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Finanzierung Factoring: Schneller liquide sein

Wer lange auf die Bezahlung seiner Rechnungen warten muss, hat einen doppelten Engpass: Ihm fehlt das Geld für seinen Geschäftsbetrieb und er muss Zeit in das Schreiben von Mahnungen investieren. Die Alternative heißt Factoring: Der Verkauf der Forderungen an einen Dritten. Fragen und Antworten.

Themenseiten: TS Außenstände, TS Eigenkapital, TS Factoring und TS Liquiditätsmanagement

Factoring gewinnt in Deutschland an Bedeutung. Der Anteil des Factorings am Bruttoinlandsprodukt liegt laut Research-Institut Statista bei rund 6,9 Prozent. "Und knapp 91 Prozent der Unternehmen , die Factoring nutzen, haben einen Jahresumsatz von unter zehn Millionen Euro", weiß Michael Ritter, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Factoring für den Mittelstand . "Dennoch fühlen sich viele klein- und mittelständische Unternehmer nicht ausreichend vertraut mit Factoring, um es für ihre Finanzierung einzusetzen", sagt der Verbandschef. Im Folgenden werden die wesentlichen Fragen rund um's Factoring beantwortet.

Was ist Factoring?

Factoring ist der Verkauf offener Forderungen an Dritte. Der Käufer der Forderungen - Factor genannt - ist eine Bank oder ein Finanzdienstleister, der das Forderungsausfallrisiko ( echtes Factoring) übernimmt. Sorgt der Factor lediglich für das Aussenden der Rechnungen und Verbuchen des Zahlungseingangs, ohne dass er das Schuldnerrisiko übernimmt, handelt es sich um unechtes Factoring.

Was kostet Factoring?

Für seine Leistung erhält der Factor eine Gebühr und Zinsen. Die Gebühr ist abhängig vom Umsatz und liegt meist zwischen 1 Prozent und 3 Prozent. Die Zinsen sind höher: Sie liegen bei rund 3 bis 5 Prozent. Wie hoch genau die Kosten für den Forderungsverkauf sind, hängt vom Anbieter sowie der Bonität der Schuldner ab. Der Factor prüft also, wer die zum Verkauf stehenden Rechnungen zu begleichen hat und wie diese Schuldner wirtschaftlich dastehen.

Was regelt der Factoring-Vertrag?

In einem Rahmenvertrag werden die Konditionen des Factorings festgehalten. Dazu gehören vor allem Laufzeit, Höhe der Forderungen, Gebühren und Zinsen. Der Handwerksunternehmer erhält mit Abschluss des Vertrages meist bis zu 90 Prozent (nur in Ausnahmen 100 Prozent) der verkauften Rechnungsbeträge innerhalb weniger Tage ausbezahlt.

Was macht der Factor mit meinen Kunden?

Die Factoringgesellschaft wird die Rechnungsempfänger anschreiben und ihnen die neue Kontoverbindung und den Abschluss des Factoringvertrages mitteilen. Zahlen die Kunden, überweist der Factor die Restbeträge aus den Rechnungen auf das Konto des Unternehmers. Bezahlt der Kunde nicht, liegt das Risiko beim Factor. Nur im Fall eines unechten Factorings geht das Schuldnerrisiko nach einiger Zeit zurück an den Unternehmer.

Arten des Factorings

Full-Service-Factoring = Standard. Der Factor ist Finanzierer, Zahlungsempfänger und Debitorenmanager (Schuldnermanager)
Inhouse-Factoring = Das Schuldnermanagement verbleibt beim Unternehmer. Der Factor übernimmt also beispielsweise keine Mahnungen
Echtes Factoring = Der Factor übernimmt das Zahlungsausfallrisiko
Unechtes Factoring = Zahlt der Schuldner nicht, muss der Verkäufer der Forderung (der Handwerksunternehmer) das Geld an den Factor zurückzahlen
Offenes Factoring = Der Schuldner weiß, dass er das Geld an den Factor überweisen muss
Stilles Factoring = Der Schuldner weiß nicht, dass der Handwerksunternehmer Factoring nutzt.

Vorteile und Nachteil des Factorings

Vorteile für Unternehm er/innen
  • umgehende Liquiditätssteigerung
  • das Risiko des Zahlungsausfalls entfällt
  • Kosten für Mahnverfahren werden gespart
  • Auswahl zwischen vielen Anbietern möglich
  • Konzentration auf das Kerngeschäft
  • Entlastung im Schuldnermanagement
  • Verbesserte Bilanz

Nachteil für Unternehme r/innen

  • Factoring kostet Geld

Wer sind die besten Factoring-Gesellschaften?

Diese Frage lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Jeder Unternehmer muss für sich entscheiden, mit welchem Anbieter er zusammenarbeiten möchte. Wichtige Kriterien für die Auswahl sind:

  • Höhe der Gebühr und der Zinsen
  • Umfang der Leistung
  • Erfahrung des Anbieters
  • Einfachheit der Abwicklung
  • Angenehmer Umgang mit den handelnden Personen

Eine gute Plattform, um einen passenden Factor zu finden, ist beispielsweise compeon.de. Mittelständische Factoring-Gesellschaften stellen sich auch auf der Seite des Verbands BFM unter bundesverband-factoring.de/mitglieder/mitglieder vor.

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