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Konsumklima Europa: Verbraucher verhalten

Die europäischen Verbraucher sehen nicht mehr so optimistisch in die Zukunft wie noch im Juni. Während der vergangenen drei Monate ist die Konjunkturerwartung in nahezu allen betrachteten Ländern gesunken, zum Teil sehr deutlich. Auch bei der Einkommenserwartung sowie der Anschaffungsneigung scheint der aufwärts gerichtete Trend in vielen Ländern gebrochen. Der GfK Konsumklimaindex für die EU28 steht aktuell bei 4,2 Punkten, gegenüber 9,1 Punkten im vorigen Quartal. Das sind Ergebnisse des GfK Konsumklima Europa.

Themenseite: Konjunktur

In fast allen Ländern der Europäischen Union hat sich die Wirtschaft schlechter entwickelt als Wirtschaftsinstitute und Regierungen noch im Frühjahr erwartet haben. In einigen Ländern sinkt die Wirtschaftsleistung bereits wieder. Dafür gibt es mehrere, sehr unterschiedliche Gründe.

Deutschland fungiert derzeit nicht mehr als Konjunktur-Lokomotive. Im zweiten Quartal ist die Wirtschaftsleistung sogar leicht um 0,2 Prozent zurückgegangen. Im dritten Quartal soll sie laut Experten wieder wachsen, wenn auch eher schwach. Während die deutschen Verbraucher nach wie vor gerne einkaufen, kämpft der exportorientierte Teil der Wirtschaft mit der schwachen Nachfrage im Ausland. Das betrifft sowohl die Länder in der Europäischen Union als auch Schwellenländer wie Russland, China und Brasilien. Dort ist die Wirtschaft in den vergangenen Jahren teilweise sehr stark gewachsen. Die Wachstumsraten sind inzwischen jedoch nur noch im einstelligen Bereich. Und die Verbraucher dort haben ihren Bedarf an materiellen Dingen zu einem großen Teil aufgeholt. Sie konsumieren nicht mehr so viel.

Strukturelle Probleme und internationale Konflikte

Zwei der größten Volkswirtschaften in Europa – Frankreich und Italien – haben nach wie vor große strukturelle Probleme. Bislang ist nicht zu erkennen, dass sich das in den nächsten Monaten ändert und die Regierungen große Reformen in Angriff nehmen und vor allem durchsetzen werden.

Ein dritter Punkt sind die aktuellen Großkonflikte. Dazu zählen die Spannungen und Wirtschaftssanktionen zwischen der EU und Russland, der Krieg im Nahen Osten, die Bedrohung durch die IS sowie der politische Umbau in der Türkei. All diese Ereignisse verunsichern die Menschen. Unternehmen und Banken halten sich deshalb mit Investitionen beziehungsweise Krediten zurück. Das wiederum wirkt sich direkt auf die Wirtschaftsleistung der einzelnen Länder aus.

Hinzu kommt die geringe Inflationsrate. Im September lag sie europaweit bei 0,3 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit knapp fünf Jahren. Einige Länder kämpfen bereits mit einer Deflation, also sinkenden Verbraucherpreisen.

Dieses schwierige Umfeld spiegelt sich auch im ifo-Geschäftsklimaindex wieder. In Deutschland ist er im September auf den niedrigsten Wert seit April 2013 gefallen. In vielen osteuropäischen Ländern ist das Geschäftsklima aktuell sogar schlechter als vor zehn Jahren. Neben den wirtschaftlichen Sanktionen beunruhigen sicherlich auch die Äußerungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin die dortige Wirtschaft.

Wie die Unternehmen sehen auch die europäischen Verbraucher die Konjunktur nicht mehr so stabil wie noch im Frühsommer. Im Juni erreichte der GfK Konsumklimaindex für alle 28 Länder der EU mit 9,1 Punkten den höchsten Wert seit April 2008. Seitdem ist er um fast fünf Punkte gefallen. Im September lag er nur noch bei 4,2 Zählern.

Deutschland: Konjunkturerwartung bricht ein

Die Verbraucherstimmung in Deutschland hat sich im letzten Quartal deutlich verschlechtert. Erreichte die Konjunkturerwartung im Juni mit 46,2 Punkten den höchsten Stand seit drei Jahren, ist sie seither mit einem Minus von knapp 42 Punkten regelrecht eingebrochen. Aktuell liegt der Indikator bei 4,4 Zählern.

Die Einkommenserwartung verzeichnete im Juli mit 54,7 Punkten den höchsten Wert seit 1991, als zum ersten Mal gesamtdeutsche Zahlen veröffentlicht wurden. Da die Verbraucher von einer deutlich schwächeren Wirtschaftsentwicklung ausgehen, haben sie auch ihre Einkommenserwartungen etwas gesenkt. Mit aktuell 43,4 Zählern verzeichnet der Indikator aber noch ein sehr hohes Niveau.

