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Exklusiv: Steuerfahnder konzentrieren sich auf Schwarzarbeit und Geldwäsche

Jesco Idler, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Diplom-Kaufmann und Partner bei der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg in Bonn, erklärt im Interview mit dem handwerk magazin, wie die Steuerfahnder dank frei gewordener Ressourcen die organisierte Kriminalität verstärkt bekämpfen.

Themenseite: Schwarzarbeit

handwerk magazin: Herr Idler, Steuerfahnder haben in den vergangenen Jahren intensiv gegen Anleger ermittelt, die Schwarzgeld in Steueroasen wie der Schweiz oder Luxemburg deponiert haben – vor allem auf Basis von Daten-CDs. Ist hier bald das Ende der Fahnenstange erreicht?

Jesco Idler: Ja. Wie aus der Finanzverwaltung zu hören ist, lässt die Arbeitsbelastung infolge von CD-Käufen bereits deutlich nach. Künftig werden sich die Fahnder verstärkt anderen Bereichen widmen.

Welche sind das?

Ein wichtiger Bereich ist der Kampf gegen Geldwäsche. Mehrere Bundesländer haben in den letzten Jahren sogenannte Sonderprüfungsgruppen Geldwäsche und organisierte Kriminalität – abgekürzt GewOK – ins Leben gerufen. Diese Spezialeinheiten sammeln Hinweise auf Geldwäsche, auf die Finanzbeamte vor Ort stoßen, etwa im Rahmen von Betriebsprüfungen. Dann sorgen sie dafür, dass das Bundeskriminalamt und die regional zuständige Strafverfolgungsbehörde informiert werden.

Ermitteln die GewOK-Fahnder auch selbst?

Die Steuerfahnder‎ ermitteln grundsätzlich nur Steuerstraftaten. In Fällen, in denen es um Hinterziehung und Geldwäsche zugleich geht, ist die Zusammenarbeit der Behörden nach meinem Eindruck in den letzten Jahren immer enger geworden. So sind Beamte der Steuerfahndung inzwischen fest zum Landeskriminalamt abgeordnet.

Welche weiteren Schwerpunkte setzen Steuerfahnder jetzt und in Zukunft?

Der Trend geht weiter dahin, sich auf Fälle mit hohen fiskalischen Risiken zu konzentrieren. Neben Geldwäsche widmen sich Steuerfahnder deshalb verstärkt der organisierten Schwarzarbeit und den Umsatzsteuerkarussellen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die digitale Manipulation von Registrierkassen. Auch in diesem Bereich haben sich kriminelle Gruppen organisiert, die Manipulationssoftware programmieren und Unternehmen aus Bargeld-Branchen anbieten – also etwa Gastronomen, Friseuren oder Apothekern.

Wie funktioniert diese Software?

Das ist unterschiedlich. Am Ende läuft es stets darauf hinaus, dass Unternehmer ihre gebuchten Einnahmen nachträglich reduzieren können. Dazu müssen sie oft nur einen USB-Stick an die Registrierkasse anschließen, auf dem die Manipulationssoftware gespeichert ist.

Wenn sich Steuerfahnder verstärkt auf kriminelle Strukturen und große Fische konzentrieren: Können sich all diejenigen, die nur ein bisschen tricksen, entspannt zurücklehnen?

Nein. Klassische Hinterzieher dürften in Zukunft immer öfter automatisch auffliegen – zum Beispiel durch den umfassenden automatischen Informationsaustausch mit anderen Ländern, der nur noch wenige Schlupflöcher für Schwarzgeld-Anleger lässt. Zudem setzen die Finanzbehörden immer ausgereiftere Softwareprogramme ein, die digitalisierte Steuererklärungen, Bilanzen und Buchhaltungen automatisiert durchforsten und bei Auffälligkeiten Alarm schlagen.

Lange kam die Entwicklung solcher Softwareprogramme nicht voran.

Noch sind die Finanzbehörden sicher nicht da, wo sie hinwollen. Aber sie haben in vielen Bereichen Fortschritte gemacht, zum Beispiel beim Programm IAS Tax Audit, dass bei Betriebsprüfungen eingesetzt wird.

Danke für das Gespräch.

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