen zu verlieren: die zeigt in den letzten Jahren nämlich durchwegs einen Anstieg der AU-Meldungen bei allen gesetzlich Versicherten.

Wie die Führungskraft die Zahl der AU-Zettel bestimmt

Lässt sich mit einer motivierenden Führungskultur der Krankenstand senken? Ralf R. Strupat, Führungskräftecoach in Halle, bietet Chefs in seinen Seminaren und Coachings einen anderen Ansatz für ein gesundheitsförderndes Betriebsklima: die Begeisterung für ihren Job. Schließlich hat die AOK-Krankenkasse bei einer repräsentativen Befragung von rund 2000 Mitarbeitern herausgefunden, dass die Unternehmenskultur einen wesentlichen Einfluss auf das Wohlbefinden der Teammitglieder hat. Beschäftigte, die ihre Unternehmenskultur als schlecht empfinden, klagen dreimal häufiger über körperliche und psychische Beschwerden als Beschäftigte, die ihre Unternehmenskultur positiv wahrnehmen.

Jeder Krankheitstag eines Mitarbeiters kostet 450 Euro

Wenn sich ein Mitarbeiter nach dem anderen krankmeldet, lehrt das viele Chefs das Fürchten. Und das aus gutem Grund, denn ein hoher Krankenstand bringt Auswirkungen mit sich, die ein Unternehmen langfristig im Kern erschüttern können. Die Kosten für einen Krankheitstag – inklusive Opportunitätskosten – betragen pro Mitarbeiter durchschnittlich 450 Euro. Hochgerechnet ergeben sich daraus schnell sechs- oder siebenstellige Beträge.

Gesunde Mitarbeiter werden zusätzlich belastet

Neben den Kosten ist natürlich auch davon auszugehen, dass ein hoher Krankenstand den Rest des Teams enorm belastet. Häufig sogar so sehr, dass selbst die fittesten Mitarbeiter ab einem gewissen Punkt nicht mehr in der Lage sind, ihr Bestes zu geben. Die Konsequenz: Die Ausfallzeiten werden immer höher und auch die Kunden klagen irgendwann über den daraus resultierenden Qualitätsverlust. Darüber hinaus steigt die Fluktuation und der Ruf des Unternehmens als Arbeitgebermarke leidet.

Sechs Tipps für eine wertschätzende Kommunikation

1. Ehrlich kommunizieren. Führungskräfte sollten den Mitarbeitern in Gesprächen ehrlich und mit einem gehörigen Maß an Wertschätzung erklären, dass jedes einzelne Teammitglied für den Erfolg des Unternehmens mitverantwortlich ist. Auch im Arbeitsalltag sollte diese Wertschätzung kommuniziert werden.

2. Einsatzwillen belohnen. Wenn ein Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfällt und das Team Überstunden macht, sollten sich sowohl die Führungskraft als auch der erkrankte Mitarbeiter bei dem Team für geleistete Überstunden bedanken und den Mitgliedern das Gefühl vermitteln, dass ihr Einsatz geschätzt wird.

3. Als gutes Beispiel vorangehen. Als Führungskraft sollte man das, was von den Mitarbeitern erwartet wird, auch vorleben – selbst dann, wenn es von Zeit zu Zeit unangenehm sein mag. Ein Vorgesetzter, der in Zeiten außergewöhnlicher Belastung selbst die Ärmel hochkrempelt und mit anpackt, macht einen äußerst guten Eindruck.

4. Ausfallzeiten analysieren. Verantwortliche sollten die Kommunikation mit Mitarbeitern, die häufig krank sind, suchen und bewusst versuchen, mehr über die Gründe herauszufinden. Möglicherweise ist die Arbeitsbelastung zu hoch und es finden sich im Gespräch Ideen, um die Situation für beide Parteien zu verbessern.

5. Krankmeldung ruhig entgegennehmen. Mitarbeiter sollten sich persönlich krankmelden und rechtzeitig mitteilen, wann sie wieder einsatzfähig sind. Der betroffene Mitarbeiter bekommt auf diese Weise die Möglichkeit, seinem Team den nötigen Respekt zu erweisen. Außerdem kann die Führungskraft im direkten Gespräch unter Beweis stellen, dass sie die Bedeutung einer direkten und vertrauensvollen Kommunikation kennt.

6. Führungsverhalten anpassen: Wenn der Krankenstand durch verändertes Führungsverhalten gesunken ist, ist die Arbeit noch nicht getan. Im nächsten Schritt geht es an die Aufarbeitung und die Frage, wie ein Wiederansteigen des Krankenstands bereits im Vorfeld vermieden werden kann. Führungskräfte, die dauerhaft erfolgreich sein möchten, bleiben am Ball und versuchen kontinuierlich, ihre Unternehmenskultur zu verbessern.

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