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Fachkräftemangel: Für Mitarbeiter attraktiver werden

Im Kampf um gute Mitarbeiter sollten Chefs jetzt mit ­zusätzlichen Angeboten punkten: der betrieblichen Altersvorsorge, Krankenzusatzversicherung, Mitarbeiterbeteiligung oder steuerfreien Extras.

Themenseiten: TS Fachkräftemangel und TS Mitarbeitermotivation

Das Handwerk steht an einem Wendepunkt. Davon ist Franz Widmann fest überzeugt. „In Zukunft ist die größte Herausforderung nicht mehr der Wettbewerb um Kunden und Umsatz, sondern um gut ausgebildete Fachkräfte“, sagt der Münchner Konditormeister und Unternehmer.

Eine übertarifliche Bezahlung sei gerade in Ballungszentren wie München mittlerweile selbstverständlich. Andere Faktoren gewinnen für Mitarbeiter aber an Bedeutung. „Dazu gehören geregelte Arbeitszeiten, ein gutes Betriebsklima, ein moderner Arbeitsplatz und zusätzliche Leistungen wie die betriebliche Altersvorsorge“, erklärt Widmann.

Gefühlter Aufwand schreckt Betriebe

Denn nur wenn Handwerksbetriebe ihren Mitarbeitern besondere Rahmenbedingungen bieten, können sie im Wettbewerb mit der Indus-trie um gut ausgebildete Fachkräfte künftig konkurrieren. Arbeitgeber im Handwerk haben dafür verschiedene Instrumente, ihre Beschäftigten zu motivieren und neue Bewerber zu gewinnen: die betriebliche Altersvorsorge (bAV), die betriebliche Krankenzusatzversicherung (bKV), die finanzielle Mitarbeiterbeteiligung oder steuerfreie Extras wie Zuschüsse für Gesundheit und Beratung.

Seit 2002 gehört das Angebot der betrieblichen Altersvorsorge zum Pflichtprogramm für Arbeitgeber, wenn Mitarbeiter diese Leistung einfordern. Aber nur knapp 50 Prozent der Betriebe bieten diese zusätzliche Leistung auch an, wie Umfragen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) belegen. Viele Unternehmer schrecken immer noch vor dem „gefühlt hohen Aufwand zurück“, erklärt Martin Eder, Experte für die bAV beim Handwerksversicherer Münchener Verein.

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Betriebszugehörigkeit belohnen

Der Aufwand war für Unternehmer Widmann kein Thema. „Bisher konnte jeder Mitarbeiter, der wollte, einen Vertrag abschließen. Ich will das bAV-Angebot jetzt aber verstärkt fördern“, so der Konditormeister. Gemeinsam mit Martin Eder vom Münchener Verein hat er ein Zwei-Stufen-Modell ausgearbeitet, das die Treue der Mitarbeiter zum Arbeitgeber belohnt. Jeder, der seit einem Jahr bei der Konditorei Widmann arbeitet und sich für die Entgeltumwandlung als spezifische, staatlich geförderte Form der betrieblichen Altersvorsorge entscheidet, bekommt vom Chef monatlich einen zusätzlichen Zuschuss obendrauf. Nach fünf Jahren Betriebszugehörigkeit zahlt Widmann noch einmal einen deutlich höheren Betrag aus der eigenen Tasche, auch wenn der Mitarbeiter keine Entgeltumwandlung wahrnimmt. Das finanzielle Engagement des Unternehmers zahlt sich aus: Bis auf wenige der 39 fest angestellten Mitarbeiter sparen jetzt alle über den Betrieb für die eigene Rentenaufbesserung. „Wenn der Arbeitgeber von der bAV überzeugt ist und zusätzlich noch Beiträge zahlt, ist die Beteiligung der Mitarbeiter deutlich höher“, beobachtet bAV-Experte Eder. Er hat Widmann zur Durchführung der bAV beraten und wird den Betrieb dazu weiter begleiten. Dazu gehören regelmäßige Informationsveranstaltungen und Einzelberatungen für neue Mitarbeiter sowie die fortlaufende Betreuung von Beschäftigten, die bereits eine bAV abgeschlossen haben.

