Gründer -

Die Besten Gründer Deutschlands

Es ist ein wichtiger langfristiger Erfolgsfaktor für Handwerksgründer, den eigenen Platz auf dem Markt zu finden. Dazu aber müssen Gründer das Wettbewerbsumfeld und die Kunden kennen, sich dann auf deren Bedürfnisse einstellen. „Viele Gründer im Handwerk sind nicht marktorientiert genug“, sagt der Handwerksforscher Klaus Müller, Geschäftsführer des ifh in Göttingen. „Sie untersuchen nicht strukturiert, was die Konkurrenz tut und welche Nischen sich dadurch gegebenenfalls anbieten. Und sie vernachlässigen das Marketing.“

Malermeister Sven Stelzel aus Esslingen bei Stuttgart, Zweitplatzierter des diesjährigen Gründerwettbewerbs, ist da eine rühmliche Ausnahme. „Das Maler- und Lackiererhandwerk bietet meist schlechte Verdienstmöglichkeiten für einen Gründer“, hatte er schon 2009 erkannt, als er sich selbständig machte. Allein in Esslingen gab es damals 30 Malerbetriebe. Also verlegte sich der heute 27-Jährige auf eine Doppelstrategie: Zuerst suchte er nach Nischen, in denen noch nicht so viel Wettbewerb herrschte: das waren Schimmelsanierungen und das Installieren von Spanndecken. Bei den diesen spannen Stelzel und seine Mitarbeiter Spezialfolien zwischen Profilen auf. So entsteht eine glatte Oberfläche. Stelzels dritte Nische sind fugenlose Badezimmer mit Oberflächen aus einem besonderen, wasserdichten Putz.

Der zweite Teil von Stelzels Strategie: Er verkauft seine Dienstleistung unter verschiedenen Markennamen. Der Handwerker besitzt drei Fahrzeuge und drei Internetseiten, alle mit eigenem Auftritt für das jeweilige Spezialgebiet. „Traumgestaltung“ für Malergeschäft und Sanierungen, „Doktor Spanndecke“ und „Endlich Fugenlos“ für die Bäder. „Wenn wir als Doktor Spanndecke beim Kunden vorfahren, denken die, wir würden nichts anderes machen“, sagt Stelzel. Überhaupt sind ihm seine Kunden wichtig: „Gerade als Gründer muss ich erreichbar sein, freundlich, pünktlich und zuverlässig.“

Fachlich gut sein reicht nicht

Viele Handwerksgründer tun sich schwer damit, sich in diesem Maße auf Kunden einzulassen, weiß Frank Berting, der als Vorsitzender des Bundesverbandes der Handwerksjunioren in der Jury des Top-Gründer-Wettbewerbs sitzt. Im Laufe seiner Karriere hat der gelernte Metallbauer acht Betriebe kennengelernt – er weiß, wie unterschiedlich Handwerker wirtschaften. Fachlich gut zu sein reiche einfach nicht, warnt Berting. Kunden suchten sich heute einen Handwerker, indem sie bei Google suchen und dann schauen, ob andere Kunden schon Erfahrungsberichte geschrieben und Bewertungen abgegeben haben. „Man hat vielfältige Möglichkeiten, Handwerker zu vergleichen“, sagt der Experte. Er folgert: Gründer sollten sich darum bemühen, schnell gefunden und von Kunden weiterempfohlen zu werden.

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