Auch die Anschaffungsneigung ist im vergangenen Quartal um rund 10 Punkte gesunken. Während sie im Juni mit 53,2 Punkten den höchsten Stand seit Dezember 2006 erreichte, ist sie seitdem um knapp 11 Zähler gesunken. Aktuell liegt sie bei immer noch sehr guten 42,5 Punkten.

Franzosen erwarten schwache Einkommensentwicklung 

Die französischen Verbraucher trauen ihrer Wirtschaft nach wie vor kein Wachstum zu. Die Konjunkturerwartung ist in den vergangenen drei Monaten um 6,5 Punkte gesunken und liegt aktuell bei -26,8 Zählern.

Auch ihre Einkommen werden weiterhin sinken – glauben die Franzosen. Der entsprechende Indikator liegt mit -36,4 Punkten nur leicht über seinem Wert von Juni dieses Jahres.

Bei diesen Rahmenbedingungen wundert es nicht, dass die Verbraucher keine Lust zum Einkaufen verspüren. Die Anschaffungsneigung ist über den Sommer um mehr als fünf Punkte gefallen und liegt derzeit bei -29,8 Zählern.

Schottlandreferendum verunsichert britische Verbraucher

Obwohl die Wirtschaft in Großbritannien deutlich wächst, sind die Verbraucher für die nächsten Monate nicht mehr so zuversichtlich wie noch im Juni. Die Konjunkturerwartung ist um mehr als 13 Punkte zurückgegangen. Mit 24,6 Zählern ist sie aber noch auf einem sehr guten Niveau. Grund für diesen Rückgang könnte das Referendum über eine Unabhängigkeit Schottlands im September gewesen sein. Da Schottland im Vereinigten Königreich verbleibt und die allgemeinen Wirtschaftsdaten sehr gut sind, ist im Oktober wieder mit einem höheren Wert zu rechnen.

Bei ihren Einkommen erwarten die Briten keine Verbesserung. Der Indikator ist im Sommer um 6,5 Punkte gefallen und liegt aktuell bei 1,5 Zählern. Das ist der niedrigste Wert seit Dezember letzten Jahres.

Lediglich die Anschaffungsneigung konnte leicht auf -2,2 Punkte zulegen. Der negative Wert zeigt jedoch, dass sich die britischen Verbraucher nach wie vor bei der Anschaffung von werthaltigen Produkten stark zurückhalten. Im August erreichte der Indikator mit 0,1 Zählern erstmals seit August 2007 wieder den positiven Bereich. Im Vergleich zu September 2013 ist der Indikator um rund 21 Punkte gestiegen.

Italiener sehen sich nach wie vor in der Krise

In Italien ist die Konjunkturerwartung deutlich gesunken und lag im September bei -28,7 Zählern. Das ist ein Unterschied von 15,7 Punkten im Vergleich zu Juni.

Auch die Hoffnung auf steigende Einkommen haben die Italiener im Sommer wieder begraben. Während der Indikator im Mai dieses Jahres mit 4 Punkten den höchsten Stand seit Juni 2009 erreicht hatte, fiel er bis September auf -14,5 Punkte. Damit liegt er in etwa auf dem gleichen Niveau wie im Februar.

Einzig die Anschaffungsneigung hat sich verbessert. Sie liegt mit -6,4 Zählern zwar noch im negativen Bereich, hat aber seit Juni sichtbar zugelegt. Der Indikator verzeichnet somit den höchsten Wert seit Mai 2011.

Spanische Verbraucher glauben an nachhaltigen Aufschwung

Spaniens Wirtschaft wächst seit Anfang dieses Jahres wieder kräftig, wenn auch von einem sehr niedrigen Niveau aus. Inzwischen ist auch bei den Verbrauchern das Vertrauen zurückgekehrt. Sie gehen auch für die nächsten Monate von einer besseren konjunkturellen Entwicklung aus. Der entsprechende Indikator lag im September bei 24,5 Punkten. Im August hatte er mit 31,1 Zählern den höchsten Stand seit Oktober 1999 erreicht.

Die Einkommenserwartung ist hingegen seit Juni leicht gesunken und liegt derzeit bei 5,4 Punkten. Der positive Wert besagt jedoch, dass die Spanier von leicht steigenden Einkommen in den nächsten Monaten ausgehen. Ein Grund dafür könnte die inzwischen sinkende Arbeitslosigkeit sein.

Mit -9,1 Punkten befindet sich die Anschaffungsneigung noch im negativen Bereich. Die Verbraucher halten ihr Geld also nach wie vor zusammen und sehen keine Veranlassung, werthaltige Güter anzuschaffen.

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