Franz Widmann hat sich bei der Umsetzung der bAV für eine Direktversicherung entschieden (siehe Kasten „Fünf Durchführungswege“ oben). Der beste Weg für die Konditorei. Auch Martin Eder empfiehlt Arbeitgebern im Handwerk zur Durchführung die Direktversicherung oder für Besserverdienende wie angestellte Geschäftsführer die Unterstützungskasse: „Diese Wege sind für den Arbeitgeber einfach zu handhaben, flexibel, bilanzneutral und für den Chef die haftungssicherste Form der bAV“, erklärt der Experte. Mitarbeiter können ihre Direktversicherungsverträge so bei einer Kündi-gung mitnehmen, sie sind insolvenz- und Hartz-IV-geschützt. Von der bAV profitieren beide Seiten: Die Mitarbeiter können Teile ihres Gehalts steuer- und sozialabgabenfrei für den Aufbau einer Betriebsrente verwenden. Der Arbeitgeber senkt über dieses Instrument seine Lohnnebenkosten. Wobei Eder hier längst nicht mehr das Hauptargument für Arbeitgeber sieht: „Wichtiger ist, dass Betriebe so deutlich ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern. Denn das Handwerk muss auf dem Arbeitsmarkt gegen Großunternehmen bestehen, die auch zusätzliche Sozialleistungen bieten“, so der Experte.

Gesundheitsvorsorge für Mitarbeiter

Während die bAV mittlerweile ein gut eingeführter Klassiker für Arbeitgeber und Belegschaft ist, stellt die betriebliche Krankenzusatzversicherung (bKV) noch ein relativ neues Angebot dar, mit dem Arbeitgeber punkten können. Nachdem das Finanzministerium die Freibeträge für die betriebliche Gesundheitsvorsorge wieder gestrichen hat, steht hier nicht das Steuersparmodell für Unternehmer im Vordergrund, sondern der Mehrwert für den Betrieb und die Belegschaft. „Es geht hier vor allem um eine bessere Gesundheitsvorsorge für die einzelnen Mitarbeiter“, erklärt Uwe Jüttner vom Versicherungsmakler Aon aus Hamburg.

Der betriebliche Krankenversicherungsschutz reicht von einfachen Vorsorgeleistungen, etwa für den Urlaub im Ausland, bis hin zu vollen Leistungen für Privatpatienten mit Chefarztbehandlung im Einbettzimmer (siehe Tabelle oben). Auch Familienangehörige der Mitarbeiter können meist zu gleichen Konditionen mitversichert werden. Rund 20 private Krankenversicherungen bieten die Kollektivverträge bereits an. Im Detail unterscheiden sich die Leistungen durch Selbstbeteiligungen und die Versicherungsbeiträge erheblich. Die Wahl der Angebote und die Gestaltung für Leistungsträger des Betriebs liegt beim Chef. Der Arbeitgeber punktet auch hier mit einer überzeugenden Kommunikation gegenüber der Belegschaft.

Einen anderen Weg geht Firmenchef Jörg von Bargen. Der Geschäftsführer der EAB Elektro Anlagen Bau GmbH in Stade motiviert seine Mitarbeiter durch eine Beteiligung. Zum einen will er das Team zu unternehmerischem Handeln und Denken anregen. „Wir wollen, dass der Zusammenhang zwischen mehr Leistung und mehr Unternehmenserfolg für unsere 57 Mitarbeiter erkennbar wird“, erklärt von Bargen. Zum anderen aber dient die Mitarbeiterbeteiligung dazu, qualifizierte Fachkräfte zu binden. Dabei arbeitet der Unternehmer mit einem ausgeklügelten Modell: Ein Viertel des Jahresgewinns schüttet die Geschäftsführung an die Mitarbeiter aus – und zwar nach Köpfen. Der jeweilige Betrag wird für fünf Jahre auf Firmenkonten gutgeschrieben und mit über zwei Prozent verzinst. „Das ist ein Vielfaches im Vergleich zu anderen sicheren Geldanlagen“, so von Bargen. Ab dem sechsten Jahr kann dem Mitarbeiter ein Anteil ausgezahlt werden.

Motivation durch Beteiligung

Die Vorteile für beide Seiten liegen auf der Hand: Das Unternehmen profitiert von einer guten Liquidität, weil es über fünf Jahre mit dem Geld des jeweiligen Mitarbeiters arbeiten kann. Dafür zahlt die Firma zwar einen Zins. Doch dieser liegt deutlich unter alternativen Finanzierungen. Im Gegenzug profitieren die Angestellten von einem attraktiven Ertrag. „Das Modell wird gut angenommen. Auch deshalb, weil sich über einen Zeitraum von fünf Jahren regelmäßig mehrere Tausend Euro auf dem Konto der Mitarbeiter ansammeln. Das wirkt dann motivierend“, meint von Bargen.

Wie die EAB Elektro Anlagen Bau GmbH setzen immer mehr Firmen auf eine Mitarbeiterbeteiligung, um das Team anzuspornen und ihre Fachkräfte zu binden. Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft EY vefolgt jedes zweite Unternehmen, das ein solches Modell anbietet, dieses Ziel. 85 Prozent der befragten Gesellschaften wollen die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitgeber steigern, 80 Prozent die Bindung an die Firma. Das scheint zu funktionieren. Denn 66 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass ihre Mitarbeiter sich stärker als bisher mit dem Betrieb identifizieren. 55 Prozent sehen ihre Attraktivität als Arbeitgeber gestärkt.

Wer ein solches Modell erfolgreich einführen will, hat allerdings einiges zu beachten. „Zusammen mit dem Steuerberater und einem externen Experten können die entsprechenden Programme leicht erarbeitet und definiert werden“, sagt Heinrich Beyer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Mitarbeiterbeteiligung (AGP) in Kassel. Im Mittelstand läuft es zumeist auf stille Beteiligungen oder Genussrechte hinaus. „Die Firmenchefs wollen die Zügel der Geschäftsführung in der Hand halten und entscheiden sich deshalb dafür“, erklärt Stefan Fritz, Geschäftsführer der mit-Unternehmer.com Beratungs-GmbH in Bamberg und spezialisiert auf Mitarbeiterbeteiligungsmodelle. Bei beiden Varianten kann der Unternehmer weitgehend selbst entscheiden, welche Verzinsung, welche Auszahlungsmodalitäten oder welche Kündigungsfristen er wählt. Weiterer Vorteil: Es handelt sich bei den Einlagen der Mitarbeiter um sogenanntes Mezzanine-Kapital. Das gilt zumindest, wenn die Mitarbeiter auch an möglichen Verlusten beteiligt werden, nachrangig haften und ihr Geld wenigstens fünf Jahre lang investieren. Die Kapitalgeber erhalten Informations-, aber keine Mitspracherechte.

Unternehmer in Baden-Württemberg können sogar auf finanzielle Unterstützung hoffen. Die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg (MBG) bietet seit dem vergangenen Jahr ein neues Programm. Firmenchefs, die investieren und gleichzeitig ihre Mitarbeiter am Gewinn beteiligen, erhalten zu günstigen Konditionen eine stille Beteiligung der Fördergesellschaft. Neben der Mitarbeiterkapitalbeteiligung lassen sich mit dem Programm „Mittelstand CSR“ auch Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter wie gute Beleuchtung oder ergonomische Arbeitsplätze finanzieren (siehe Kasten oben „Kleine Freuden erhalten die Freundschaft“).

Vertrauen in den Chef ist wichtig

Was auch geboten wird, das jeweilige Modell sollte die Ziele des Unternehmens genauso wie die Bedürfnisse der Mitarbeiter berücksichtigen. Die Mitarbeiter investieren aber nur, wenn sie dem Chefs und seinem Modell Vertrauen schenken. Deshalb geht es darum, in kurzer und verständlicher Form dem Team die Funktionsweise zu erläutern. „Wir empfehlen, bei einer Informationsveranstaltung zunächst nur die Grundzüge der Beteiligung vorzustellen. Im Idealfall wird auf einer DIN-A-4 Seite alles so erläutert, dass der Ehepartner zu Hause die Details ebenso schnell erfassen kann“, rät Fritz. Hintergrund: Viele Mitarbeiter sprechen im Familien- oder Freundeskreis über ein solches Angebot. „Die meisten Arbeitnehmer haben kein Interesse daran, sich intensiv mit Kennzahlen und komplizierten Rechnungen zu beschäftigen“, sagt Fritz. Deshalb rät er, zum Beispiel die Firmenentwicklung kurz anhand einer Zahlenreihe zu präsentieren (siehe Kasten „Das Modell richtig erklären“, Seite 21).

Auch Krisensituationen des Betriebes gilt es ungeschminkt zu erläutern – das stärkt das Vertrauen. Im Idealfall finden regelmäßig Informationsveranstaltungen in den Betrieben statt. Damit die Mitarbeiterbeteiligung in Erinnerung bleibt und als etwas Besonderes wahrgenommen wird.

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